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Früher oder später wird sich jeder von uns schon mal die Frage gestellt haben: Was passiert eigentlich mit uns, wenn wir sterben? Also biologisch. Was läuft dabei ab in unserem Hirn? Wie fühlt sich das an?

Was kommt nach dem Sterben?

Über kaum eine Frage haben sich praktisch alle Kulturen rund um die Welt schon so viele Gedanken gemacht. Weil keiner so wirklich davon berichten kann, wie es „auf der anderen Seite“ ist, gibt es auch jede Menge spirituelle Erklärungen und Mythen um das Thema „Sterben“. Ohne diese Herangehensweise abzuwerten, wollen wir heute mal die belegbaren Fakten betrachten: Was weiß die Medizin über das Sterben? Sind Nahtoderfahrungen ein „Fenster ins Jenseits“? Und wo liegen bis heute die Grenzen dessen, was wir wissen? Hier ist der Faktencheck.

Wann ist man wirklich tot? Klinischer Tod und Hirntod

Da steht man schon direkt vor einer ziemlich kniffligen Frage: Wann sind wir denn eigentlich tot? Klingt erstmal banal, aber ist eben gar nicht so eindeutig.

Selbst ganz grundlegende Körperfunktionen wie Herzschlag und Atmung können für kurze Zeit aussetzen, man spricht dann vom „klinischen Tod“. Das heißt aber noch nicht, dass das Leben zu Ende ist. Wer klinisch tot ist, kann unter bestimmten Umständen wieder zurück ins Leben kommen, solange die Organe rechtzeitig wieder ihre Arbeit aufnehmen. In diesen Momenten erleben Menschen manchmal sogenannte „Nahtod-Erfahrungen“. Ein Licht, ein Gefühl von Wärme, Kontakt zu Verstorbenen – fühlt sich so der Tod an? Dazu kommen wir später noch.

Dann gibt es den Punkt, in dem das Gehirn zu lange unterversorgt und dadurch schwer beschädigt ist. Den sogenannten Hirntod können wir nicht mehr umkehren. Die moderne Medizin kann aber den Blutkreislauf und die Atmung teilweise künstlich erhalten. Gilt ein Mensch da also schon als tot? Nach dem Transplantations-Gesetz dürfen zum Zeitpunkt des Hirntods bei Einwilligung Organe entnommen werden.

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Für Angehörige ist das eine schwer zu begreifende Situation; die Haut ist rosig, die Menschen sehen aus, als würden sie schlafen. Die Entscheidung zur Organspende ist daher nicht einfach. Und dann gibt es auch auch Geschichten wie von einem Jungen aus den USA: Nach einem Unfall gilt er als hirntot, die Eltern haben schon die Organspendeerklärung unterschrieben und plötzlich – wacht der 13-Jährige auf, erholt sich und hat sein Leben wieder vor sich. Ist die Hirntod-Diagnose also doch nicht sicher?

Bei dem 13-Jährigen in den USA gab es grobe Fehler in der Diagnose. So war zum Beispiel nur ein Arzt anwesend, obwohl auch in den USA zwei Mediziner den Hirntod bestätigen müssen. Und auch seine niedrige Körpertemperatur könnte die Untersuchungsergebnisse verfälscht haben. Geschichten wie diese sind extrem seltene Einzelfälle, die nur passieren, wenn Ärzte gegen das strenge Protokoll handeln.

 

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Bei einem tatsächlichen Hirntod gibt es keinen Weg zurück zu einem selbstbestimmten Leben. 

Deshalb ist es extrem wichtig zu verstehen, dass man unter Umständen verhindern kann, dass es soweit kommt. Bei einem Herzstillstand zum Beispiel, nimmt das Hirn schon nach etwa zwei Minuten bleibende Schäden. Bis ein Rettungswagen vor Ort ist, sollen in Deutschland maximal 15 Minuten vergehen. In manchen Landkreisen dauert es zum Teil länger, da kann buchstäblich jede Sekunde einen Unterschied machen.

Deshalb: Wenn jemand beherzt handelt, den Rettungsdienst ruft und eine Wiederbelebung versucht, kann das dem Opfer das Leben retten.

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Wie läuft das Sterben ab? Tut der Tod weh?

Wenn ein Mensch stirbt, ist der Ablauf natürlich immer individuell. Aber selbst bei untereschiedlichen Todesursachen ähnelt sich meist der Ablauf: Einen längeren Sterbeprozess teilt die Medizin in Phasen ein.

Terminalphase: Sie kann einige Stunden dauern, einige Tage, manchmal sogar Monate. Eine Heilung ist nicht mehr zu erwarten. Nach und nach wird der Patient schwächer und ist immer mehr auf Pflege angewiesen. Die Funktion der Organe lässt langsam nach.

Was dann folgt, wird die Finalphase des Sterbeprozesses genannt. Die Betroffenen schlafen viel, haben kaum noch Hunger und Durst. Im Gesicht zeichnet sich oft eine blasse Stelle um Nase und Mund herum ab. Sie wird auch als „Todesdreieck“ bezeichnet.

Der Tod tritt nicht auf einmal ein. Nacheinander stellen die Organe ihre Funktionen ein, erst die weiter vom Herz entfernten und dann auch die näheren. So versucht der Körper möglichst lange noch das Gehirn und die inneren Organe zu versorgen. Wenn der Körper auch das nicht mehr aufrechterhalten kann, dann tritt der eigentliche Tod ein.

Beruhigend dabei: Das Sterben selbst ist bei einem allmählichen Tod durch eine Krankheit häufig sogar friedlicher. Über die Zeit sammeln sich Giftstoffe wie Kohlendioxid oder Harnstoff im Körper an. Sie betäuben den Körper, bis der Sterbende dann tatsächlich irgendwann nicht mehr erwacht. Ein schneller Tod ist dagegen oft mit Schmerzen und Krämpfen verbunden.

Unmittelbar nach dem Tod beginnt der Körper mit der Verwesung. Werden die Körperzellen nicht mehr mit Flüssigkeit und Sauerstoff versorgt, sterben sie ab und trocknen aus. Die Millionen von Organismen in unserem Körper zersetzen den Körper von innen heraus. Wird dieser Prozess nicht aufgehalten, zum Beispiel durch Mumifizierung, dann löst sich der Körper in seine Grundbestandteile auf. Wie lange das dauert, kann ganz unterschiedlich sein und hängt stark von den Umwelteinflüssen ab. Die Bodenbeschaffenheit, das Grundwasser, die Temperatur, aber zum Beispiel auch eingenommenen Medikamente können den Verlauf der Verwesung verlangsamen oder beschleunigen.

Davon bekommt der oder die Tote natürlich nichts mehr mit. Aber was, wenn wir auf der Schwelle zum Tod stehen und der Weg dann doch wieder zurück ins Leben führt? Was hat es mit den sogenannten Nahtoderfahrungen auf sich?

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Was ist eine Nahtoderfahrung?

Bei Menschen ist die Untersuchung von Nahtoderfahrungen nicht leicht. Verschiedene Experimente an Ratten zeigen aber: Bei einem Herzstillstand ist das Gehirn extrem aktiv. Doch auch bei Menschen gibt es Untersuchungen und Studien darüber, wie sie einen Herzstillstand erlebt haben. Diese laufen zum Beispiel über Interviews ab. Im Jahr 2014 gab es die AWARE-Studie, zusammengesetzt aus AWAreness during REsuscitation, also „Bewusstsein während der Wiederbelebung“. Interessant dabei: 

Knapp die Hälfte der Befragten gab an, bei dem Herzstillstand noch bewusst etwas wahrgenommen zu haben. Bei vielen war es nur ein Gefühl wie Angst, oder ein Deja vú und Erinnern an Situationen aus ihrem bisherigen Leben. Von den 140 Befragten hatten neun dagegen Nahtoderfahrungen. Sie haben ein Licht gesehen oder ihre Familie. Zwei Menschen sagen sogar, sie hätten ihre eigene Wiederbelebung miterlebt. Einer davon beschreibt, wie er von einer Ecke des Raums auf die Szene sieht. Das Besondere: Er kann Dinge beschreiben, die während seiner Bewusstlosigkeit passiert sind. Wie lässt sich das erklären? Rein wissenschaftlich kann es doch kaum sein, dass man sich selbst von außen sieht – oder doch? 

Was die Wissenschaft weiß – und was sie nicht erklären kann

Mit abschließender Sicherheit kann die Medizin die Phänomene noch nicht erklären. Allerdings haben ihre Erklärungen wenig mit einer übersinnlichen Seele zu tun, die den Körper für eine Weile verlässt und wieder zurückkommt:

Vielmehr ist es eben das, was wir schon von den Studien mit den Ratten kennen: Setzt das Herz aus, gibt es im Hirn plötzlich einen Sturm an Signalen. Durch den Sauerstoffmangel werden massenweise Endorphine, also Glückshormone ausgeschüttet, die Schmerzen hemmen. Auch die Außensicht auf sich selbst lässt sich mit der fehlenden Sauerstoffversorgung im Hirn erklären. Die Selbstwahrnehmung in den entsprechenden Gehirnarealen spielt dann verrückt.

Das Phänomen ist zum Beispiel auch von Bergsteigern in großen Höhen dokumentiert. Durch die dünne Luft auf ein paar Tausend Metern Höhe kann es bei ihnen ebenfalls zu einem Sauerstoffmangel kommen. Aber wie konnte der Mann mit dem Herzstillstand dann die Menschen im OP-Saal beschreiben? Wie konnte er wissen, dass ein Arzt eine Glatze hatte, und welche Schritte das medizinische Team durchgeführt hat? Das konnte zumindest bisher nicht genau erklärt werden.

Feststeht: Sind die letzten Sauerstoff-Reserven aufgebraucht, läuft eine letzte Signal-Welle durch das Gehirn. Auch die konnte bei Tieren auf dem EEG aufgezeichnet werden. Danach sterben die Gehirnzellen ab und mit ihnen der ganze Organismus.

Die beschriebenen Erfahrungen unterscheiden sich übrigens nicht wirklich in verschiedenen Kulturen. Die Wärme, der vermeintliche Kontakt mit geliebten Menschen, auch wenn die schon lange gestorben sind, das Licht – das lässt sich unter Beschreibungen eines “Himmels” oder “Paradieses” zusammenfassen, wie manche Religionen das Jenseits darstellen. Doch davon sprechen Patienten auf der ganzen Welt, egal ob christlich geprägt oder nicht. Menschen deuten die Erfahrung dann nachträglich eher im Sinne ihrer eigenen Vorstellungen.

Fazit: Das weiß die Wissenschaft über das Leben nach dem Tod

Was passiert also beim Sterben?

  1. Der Körper stirbt nicht auf einmal, die Organe versagen nach und nach, bis der ganze Organismus zusammenbricht.
  2. Ist das Gehirn für wenige Minuten ohne Sauerstoffzufuhr, gibt es unwiederbringliche Schäden. Bleibt das Hirn zu lange unversorgt, wird es ganz zerstört.
  3. Der Hirntod ist unumkehrbar. In Deutschland sind die Hürden, einen Hirntod zu diagnostizieren entsprechend sehr hoch, denn mit der Diagnose dürfen die inneren Organe transplantiert werden; sofern der Patient das verfügt hat.
  4. Nahtoderfahrungen entstehen durch eine Unterversorgung des Gehirns. Hormone und Signale werden massenweise ausgesendet und lassen uns überstarke Emotionen und Sinneseindrücke erleben.
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