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Schnell noch eine Story posten, per Videocall anrufen und die nächste Tankstelle suchen: Die Zeiten von langsamem Smartphone-Internet sind größtenteils vorbei – LTE sei Dank. Und der nächste Sprung steht bevor: Bald kommt 5G – und damit auch Verunsicherung.

Angst vor dem Netzausbau: Macht 5G krank?

Das Handy haben die meisten von uns immer dabei. Kommt mit dem Netzausbau für 5G jetzt auch mehr Strahlung auf uns zu? Welche Fakten gibt es dazu denn überhaupt? Solche Fragen und verschiedene Antworten darauf finden sich viele in Internet. Schnelles Internet ist ja schön und gut, aber zu welchem Preis? Wie schädlich sind mehr Funkmasten wirklich und gibt es eine Verbindung zu Krebserkrankungen? Wir haben den Faktencheck gemacht.

Warum 5G? Was ist das überhaupt?

Einige Smartphone-Nutzer haben das kleine 5G-Symbol schon auf ihren Displays gesehen. 5G ist der neueste Mobilfunkstandard, die fünfte Generation und der Nachfolger von 4G, das auch unter dem Namen LTE bekannt ist.

Handys, die mit 5G funken, können schneller und besser Daten austauschen. Bis zu 100-mal mehr als mit 4G. Außerdem können auf 5G-Frequenzen mehr Geräte gleichzeitig kommunizieren, nämlich bis zu eine Million gegenüber nur 200 bei 4G. Bald soll 5G in Deutschland flächendeckend eingerichtet sein, dafür braucht es neben den ganzen Masten aber auch Glasfaserverbindungen. Der Ausbau läuft also noch.

Vorteile und Nachteile von 5G

5G erlaubt nicht nur höhere Datenraten für noch hochauflösendere Videos, sondern auch der sogenannte Ping ist schneller. Damit wird die Umlaufzeit bezeichnet, die ein Datenpaket von A nach B und wieder zurück braucht. Solche kurze Zeitspannen sind zum Beispiel wichtig bei selbstfahrenden Autos oder wenn Medizinroboter ferngesteuert Operationen durchführen sollen. Da kommt es auf Millisekunden an. Das bedeutet: Vor allem für die Industrie wird dieser neue Standard große Vorteile bringen sein, aber auch Privatpersonen können profitieren.

Rund 6,6 Milliarden kamen zusammen 5G-Versteigerung ist vorbei – Gewinner sind die Verbraucher

Gut zwölf Wochen hat die Versteigerungen der Mobilfunkfrequenzen gedauert – am Mittwoch ist sie zu Ende gegangen. Das Ergebnis: In Zukunft gibt es nicht länger nur drei Anbieter, die eigene Funkmasten haben, sondern vier. Experten sagen, das könnte Vorteile für Verbraucher bringen.  mehr...

Aber: Wer höhere Datenraten und kürzere Laufzeiten will, braucht höhere Frequenzen. Und höhere Frequenzen haben eine kürzere Reichweite. Für eine sinnvolle Abdeckung brauchen wir deshalb mehr Antennen und Funkmasten als bei den bisherigen Standards – viel mehr.

Höhere Strahlenbelastung durch 5G?

Martin Röösli ist Professor für Umwelt-Epidemiologie am schweizerischen Tropen und Public Health Institut und forscht seit Jahren auf diesem Gebiet und sagt dazu:

Grundsätzlich ist es so: Je mehr Antennen man hat, desto mehr nimmt diese Art von Strahlungbelastung zu. Auf der anderen Seite nimmt aber die Strahlenbelastung des eigenen Handys deutlich ab, je besser die Signalqualität ist, so dass insgesamt eigentlich die Strahlenbelastung für den durchschnittlichen Nutzer deutlich abnimmt je dichter das Netz ist.

Das bedeutet, dass das Smartphone am Ohr viel entscheidender ist als der Mast in 50 Meter Entfernung. Wenn es mehr Masten gibt, braucht das Smartphone selbst weniger Leistung und das hat für einen viel größeren Effekt.

Trotzdem klingt es zuerst erschreckend, wenn man liest, dass laut Bundesregierung an 5.000 Standorten neue Masten aufgestellt und die bestehenden aufgerüstet werden sollen. Immerhin sollen die 5G-Masten die Funkwellen aber zielgerichteter dort hin abstrahlen, wo sie gebraucht werden. Das kann unter Umständen wiederum die Strahlenbelastung verringern, jenachdem wo man sich aufhält.

Strahlung: Das steckt dahinter

Strahlung ist grundsätzlich etwas ganz Natürliches. Licht ist zum Beispiel eine elektromagnetische Strahlung. Die Wärme, die eine heiße Kartoffel abstrahlt, ist ebenfalls elektromagnetische Strahlung im Infrarotbereich. Auch Gammastrahlung, die entsteht, wenn ein radioaktiver Stoff zerfällt, ist natürlich. Grundsätzlich gilt auch: Zu viel davon ist immer schlecht, egal ob Licht, Wärme oder radioaktive Strahlung.

Der Unterschied zwischen den verschiedenen Strahlungsarten ist die Frequenz. Ob eine Strahlung für uns gefährlich ist oder nicht, hängt nicht nur davon ab, wie stark die Strahlung ist, sondern auch von dessen Frequenz.

Faktencheck: Ist 5G-Strahlung gefährlich? (Foto: Pixabay)
Verschiedene Arten von Strahlung haben verschieden hohe Frequenzen und damit auch unterschiedliche Grenzwerte. Bei der Risikobeurteilung muss die Frequenz also immer mit berücksichtigt werden. Pixabay

Das muss man sich so vorstellen: Je höher die Frequenz, desto schneller ist die Schwingung. Bei sehr kurzen Wellenlängen können Atome und Moleküle zerstört werden, so dass beispielsweise die Haut schneller altert oder sich Krebszellen bilden. Darunter fällt zum Beispiel die Strahlung, die nach Unfällen wie in Tschernobyl oder Fukushima aus einem Atomkraftwerk austreten kann. Deshalb gibt es für die verschiedenen Arten Grenzwerte. Nach dem Motto: Die Dosis macht das Gift.

Für die Frage, ob Strahlung gefährlich sein kann, heißt das: Ja, Strahlung kann gefährlich sein, wenn sie einen bestimmten Grenzwert überschreitet. Das gilt auch für Röntgenstrahlung, UV-Strahlung, Licht, Infrarot oder auch UKW-Funk. Deshalb kann man nicht pauschal sagen, dass 5G-Strahlung grundsätzlich schädlich ist.

Ist die 5G-Strahlung gesundheitsschädlich?

Die elektromagnetische Strahlung auf den 5G-Frequenzen ist dann schädlich, wenn sie die entsprechenden Grenzwerte überschreitet. Diese Grenzwerte zu definieren und einzuhalten ist der springende Punkt. Es muss also geklärt werden, ob die Dosis 5G, die uns Masten und Handys verpassen, zu viel ist.

Wie so oft, gibt es hier leider keine klare Antwort, denn die Sachlage ist ständig in Bewegung. Zur Gefahr von Strahlung allgemein und auch zu Handystrahlung gibt es hunderte Studien. Die WHO hat in einem Bericht 2011 Handystrahlung als möglicherweise krebserregend für den Körper eingestuft: Dort heißt es, dass Handy-Strahlung in die Gruppe 2B eingestuft wird:

Es gibt einige Hinweise darauf, dass sie beim Menschen Krebs verursachen könnte, was derzeit aber nicht belastbar begründet ist.

Damit fällt Handystrahlung in eine Kategorie mit über 250 anderen Dingen, die als genauso krebserregend eingestuft werden. Auch auf dieser Liste stehen zum Beispiel Stoffe, die häufig in Klebern verwendet werden oder beim Grillen entstehen. Oder auch der gesamte Extrakt aus der Aloe Vera Pflanze.

Auch ein Experiment mit Ratten hat keine klaren Ergebnisse geliefert. Zwar gibt es Beweise für Herztumore, die bei männlichen Ratten aufgetreten sind, aber die Studie hat in der Ausführung Schwächen: Zum Beispiel wurden die Ratten mit dem 20-fachen des Grenzwerts bestrahlt, was die Studie zu dem Schluss kommen lässt, dass dieses Experiment nicht auf den Lebensalltag des Menschen übertragbar ist und deshalb auch von keinen negativen gesundheitlichen Auswirkungen durch Mobilfunkstrahlung auszugehen ist – sofern die Grenzwerte eingehalten werden.

Das ist etwa vergleichbar mit dem Szenario, wenn man sich direkt neben einen Düsenjet stellt, einen Tinnitus bekommt und dann argumentiert, dass man im Alltag ja nicht in unmittelbarer Nähe eines Jets steht und der Flugzeuglärm demnach allgemein kein Problem darstellt. Die Dosis ist entscheidend und zwar die, die man auch realistisch im Alltag abbekommt.

Eine andere Studie, die häufig zitiert wird, stammt aus Schweden. Viele Internetseiten von Mobilfunk-Gegnern verweisen darauf. Sie zeigt, dass das Tumorrisiko um das 7-fache erhöht ist, wenn man ein Handy nutzt.

Wie ist die allgemeine Studienlage zu bewerten?

Martin Röösli betont, dass bisher keine Gesundheitseffekte nachgewiesen werden konnte, solange die Grenzwerte nicht überschritten wurden.

Es gibt viel Forschung zu diesem Thema und bisher konnte man nicht nachweisen, dass unterhalb der Grenze gesundheitsschädliche Effekte auftreten. Es gibt viele Umweltfaktoren von denen man weiß, dass sie deutlich schädlicher sind als Handystrahlen, zum Beispiel Luftschadstoffe oder Lärm.

Es ist also schwer, eine klare Aussage zu treffen. Wie beschrieben sind im Zusammenhang mit 5G einige neue Frequenzen beteiligt und es ist bekannt, dass höhere Frequenzen tendenziell gefährlicher sein können. Studien konkret zu 5G gibt es noch erstaunlich wenige. Das 5G-Netz ist noch nicht aufgebaut und im Labor werden kaum Untersuchungen durchgeführt. Deshalb machten tote Vögel in Den Haag Schlagzeilen, die mit einem 5G-Masten in Zusammenhang gebracht wurden. In diesem konkreten Fall scheint es allerdings einen anderen Grund zu geben. Die Tiere hatten sich anscheinend an Beeren vergiftet, das haben spätere Untersuchungen gezeigt. Außerdem hat es laut Antennenbüro der Niederlande zu dieser Zeit in Den Haag gar keine 5G-Tests gegeben. Angeblich – denn überprüfbar war diese Aussage nicht.

Fehlgeburten durch 5G?

Und was ist dran an der Meldung, dass 5G-Strahlung Fehlgeburten verursachen kann? Diese Aussage wird online immer wieder getroffen. Prof. Martin Röösli sagt dazu:

Insbesondere bei 5G ist das explizit so, dass eine 5G Antenne quasi nicht strahlt, wenn sie nicht benutzt wird. Wenn jetzt jemand behauptet, seit diese Antennen aufgestellt worden sind, seien Effekte aufgetreten, dann ist das in höchstem Maße unplausibel.

Was ist mit Studien zu 5G in der Zukunft?

Vor allem für Menschen, die sensibel auf Strahlung reagieren, ist das Abwarten unbefriedigend. Denn einige Menschen bekommen von WLAN & Co. Kopfschmerzen oder ihnen wird schlecht. Das ist ein ganzes Thema für sich mit einem zentralen Problem, Kurzfassung: Elektrosensibilität ist enorm schwer wissenschaftlich nachzuweisen. Die Frage, ob 5G das Problem besser oder schlechter macht, erst recht nicht.

Hinzu kommt, dass die Strahlung nicht das einzige Problem ist, das in Verbindung mit 5G vorgeworfen wird: Stromverbrauch, Datenschutz, Lizenzvergabe, keine ruhigen Orte mehr dank Dauerbeschallung - die Liste ist lang.

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Fazit: Wie gesundheitsschädlich ist 5G?

Es gibt eine Menge erwiesener negativer Effekte von elektromagnetischer Strahlung auf den Menschen. Das gilt auch für Handystrahlung. Aber auch andere Umwelteinflüsse sind schädlich: Lärm oder Luftverschmutzung. Entscheidend ist die Dosis. Und es gibt Anhaltspunkte, dass die Strahlendosis durch 5G nicht deutlich schlimmer wird. „Krebs durch telefonieren“ – das wurde bisher nicht bewiesen. Ganz ausschließen kann man eine Krebsentwicklung durch Handystrahlung aber auch nicht – aktuell ist die Studienlage einfach zu schwach.

Es gibt außerdem keinen fundierten wissenschaftlichen und damit belastbaren Zusammenhang zwischen Fehlgeburten und 5G oder Vogelsterben und 5G.

5G in Deutschland: Das kann ich selbst tun

Fakt ist, dass Smartphones elektromagnetische Strahlen abgeben und dass diese Strahlung einen größeren Einfluss auf die Gesundheit hat als die von den Masten. Die gute Nachricht ist daher: Wir haben es buchstäblich selbst in der Hand. Heißt: Wenn der Abstand zum Handy vergrößert wird, kommt ein viel kleinerer Teil der Strahlung an.

Das Bundesamt für Strahlenschutz spricht deshalb auch Empfehlungen aus für den Umgang mit dem Smartphone, wie zum Beispiel ein Headset zu nutzen oder möglichst nicht im schlechten Netz zu telefonieren, weil das Handy dann mehr leisten muss. Wer sich ein neues Smartphone kauft, kann die Strahlungswerte checken. Oder auch: Das Smartphone einfach mal zu Hause lassen oder weglegen.

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