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SWR-Wirtschaftsredakteurin Katha Jansen (Foto: SWR, Stefanie Schweigert)

Erst kürzlich hat die Europäische Zentralbank die Negativzinsen für Banken angehoben. Das heißt, die Banken müssen dafür bezahlen, wenn sie Geld bei der Zentralbank „parken“. Seither kursieren viele Behauptungen, was das für uns Verbraucher bedeutet. Wir checken, was stimmt und was nicht.

1. Der angehobene Negativzins frisst die Geldanlagen der Verbraucher.

Da kommt es darauf an, was das für Geldanlagen sind. Die Negativzinsen erhebt ja in erster Linie die Europäische Zentralbank (EZB) auf Geld, dass die Banken bei ihr parken. Manche Banken geben diese Minuszinsen auch schon heute an ihre Kunden weiter oder denken zumindest darüber nach. Das trifft bislang aber nur Menschen, die größere Geldbeträge auf dem Konto herumliegen haben – die Grenze liegt bei rund 100.000 Euro.

Für Sparguthaben kann der Negativzins also tatsächlich ungünstig sein. Auf die gab es aber ohnehin schon seit einigen Jahren kaum noch positive Zinsen. Daneben gibt es natürlich auch andere Formen der Geldanlage: eine Wohnung oder ein Haus kaufen, in Unternehmen investieren, zum Beispiel über Aktien. Diese Anlageformen werden nicht negativ von den Minuszinsen beeinflusst.

2. Altersarmut ist mit dem angehobenen Negativzins vorprogrammiert.

Auch hier kommt es wieder auf die Anlageform an. Wer fürs Alter vorsorgt, indem er Geld auf einem Sparkonto sammelt, der hat schlechte Karten. Das war früher mal anders, da wurde durch positive Zinssätze aus gespartem Geld über die Jahre mehr. Heute ist das eher andersrum.

Auch Vorsorgepläne fürs Alter sollte man sich jetzt nochmals genauer anschauen. Oft rechnen die nämlich mit guten, hohen Zinssätzen, die es heute so gar nicht mehr gibt. Wer in den 90er-Jahren so einen Vertrag geschlossen hat, jeden Monat einzahlt und sich auf die damals genannte Endsumme verlässt, der kann auf die Nase fallen.

Trotzdem machen Minuszinsen einen im Alter nicht zwangsweise arm. Wer mit einer eigenen Immobilie vorsorgt, profitiert im Gegenteil von den aktuell niedrigen Leitzinsen, also dem Zinssatz, der vorgibt, zu welchen Konditionen wir uns Geld bei den Banken leihen können. Klar, nicht jeder hat die Kohle, sich gleich ein Einfamilienhaus oder eine schicke Eigentumswohnung zu kaufen. Mit Immobilien fürs Alter vorsorgen kann man aber zum Beispiel auch mit einem Zimmer in einem Studentenwohnkomplex, das, sobald der Kredit abgezahlt ist, Miete abwirft.

Und auch für die Altersvorsorge können Aktiensparpläne mit langen Laufzeiten eine gute Option sein. Über größere Zeitfenster hinweg ist Geld, das man gut verteilt in Aktien anlegt, bislang immer mehr geworden.

3. Die Kontoführungskosten werden jetzt immer teurer.

Das ist zumindest wahrscheinlich. Denn Banken sind Wirtschaftsunternehmen. Am Ende müssen sie mindestens so viel verdienen, wie sie ausgeben. Das erklärte Ziel geht noch weiter: Gewinn. Und wenn die Ausgaben der Banken steigen, eben weil sie Negativzinsen bei der EZB zahlen müssen, dann muss dieses Geld natürlich auch irgendwo wieder reinkommen.

Derzeit lässt Bundesfinanzminister Olaf Scholz prüfen, ob man per Gesetz ein Verbot von Negativzinsen für private Sparer durchsetzen kann. Dann dürften Banken also die Negativzinsen tatsächlich gar nicht erst an die Sparer weitergeben. Das würde aber auch bedeuten, dass sie sich dieses Geld eben irgendwie anders besorgen müssen und genau da kommt dann eine Erhöhung der Kontoführungsgebühren ins Spiel, denn über diesen Umweg könnte man die höheren Kosten bei der EZB wieder ausgleichen.

4. Der angehobene Negativzins hat nur Nachteile.

Je nachdem, aus wessen Perspektive man sich die Situation anschaut, stimmt das absolut nicht. Für Sparer hat der Negativzins tatsächlich nur Nachteile. Andere Anlageformen sind nicht betroffen.

Vorteile erhoffen sich Finanzexperten für die Wirtschaft. Dahinter steckt folgende Rechnung: Wenn weniger Geld rumliegt, weil es gespart wird, dann müssen die Leute mit diesem Geld ja etwas anderes machen. Wahrscheinlich kommt der ein oder andere an der Stelle auf die Idee, das Geld zu investieren und das wiederum kurbelt die Wirtschaft an.

Ein Beispiel: Statt das Geld zu sparen, engagiere ich einen Handwerker, der meine Heizung modernisiert. Davon profitiere ich, weil das neue Gerät weniger laufende Kosten verursacht und sich der Wert meiner Wohnung steigert. Der Handwerker hat was davon, denn er verdient Geld, sein Unternehmen läuft, er kann seine Mitarbeiter bezahlen, die wiederum haben genug Einkommen und können sich privat kaufen, was sie wollen … Dieser Kreislauf lässt sich noch eine Weile weiterspinnen. Am Ende zahlt jedenfalls selbst so eine kleine, private Aktion auf die Wirtschaft ein.

Noch extremer ist der Effekt natürlich, wenn sich nicht nur Privatmenschen entscheiden so zu investieren, sondern Unternehmen. Zum Beispiel in eine neue Technologie.

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