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Anna Wollner
Anna Wollner, SWR3 Kino-Checkerin; Foto: RBB
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Das Weltall steht in Hollywood hoch im Kurs. Sandra Bullock durfte durch die Schwerelosigkeit schweben, Matt Damon den roten Planeten besiedeln und Ryan Gosling die ersten Schritte auf dem Mond gehen. Jetzt ist Brad Pitt an der Reihe – und die Rolle des Astronauten ist ihm auf den Leib geschrieben, wie er im SWR3-Interview erzählt hat.

Regisseur James Grey schickt den 55-jährigen Hollywood-Beau auf eine ziemlich lange Reise. Nämlich von der Erde über den Mond und Mars bis zum Neptun. Nicht nur eine körperlich anstrengende Reise, bei der Roy McBrides Puls – das ist der Name des Astronauten, den Pitt spielt – nie über 85 hinausgeht, sondern auch eine emotionale.

Szenenbilder aus dem Film

Szenenbilder aus dem Film; Foto: foxfilm
foxfilm

Pitt im SWR3-Interview: „Man braucht Verletzungen im Leben“

Ad Astra ist eine philosophische, ja beinahe spirituelle Reise seiner Hauptfigur – einmal quer durch unser Sonnensystem. Eine Rolle, die ihm wie auf den Leib geschrieben ist, denn für ihn kommt sie genau zur richtigen Zeit. Erst jetzt, mit 55 und jeder Menge Lebenserfahrung, hätte er die Reife, eine solch komplexe Figur spielen zu können:

Man braucht eine gewisse Reife und Verletzungen im Leben, man muss wissen, was Verlust bedeutet, vielleicht sogar Verlust der eigenen Kinder.

…sagt er mit einem Grinsen im Gesicht.

Tour durchs Weltall

Brad Pitt spielt einen wortkargen, in sich gekehrten Astronauten, der auf eine geheime Mission geschickt wird. Er soll seinen Vater (gespielt von Tommy Lee Jones) finden, einen berühmten Weltraumpionier, der seit über zwei Jahrzehnten in der Nähe des Neptuns verschollen ist. Nach merkwürdigen elektrischen Stürmen auf der Erde, die mit der Mission auf dem Neptun in Verbindung stehen könnten, wird McBride angesetzt, den Vater zu finden und im Idealfall zur Vernunft zu bringen. Mit einem Linienflug zum Mond – mit astronomischen Preisen fürs Bordentertainment – geht es über den Mars noch viel weiter.

„Es ist nicht männlich, seine Gefühle zu verstecken“

Ad Astra hat die wohl erste Verfolgungsjagd auf dem Mond, irgendwo zwischen Mad Max und Fast and Furious, einen Schockmoment mit einem Affen und jede Menge Adrenalin – was im Gegensatz zum krassen Ruhepuls von Pitts Figur steht. Ad Astra ist der männliche Blick auf toxische Maskulinität und eine komplizierte Vater-Sohn-Beziehung. Für Pitt eine echte Chance: „Der Regisseur James Grey und ich sind seit 1995 miteinander befreundet und reden sehr offen miteinander. Der Film gab uns die Möglichkeit, unsere Freundschaft zu vertiefen und gewisse Themen anzusprechen, die uns beiden wichtig sind. Männlichkeit zum Beispiel. Und dass es eben nicht männlich ist, seine Gefühle zu verstecken.“

Spektakuläre Bilder und ein lässiger Brad Pitt

Pitt spielt hier verschlossen – und genießt im Film die Aussicht. Genau wie wir als Zuschauer. Denn Ad Astra sieht wahnsinnig gut aus, hat spektakuläre Bilder, die ganz in sich ruhen. Bilder, die sich nicht wie in anderen Filmen dieser Art aufdrängen, sondern neben den paar Actionmomenten, ruhige, konzentrierte Blicke ins All geben. Pitt ist wie geboren für die Rolle: schweigsam, lässig und cool.

Weniger Mainstream als andere Sci-Fi-Filme im All, aber gerade deswegen sehenswert. Und deswegen gibt es von mir vier von fünf Elchen.