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Der russische Präsident Wladimir Putin hat behauptet, der russische Corona-Impfstoff sei der beste der Welt. Er soll sogar eine Wirksamkeit von 97,6% haben – mehr als alle anderen. Schützt er wirklich besser vor Corona und hat weniger Nebenwirkungen? Kann Sputnik V vielleicht sogar die Impfprobleme bei uns und auf der ganzen Welt lösen?

Ärzte in Russland spritzen den Impfstoff Sputnik V schon seit letztem Jahr. Aber in der EU ist er nicht zugelassen. Warum ist das so? Spielt die Politik da eine Rolle oder liegt es doch am Impfstoff? Tatsächlich hat der russische Impfstoff Potential! Und er heißt tatsächlich Sputnik V – wie das Wort – nicht fünf, wie die Zahl. Das V soll für Victory, also Sieg, stehen.

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Vektor- und mRna-Impfstoffe – was ist der Unterschied?

Es gibt viele verschiedene Impfstoffe gegen das Sars-CoV2-Virus. Biontech, Moderna, Astrazeneca – diese Hersteller-Namen sind mittlerweile geläufig. Es gibt sogar schon einen kubanischen Impfstoff. Der russische ist aber besonders – wegen der Technik dahinter.

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Corona-Impfstoffen: Vektor-Impfstoffe und mRNA-Impfstoffe. Grundprinzip ist bei allen gleich: Das Immunsystem soll darauf trainiert werden, das Coronavirus zu erkennen und zu bekämpfen. Die Stacheln auf der Oberfläche des Virus heißen Spike-Proteine.

Das Spike-Protein ist ein Teil des Coronavirus (Foto: SWR3)

Beim Impfen präsentiert man jetzt dem Immunsystem den entscheidenden Teil von diesem Spike-Protein, quasi das Erkennungszeichen des Virus. Das Immunsystem erkennt das als Fremdkörper und entwickelt Antikörper – wie eine Art Training. Wenn das echte Corona-Virus in den Körper gelangt, erkennt das Immunsystem die Spike-Proteine und reagiert mit einer schnellen Immunabwehr. Das Virus wird bekämpft, bevor es in unserem Körper Schaden anrichten und sich vermehren kann.

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Um diese Reaktion zu erzielen, gibt es zwei Methoden: Entweder man verpackt ein Stück DNA des Spike-Proteins in einer Hülle eines unschädlichen anderen Virus, quasi als Transportmittel. Das sind die Vektor-Impfstoffe. Oder man spritzt direkt die mRNA. Dafür braucht es keine Virus-Hülle. Unsere Körperzellen bauen die Hülle selbst zusammen und das Immunsystem beginnt mit der Abwehr. Es produziert Antikörper und ist damit „trainiert“. Zwei völlig verschiedene Arten von Impfstoffen – aber Prinzip ist immer gleich: Wir trainieren das Immunsystem auf das Erkennungszeichen des Sars-CoV2-Virus.

Sputnik V: Was ist beim russischen Impfstoff anders?

Der russische Impfstoff ist ein Vektor-Impfstoff, also unschädliche Virus-Hülle plus DNA. Aber der Immunologe Carsten Watzl erklärt, dass Sputnik V einen besonderen Kniff im Vergleich zu den anderen Vektor-Impfstoffen hat: Er ist sehr intelligent aufgebaut, denn für Sputnik V werden zwei verschiedene Impfviren benutzt. „So entgeht man der Vektor-Immunität und erreicht eine recht hohe Effektivität in einem relativ kurzen Impfabstand“, so Watzl. Durch die zwei Vektoren werden im Körper mehr Antikörper gebildet. Ist das auch der Grund, warum Sputnik V die höchste Wirksamkeit von allen Impfstoffen haben soll? Wie ist denn die Datenlage? Kann man überhaupt sagen, dieser oder jener Impfstoff ist sicherer oder wirksamer?

Hier ein Vergleich: Die beiden mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna schneiden sehr gut ab. Die Wirksamkeit liegt bei 95 Prozent. Astrazeneca liegt bei 80 Prozent und Johnson und Johnson bei 70 Prozent. Beim russischen Impfstoff sind es knapp 92 Prozent. Nach neuesten Erkenntnissen könnten es sogar fast 98 Prozent sein, so der russische Hersteller. Was bedeuten diese Zahlen genau?

Die Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe (Foto: SWR3, Paul-Ehrlich-Institut)
Paul-Ehrlich-Institut

Diese Effizienz oder Wirksamkeit gibt an, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, nicht an Covid-19 zu erkranken. Es gibt zwischen den Effizienzen deutliche Unterschiede. Das bedeutet aber nicht viel, es ist zunächst einmal der aktuelle Stand. Einige Daten sind inzwischen ein paar Monate alt, es werden aber ständig neue Untersuchungen durchgeführt, auch weil immer mehr Menschen geimpft werden. In drei Jahren kann die Lage ganz anders aussehen. Etwa, dass der Astrazeneca-Impfstoff einen viel längeren Schutz bietet und langfristig viel besser wirkt. Und dann wären da ja noch die Mutanten, also leicht veränderte Virus-Versionen. Vier davon sind schon entdeckt worden. Die gute Nachricht: Studien zeigen, dass die Impfstoffe auch davor schützen. Die indische Mutante ist allerdings noch zu neu und entsprechend noch nicht gut genug untersucht, um hier eine Aussage treffen zu können.

Warum ist Sputnik V in der EU nicht zugelassen?

Sputnik V wird schon in über 60 Ländern auf der ganzen Welt eingesetzt. Ein Grund, warum das bisher in der EU nicht der Fall ist, sind die Studien zum Impfstoff. Sie stehen immer wieder in der Kritik. Die EMA ist die Behörde, die in der EU für die Zulassung von Impfstoffen zuständig ist. Und sie sagt, es fehlen genaue Daten. Wir haben direkt dort nachgefragt und diese Antwort bekommen:

The rolling review of Sputnik V vaccine will continue until sufficient evidence is available for a formal marketing authorisation application, which has not been received yet.

Das bedeutet, dass die EMA immer noch auf belastbare Daten wartet. Die kommen zwar fortlaufend an, aber es fehlen anscheinend noch Nachweise, damit der Vorgang weitergehen kann. Liegt es also an der Bürokratie? Oder sind die Zahlen gefälscht?

Wir haben mit verschiedenen Experten gesprochen: Sie sagen, dass sie den russischen Daten nach dem, was sie bisher wissen, trauen. Schließlich würde es auffallen, wenn plötzlich weltweit viel mehr Menschen an Corona oder starken Nebenwirkungen erkranken, die mit dem russischen Impfstoff geimpft sind, als es die Statistik voraussagen würde. Hierzu gibt es auch Informationen aus unterschiedlichen Ländern, Sputnik V wird ja nicht nur in Russland geimpft. Aber Fakt ist auch, dass niemand alle wichtigen Daten einsehen konnte, kein westlicher Wissenschaftler und auch keine westliche Behörde. Warum? Das ist unklar. Klar ist, dass es bei den Impfstoffen auch ein wenig um Weltpolitik geht.

Welche Nebenwirkungen hat Sputnik V?

Ein ganz entscheidender Punkt beim Impfen ist das Thema Vertrauen. Menschen lassen sich dann impfen, wenn sie Vertrauen in den Impfstoff haben, in die Behörde, die ihn zulässt oder in den Arzt, der ihnen zur Impfung rät. Innerhalb von Deutschland gibt es dazu regionale Unterschiede: Im Osten von Deutschland ist das Vertrauen in den russischen Impfstoff größer. Früher wurde die Bevölkerung hier oft mit russischen Impfstoffen gegen andere Krankheiten geimpft. Es ist also mehr Vertrauen da. In Österreich wiederum würden sich viel mehr Menschen mit Biontech impfen lassen als mit Moderna. Die Impfstoffe sind sich ähnlich, verfügen über dasselbe Design, eine vergleichbare Wirksamkeit. Der Unterschied ist, wie oft der Name in den Nachrichten des Landes vorkommt.

Österreich: Welchem Impfstoff vertrauen Sie? (Foto: SWR3, Universität Wien)
Universität Wien

Ein weiteres Thema sind die Nebenwirkungen. Eine Impfung ergibt vor allem dann Sinn, wenn es keine gravierenden Nebenwirkungen gibt. Es gibt zum russischen Impfstoff immer wieder Horrormeldungen von Toten. Zum Beispiel sollen vier Menschen an Sputnik V gestorben sein. Wir wissen aber nicht, ob diese Menschen wirklich wegen der Impfung gestorben sind oder ob es andere gesundheitliche Gründe gab. Das Problem ist: Die Datenlage speziell zu den Nebenwirkungen ist dünn, weil es keine genauen Daten von Sputnik V gibt. Wir können keinen Vergleich ziehen, der wissenschaftlich sauber wäre.

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Deshalb wird Sputnik V kritisiert

Die Slowakei hatte 200.000 Impfdosen in Russland bestellt, dann aber nicht verimpft, weil sie die Inhaltsstoffe in ihrer Lieferung beanstandet hatte. Die brasilianische Gesundheitsbehörde hat Sputnik V jüngst ebenfalls keine Freigabe erteilt – ähnlich zur Slowakei wegen angeblich aktiver Viren im Impfstoff. Der russische Hersteller bestreitet diese Vorwürfe. Die Impfdosen seien alle sauber. Wer Recht hat in diesem Streit, lässt sich nicht final prüfen. Fest steht aber, dass auch Impfstoffe von anderen Herstellern von einzelnen Ländern nicht zugelassen oder vom Markt genommen wurden – zum Beispiel Astrazeneca in Dänemark. Was ist das Problem beim Sputnik-Impfstoff? Professor Watzl sagt dazu:

Das scheint ein Qualitätssicherungsproblem zu sein. Der Hintergrund ist, dass diese Vektor-Impfstoffe lebende Viren enthalten, die aber genetisch so verändert sind, dass sie sich nicht vermehren können. Das ist ein Sicherheitsmerkmal solcher Vektorimpfstoffe. Bei der Herstellung kann es passieren, dass man einige vermehrungsfähige Viren in dem endgültigen Produkt drin hat. Und da ist der Grenzwert, der beim Sputnik V-Impfstoff angenommen wird, etwas höher, da ist man sehr viel toleranter, wie viele replikationsfähige Viren man da erlaubt. Da muss man bei der Qualitätssicherung sicherlich noch mal nachschauen, das darf eigentlich nicht passieren.

Professor Watzl sagt auch: Die höhere Komplexität bei Sputnik V könne den Impfstoff anfälliger für Fehler machen. Einige Experten und Politiker kritisieren den russischen Impfstoff. Geht es dabei allein um Sputnik V oder auch um Russland?

Was für Sputnik V spricht: Es ist ein günstiger Impfstoff, wie die anderen Vektorimpfstoffe auch. Daher ist er auch weltweit so gefragt. Außerdem kann er leichter transportiert werden, als mRNA-Impfstoffe, weil er nicht so stark gekühlt werden muss.

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Fazit: Wie gut ist der russische Impfstoff Sputnik V?

Sputnik V ist ein guter, kreativ gebauter Impfstoff. Die Wirksamkeit scheint viel höher zu sein als bei anderen Vektorimpfstoffen, ähnlich zu mRNA-Impfstoffen. Außerhalb von Russland hat aber aktuell niemand Zugang zu den entscheidenden Daten. Das ist problematisch. Inwiefern die Politik eine Rolle spielt, ist hier nicht nachvollziehbar.

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