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Anna Wollner
Anna Wollner, SWR3 Kino-Checkerin; Foto: RBB
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Green Book - Eine besondere Freundschaft ist ein klassisches Roadmovie, ein Lehrstück über Alltagsrassismus und beruht auf wahren Begebenheiten. Zwei gegensätzliche Typen treffen hart aufeinander und freunden sich langsam an. Guter Humor und die Hauptdarsteller: eine Wucht!

Den Golden Globe als beste Filmkomödie hat Green Book in der Tasche, Nebendarsteller Mahershala Ali räumt einen Preis nach dem anderen in Hollywood ab und bei den Oscars hat es auch geklappt: Der Film war für fünf Oscars nominiert – drei hat er gewonnen, den Oscar als bester Film, für das beste Original-Drehbuch und Mahershala Ali als bester Nebendarsteller.

Versnobter schwarzer Musiker trifft auf rassistischen einfachen Arbeiter

Der Film von Peter Farrelly basiert nämlich auf einer wahren Begebenheit. Der Sohn des Protagonisten selbst hat das Drehbuch geschrieben – zu einem Buddy-Road-Movie mit umgedrehten Vorzeichen und damit einen Bruch unserer normalen Erwartungen. Ein Musiker lässt sich von einem abgehalfterten Typen durch die Südstaaten kutschieren, in den 1960er Jahren auf einer Konzerttour. Allerdings ist der Musiker ein versnobter schwarzer Jazz-Piano-Spieler mit Starallüren und Tony, der Chauffeur, ein italienisch-stämmiger Türsteher mit Geldproblemen.

Szenenbilder aus Green Book - Eine besondere Freundschaft; Foto: Universal Pictures
Universal Pictures

Im Auto treffen Welten aufeinander: die intellektuelle Arroganz des kultivierten Schwarzen, der Tony das erste Mal in seiner Wohnung über der New Yorker Carnegie Hall auf einem Thron begrüßt und die Schnoddrigkeit des einfachen italienischen Arbeiters ohne Manieren, der selbst Rassist ist und als zwei schwarze Handwerker bei ihm in Little Italy die Spüle reparieren, die Gläser aus denen die beiden getrunken haben, vorsorglich in den Müll schmeißt.

Lehrstück über Alltagsrassismus in den 60ern

Green Book, benannt nach einem Reiseführer für Schwarze mit gelisteten Motels, Tankstellen und Diner, in denen Schwarze bedient werden, ist ein Lehrstück über Alltagsrassismus in den 60er Jahren. Und ein klassisches Roadmovie. Denn unterwegs kommt die Läuterung der beiden und die unterschiedlichen Männer freunden sich an.

Green Book funktioniert vor allem durch das austarierte Drehbuch, die vielen Zwischentöne und die beiden Hauptdarsteller. Viggo Mortensen, den kennen wir aus Der Herr der Ringe spielt die Hauptfigur, den Chauffeur. Mahershala Ali den Musiker. Ali hatte vor zwei Jahren mit Moonlight seinen Durchbruch im Kino, ist aktuell auch in True Detective Staffel 3 zu sehen und ist nicht nur da eine absolute Wucht. Auch hier spielt er ganz groß auf, einen Schwarzen, der nicht in die Klischeefalle des Jazzmusikers fallen will, Identitätsprobleme hat und langsam aber sicher auftaut. Das ist großes Kino und bekommt von mir 4 von 5 Elchen.