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Tilo Bernhardt
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Vanessa Valkovic
Vanessa Valkovic (Foto: SWR3)
Stefan Scheurer
Stefan Scheurer (Foto: SWR3)

Darf jetzt jeder bei der Kryptowährung mitmachen? Laut Berichten will die Sparkasse dies ihren Kunden ganz einfach ermöglichen. Ob das so richtig klug für Anfänger ist? Und machen Bitcoin & Co reich?

Das hat die Bankenszene nun doch etwas überrascht: Ausgerechnet die traditionelle Sparkasse will ihren Kunden den Handel (und damit letztlich auch das Zocken) mit Kryptowährung ermöglichen – vorausgesetzt die Gremien stimmen dem zu und die örtlichen Sparkassen machen am Ende mit. Das berichtet das Magazin Capital. Während andere Banken das Thema bis jetzt nicht angefasst haben, könnte Kryptohandeln die Beliebtheit des Marktführers Sparkasse mit seinen ca. 50 Millionen Kunden erhöhen.

Sparkasse: Handel mit Kryptowährung

Möglicherweise gibt es 2022 ein Pilotprojekt bei regionalen Sparkassen. Es gibt also noch viele Unwegbarkeiten und Unsicherheiten, ob Kryptohandel zu den Sparkassenkunden kommt – immerhin ist das Image von Kryptowährung bis heute ja auch ein bisschen schmuddelig. Stellt sich die Frage: Lohnt sich das eigentlich? Oder ist das alles nur blinde Zockerei? Dazu unser Faktencheck.

Fangen wir vorne an: Bitcoin, Dogecoin, Ethereum. Vielleicht sind euch diese Begriffe auch schon begegnet: Das sind alles Kryptowährungen. Und die sind wiederum eine Möglichkeit, wie wir Geld anlegen können. Ist das sicher? Was sind Vor- und Nachteile?

Warum solltest du dein Geld überhaupt anlegen?

Das Problem ist: Wir arbeiten wie verrückt und verdienen ein bisschen Geld. Das legen wir dann auf die Bank. Und dort schmilzt das Ersparte dahin, denn es gibt so gut wie keine Zinsen darauf. Gleichzeitig wird fast alles teurer, dank der Inflation. Wer nicht will, dass das Ersparte effektiv weniger wert ist, muss sein Geld anlegen. Die Klassiker sind zum Beispiel Aktien, Gold oder Immobilien. Immer mehr Leute investieren aber auch in Kryptowährungen wie Bitcoin. Vorausgesetzt natürlich, man hat genug Geld, um überhaupt etwas zu sparen.

Wie funktioniert eine Kryptowährung?

Kryptowährungen wie Bitcoin & Co sind digitale Währungen. Das heißt, es handelt sich um Geld, das ihr selbst gespeichert habt. Die meisten Menschen speichern ihre Krypto-Daten auf dem Rechner oder einem USB-Stick. Bei Kryptowährungen ist keine Bank im Spiel: Wenn euer Computer kaputt geht oder ihr den Stick verliert, auf dem ihr eure Krypto-Daten gespeichert habt, ist das Geld weg. Vielleicht erinnert ihr euch an Stefan Thomas aus Sindelfingen. Der ist Programmierer und hat Bitcoins im Wert von vielen Millionen Euro auf seinem digitalen Tresor gespeichert. Nur das Passwort hat er leider vergessen. Bei einer Bank hätte er irgendwo anrufen können – so ging das nicht und er kam nicht an sein Geld.

Bitcoin wird von vielen als die erste Kryptowährung überhaupt angesehen. Er wurde kurz nach der Finanzkrise 2008 entwickelt. Damals haben Regierungen Billionen Euro und Dollar drucken lassen, um die Wirtschaft in der Krise am Laufen zu halten. Das passiert auch aktuell: Seit Beginn der Corona-Pandemie haben die Zentralbanken in den USA und der EU wieder mehrere Billionen Dollar und Euro zur Verfügung gestellt – also aus dem Nichts erschaffen; die berühmte Finanzspritze. Wenn plötzlich neues Geld vom Staat verteilt wird, ist folglich auch mehr Geld im Umlauf. Dadurch werden die Preise teurer und das Ersparte auf dem Konto ist weniger wert. Das ist – vereinfacht gesagt – das Prinzip der Inflation. Und weil Zentralbanken und Regierungen diese Inflation steuern können, hat sich der Erfinder von Bitcoin gedacht: ‚Wär doch gut, wenn es eine Währung gibt, bei der das sicher nicht geht‘ – eine dezentrale Währung, unabhängig von Banken und Regierungen. Bei der die Anzahl der „Geldstücke“ gedeckelt ist. Und genau das ist bei Bitcoin der Fall: Es gibt eine absolute Obergrenze – 21 Millionen Stück, mehr gibt es nicht.

Wie funktioniert Blockchain?

Die Technologie hinter Bitcoin und anderen Kryptowährungen ist besonders: Vereinfacht gesagt wird jede Transaktion mit Bitcoins vom kompletten Netzwerk kontrolliert – also von einer Masse von Menschen und ihren Computern. Wenn jemand Bitcoins überweisen will, wird dazu keine Bank benötigt. Es wird direkt übertragen und das Netzwerk protokolliert das für die Ewigkeit. So kann dann keiner sagen: ‚Bei mir ist aber nichts angekommen‘. Diese Blockchain-Technologie macht Kryptowährungen nahezu fälschungssicher.

Manche sagen sogar, dass es mit der Technologie hinter den Kryptowährungen ähnlich wie mit dem Internet vor zwanzig Jahren ist. Da war das Konzept auch noch neu und viele hatten keine Ahnung, wie groß und wichtig das Internet werden würde. Die Blockchain-Technologie kann als Internet 2.0 bezeichnet werden, das aber fälschungssicher und transparent ist. Damit kann nicht nur Geld überweisen werden, sondern auch Verträge fälschungssicher und nachprüfbar abgeschlossen werden. Das ist zum Beispiel die Idee hinter Ethereum, eine andere Krypto-Währung.

Es gibt inzwischen tausende verschiedene Krypto-Währungen für alle möglichen Zwecke, die meisten mit dem Ziel, mehr Sicherheit zu schaffen, weil das staatliche Finanzsystem manchen Leuten zu unsicher ist. Das Problem gibt es aber natürlich auch: Geldflüsse ohne Kontrolle von Behörden zieht Verbrecher an. Allerlei dunkle Geschäfte werden mit Kryptowährungen vollzogen. Aber immer, wenn das dann jemand wieder in Dollar oder Euro umtauschen will, fliegt alles auf, weil man dank Blockchain Überweisungswege exakt nachvollziehen kann.

Die Technologie hat also durchaus Potenzial. Und deshalb sehen viele Leute Bitcoin & Co. weniger als Währung zum Brötchen kaufen, sondern eher als Anlageform. Man kann in Bitcoins investieren, also Bitcoins kaufen, weil man an die Technologie und daran, dass der Wert weiter steigen wird, glaubt. Das ist das Grundprinzip hinter Geldanlagen.

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Geld in Kryptowährungen anlegen – ist das sinnvoll?

Tatsächlich ist es so, dass Kryptowährungen – nicht anders als alle anderen Währungen und tatsächlich auch Gold – hauptsächlich auf Vertrauen beruhen. Es gibt oftmals diesen Satz, dass Bitcoin und Co. nur Luft seien, weil kein realer Gegenwert dahinter stünde. Aber dieser Satz übersieht, dass das bei den meisten anderen Währungen auch nicht der Fall ist. Also auch unser Dollar, unser Euro, ist nichts wert. Der Euro-Schein selbst hat keinen praktischen Wert; der Wert beruht nur auf dem Vertrauen in Institutionen, dass für diesen Schein tatsächlich ein Gegenwert zu bekommen ist. Und das ist bei Kryptowährungen auch nicht anders.

Ist es also sinnvoll, in Bitcoins oder andere Kryptowährungen zu investieren oder nicht? Ist das Geld gut angelegt? Der Kursverlauf des Bitcoins geht manchmal steil bergauf und manchmal auch steil bergab. Auch Ethereum ist eine gefragte Kryptowährung – der Kursverlauf sieht ähnlich aus. Das ist ähnlich wie bei Aktienkursen – auch hier gibt es manchmal große Schwankungen. Das muss nicht automatisch heißen, dass es ein schlechtes Investment ist. Aber wenn man zu einem ungeschickten Zeitpunkt kauft oder verkauft, kann man schnell viel Geld verlieren. Dafür braucht man gute Nerven und vor allem Erfahrung.

Der Kurs der Kryptowährung Bitcoin (Foto: SWR3)

Auch bei Aktien glauben manche Anleger an die Firma – weil sie ein tolles Produkt hat oder guten Umsatz macht. Anlageberater und Finanzexperten wie Saidi Sulilatu raten daher auch immer, investiertes Geld möglichst breit zu streuen, also nicht alles auf eine Karte wie Bitcoin oder eine spezielle Aktie zu setzen.

Kurs Bitcoin und Ethereum (Foto: SWR3)

Eine wesentlich gemütlichere Geldanlage sind zum Beispiel Immobilien. Die Preisentwicklung von Immobilien in Deutschland geht kontinuierlich bergauf, hier gab es in den letzten Jahren keine großen Schwankungen. Dafür geht die Linie aber auch nicht so rasant hoch wie in den besten Tagen vom Bitcoin. Das heißt natürlich nicht, dass das Geld in Immobilien zwingend sicher angelegt ist: So eine Wohnung kann auch einen Wasserschaden haben, oder nebenan wird eine Müllkippe eröffnet. Das wirkt sich dann nicht positiv auf den Wert aus. Und: Bei Immobilien wird in der Regel relativ viel Geld auf einmal gebraucht, den Eigenkapital-Anteil, auf den die meisten Banken bei der Immobilien-Finanzierung bestehen.

Wenn man aber eine Wohnung oder sogar ein Haus das Eigen nennen kann, ist es relativ unwahrscheinlich, dass der Wert plötzlich total in den Keller geht, denn hier ist der reale Gegenwert recht offensichtlich. Und bei Kryptowährungen ist das eben nicht so. Es wird in etwas investiert, von dem man überzeugt ist, dass es zukünftig gefragt ist, dass die Idee super ist. Aber eben komplett ohne Firma dahinter, sondern nur die Idee, beziehungsweise die Technologie. Und je mehr Leute daran glauben, desto mehr steigt der Preis. Wenn irgendwann keiner mehr dran glaubt, ist das Ganze eben auch nichts mehr wert.

Entwicklung von Immobilien (Foto: SWR3)

Bei Gold ist das ähnlich. Wer in Gold investiert, geht eine Wette ein, dass auch in Zukunft Leute Gold für wertvoll halten. Wenn morgen auf der Erde – überspitzt gesagt – ein Meteorit einschlägt und uns das Essen bald ausgeht, dann nützt uns Gold aber nichts. Dann wäre Brot besser. Bei Gold schwankt der Preis auch stark, weil dahinter außer Vertrauen nicht viel liegt. Gold hat an sich keinen großen Wert. Da kann man vielleicht Computerchips draus machen, aber die kleinen Goldbarren im Tresor kauft im Notfall auch niemand ab. Gold genießt aber schon seit Jahrhunderten bei vielen Menschen sehr großes Vertrauen als Geldanlage.

Entwicklung von Gold (Foto: SWR3)

Für Kryptowährungen müssen wir festhalten: Sie sind eine riskante Geldanlage. Die Schwankungen sind ungefähr zehnmal so groß wie bei einem breit gestreuten Aktiendepot. Es nützt nichts: Wer schnell reich werden möchte, muss eine besonders gute Idee entwickeln oder sehr, sehr gut und lange recherchieren und ins Risiko gehen.

Elon Musk und die Kryptowährungen

Elon Musk, der Mitgründer von Paypal und Tesla, hatte mit seinen Äußerungen maßgeblich den Kurs von Bitcoins beeinflusst. Erst hieß es, man könne Teslas mit Bitcoins bezahlen. Dann gab es einen Rückzieher. Der Kurs von Bitcoin ist entsprechend erst hoch geschossen und dann wieder abgefallen. Auch beim Dogecoin hat ein Tweet von Musk für einen heftigen Kursanstieg gesorgt.

Das kann auch mit Aktien passieren – aber insbesondere auch Kryptowährungen können durch Finanz-Influencer gerne mal nach oben oder unten ausbrechen. In der Regel stabilisiert sich das dann auch mal wieder. Aber: Bitcoins können über Nacht nur noch die Hälfte wert sein, weil eine einzelne Person etwas gepostet hat. Und klar ist auch, dass die Staaten und Regierungen nicht tatenlos zusehen werden, dass Menschen ihr gesamtes Geld in etwas investieren, was keine Regierung der Welt unter Kontrolle hat. Das sagen Finanzexperten wie Saidi Sulilatu:

Zentralbanken wie Staaten zeichnen sich dadurch aus, dass Staaten neben dem Gewaltmonopol auch immer die Gewalt über die eigene Währung behalten möchten. Und deswegen überlegen verschiedene Zentralbanken, auch die Europäische Zentralbank, und die Chinesen sind schon relativ weit, eben eigene Digitalwährungen einzuführen, um da eine ganz eigene Konkurrenz gegenüber Bitcoin und Co. zu schaffen.

China und die EU haben schon angekündigt, eine digitale Währung zu gründen. Das hätte vermutlich auch einen Einfluss auf den Kurs der Kryptowährungen.

Sind Kryptowährungen schlecht für's Klima?

Noch etwas wird sehr ausgiebig diskutiert: der Stromverbrauch der Kryptowährungen. Das ist im Moment die größte Kritik, unter anderem auch von Elon Musk, denn die Kryptowährungen verbrauchen wahnsinnig viel Energie.

Um die Kryptowährungen am Laufen zu halten, braucht es viele Rechner – sogar ganze Rechnerfarmen. Denn es werden komplizierte mathematische Aufgaben gelöst, um Transaktionen zu verschlüsseln und wieder zu entschlüsseln. Sicherheit hat eben ihren Preis.

Allein der Bitcoin verbraucht im Jahr 115 Terawattstunden. Das ist ungefähr der Energiebedarf von Schweden pro Jahr. Für die Frage, ob Kryptowährung das richtige Investment ist, muss also bedacht werden, dass jeder Bitcoin auch eine Menge CO2 auf dem Gewissen hat.

Fazit: Schnell reich mit Kryptowährung?

Wir können festhalten: Kryptowährungen sind eine eher riskante Geldanlage. Man kann zwar schnell viel Geld machen, aber eben auch schnell wieder viel verlieren. Wer allein darin investiert, der zockt – und zwar gewaltig. Zumindest wenn er oder sie auf kurzfristige Gewinne aus ist. Wer sein Geld sicherer anlegen will, sollte es auf jeden Fall breiter streuen.

Das technische Prinzip hinter Kryptowährungen ist zukunftsweisend. Es vertraut einer Masse von Mitwirkenden statt einer staatlichen Institution und kann auch beispielsweise für fälschungssichere Verträge genutzt werden. Das ist auch der Hauptgrund, warum viele Leute an Bitcoin & Co glauben.

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