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Anna Wollner
Anna Wollner, SWR3 Kino-Checkerin; Foto: RBB
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Darf man Witze über Menschen mit Behinderung machen? Politisch korrekt ist das eigentlich nicht – aber im Kino geht das. Das hat Ziemlich beste Freunde schon gezeigt oder Forrest Gump. Mit Goldfische gibt es jetzt auch einen Versuch aus Deutschland und um alle Bedenken wegzuwischen: Es funktioniert.

Tom Schilling, nach den beiden schauspielerischen Enttäuschungen in Brecht und Werk ohne Autor, spielt Oliver. Kategorie: schmieriger Investmentbanker.

Auf dem Weg zu einem wichtigen Termin hat er dank seiner Ungeduld einen schweren Autounfall und wacht querschnittsgelähmt auf der Intensivstation auf. Ein paar Monate später ist ihm das WLAN in der Rehaeinrichtung wichtiger als der richtige Umgang mit dem Rollstuhl – denn er hat ein riesiges Problem: Das Finanzamt hat sein Schwarzgeldkonto in der Schweiz entdeckt und er muss dringend nach Zürich, um das Schließfach zu leeren.

Beim Kamelreiten, Geld schmuggeln

Aber wie schmuggelt ein Rollstuhlfahrer so viel Geld alleine über die Grenze? Deswegen versucht er die Wohngruppe Goldfische für einen Ausflug in die Schweiz zu gewinnen, zum therapeutischen Kamelreiten, denn eine Reisegruppe im Kleinbus mit Behinderten ist das perfekte Alibi und wird an der Grenze schon nicht auffallen.

Die Goldfische; Foto: © 2018 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH
© 2018 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Starbesetzung und eine große Entdeckung

Was auf dem Papier ein bisschen abschreckend klingt, ist absolut erfrischend und chaotisch lustig – und das liegt neben den geschliffenen und messerscharfen Dialogen vor allem am Cast. Jella Hase und Kida Khodr Ramadan als genervtes aber engagiertes Betreuerduo, Tom Schilling als Arschloch im Rollstuhl, Birgit Minichmayr als alkoholabhängige Blinde, Axel Stein als kleiner Bruder von Rain Man, Jan Henrik Stahlberg als stummer Autist und die größte Entdeckung: Luisa Wöllisch, eine Schauspielerin mit Down-Syndrom in der Rolle der Franzi, im pinken Pelzmantel, goldenen Stilettos und dem absolut herzergreifenden und nachvollziehbaren Motto „Mehr Glamour“.

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Ein Hoch auf die Goldfische!

Die Goldfische hält uns den Spiegel vor beim unbeholfenen Umgang mit Menschen mit Behinderung. Es ist eine Gratwanderung, die sehr gut hätte schief gehen können, die aber gelingt. Mit einer wunderbaren Erkenntnis am Ende: Scheiß auf die Avengers, Scheiß aufs A-Team, ein Hoch auf die Goldfische!

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Anna Wollner
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SWR3