STAND
AUTOR/IN

In Deutschland sind nach offiziellen Angaben mehr als 80.000 Menschen durch das Coronavirus gestorben. Im Netz wird behauptet, Krankenhäuser korrigieren die Zahlen nach oben, weil sie damit Geld verdienen könnten. Was ist dran an der Behauptung?

Seit mehr als einem Jahr blicken wir täglich auf die Zahl der Coronatoten. Mitte April gab es sogar einen offiziellen Gedenktag für die Menschen, die dem Virus zum Opfer gefallen sind. Inzwischen sind es nach offiziellen Angaben mehr als 80.000. Bundespräsident Steinmeier sprach von einer Katastrophe.

Zahlreiche Verschwörungstheorien zu Corona-Toten

Im Netz hält sich seit Beginn der Pandemie die Behauptung, die Zahl der Coronatoten sei in Wahrheit viel kleiner. Krankenhäuser würden Verstorbene, die nicht mit dem Virus infiziert waren, nach deren Tod zu Corona-Opfern erklären. Denn mit einem Totenschein, auf dem Corona als Todesursache steht, könnten die Kliniken mehr Geld abrechnen als bei anderen Todesursachen, so die Behauptung.

Klare Regeln für Totenscheine

Tatsächlich ist diese Behauptung falsch. SWR3 hat bei bei den Landesärztekammern und den Krankenhausgesellschaften in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz nachgefragt. Ärztinnen und Ärzte müssen auf dem Totenschein zwar genau dokumentieren, warum ein Mensch gestorben ist und welche Vorerkrankungen er hatte. Die Todesursache hat aber keinen Einfluss auf das Geld, das Ärzte und Krankenhäuser für die Leichenschau bekommen.

Denn das Honorar, das Ärztinnen und Ärzte dafür abrechnen können, wird von der Bundesregierung in der Gebührenordnung für Ärzte klar und einheitlich geregelt. „Dabei ist es egal, aus welchem Grund ein Mensch gestorben ist“, so die Landesärztekammer Rheinland-Pfalz. Ähnlich äußerte sich auch die Landesärztekammer in Baden-Württemberg.

Bei der Behauptung handelt sich demnach tatsächlich um ein gleichermaßen hartnäckiges wie bedauerliches Gerücht.

Keine Belege für gefälschte Corona-Todeszahlen

Darüber hinaus gibt es nach unseren Recherchen keine Belege dafür, dass die Corona-Todeszahlen, egal aus welchem Grund, systematisch nach oben korrigiert werden. Weder in Baden-Württemberg noch in Rheinland-Pfalz sind Fälle bekannt, in denen Verstorbene fälschlicherweise zu Corona-Toten erklärt wurden, um Zahlen zu manipulieren.

Informationen zum Coronavirus Hier findest du die Hospitalisierungsrate für dein Bundesland

Wie hoch ist die Belegung der Intensivbetten und die Inzidenz in deinem Bundesland? Hier findest du Karten, die ständig aktualisiert werden.  mehr...

STAND
AUTOR/IN

Meistgelesen

  1. Liveblog zum Krieg in der Ukraine Wegen Nein zu Nato-Beitritt: Luxemburg wirft Erdogan „Basar-Mentalität“ vor

    Russland versucht weiter, die Ukraine einzunehmen: Während die Welt den Einmarsch verurteilt, zerstören russische Truppen Städte und Infrastruktur. Alle Infos dazu.  mehr...

  2. Diesen Samstag! Das SWR3 Open Air in Mainz mit Lost Frequencies, Álvaro Soler und Milow

    Zum 75. Landesjubiläum von Rheinland-Pfalz holen wir Superstars für euch nach Mainz. Auftreten werden auch Tom Grennan und Emily Roberts. Der Eintritt ist frei!  mehr...

  3. „Gästehaus für Terrororganisationen“ Türkei gegen Finnland und Schweden in der Nato – das könnte dahinter stecken

    Die Türkei ist in der Nato – und Finnland kündigt einen Mitgliedsantrag an. Doch der türkische Präsident Erdogan sagt Nein. Für ein Ja will er offenbar eine Gegenleistung.  mehr...

  4. Landkreis Ludwigsburg

    Tragödie im Landkreis Ludwigsburg Bluttat von Eberdingen: Ermittlungen bestätigen Verdacht

    Neue Erkenntnisse drei Tage nach dem Tod mehrerer Familienmitglieder: Es ging wohl um eine geplante Trennung.  mehr...

  5. Russland muss sie menschenwürdig behandeln Stahlwerk in Mariupol: Ukrainer gerettet, aber gefangen

    Russland hat zugelassen, dass mehr als 260 Soldaten aus dem Stahlwerk dürfen. Busse haben sie abtransportiert. Aber frei sind sie damit noch nicht.  mehr...

  6. Kinderfahrräder im Test Nur drei von zwölf Räder haben die Tester überzeugt

    Die gute Nachricht: Den Praxistest haben alle Kinderfahrräder gut bestanden. Doch nicht alle Materialien sind im Belastungstest auch langlebig. Welches Rad ist Testsieger?  mehr...