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Anna Wollner
Anna Wollner, SWR3 Kino-Checkerin; Foto: RBB
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Holla die Waldfee! Man muss schon zweimal hinhören und -sehen. Da sitzt ein Mann in weißer Latzhose und glitzerndem Sternchen-Sweatshirt mit einer übergroßen weißen Sonnenbrille am Klavier des Troubadour-Clubs in Los Angeles und rockt im wahrsten Sinne des Wortes die Massen. Der Mann ist Schauspieler Taron Eggerton, der Elton John verkörpert und alle Songs im Film selbst singt.

Eggerton haucht den Liedern neues Leben ein, interpretiert sie neu und zeigt damit auch ganz bewusst, dass er im Film von Regisseur Dexter Fletcher eben nur eine Interpretation von Elton John sein kann. Das alles mit dem Segen von Elton John, der Rocketman gleich mitproduziert und ordentlich beim Drehbuchschreiben mit Anekdoten geholfen hat. Zum Glück. Denn Rocketman ist kein klassisches Biopic im traditionellen Sinne einer Künstlerbiographie, sondern vielmehr ein fantasievolles, verkitschtes, überbordendes Musical – und ein Psychogramm über einen jungen Musiker auf dem Weg zum Weltruhm.

Szenenbilder aus dem Film

Szenenbilder aus Rocketman; Foto: Paramount Pictures

Szenenbilder aus Rocketman

Paramount Pictures

Schillernde Therapiesitzung mit Musicalmomenten

Fletcher, der ja gerade erst nach dem Ausscheiden von Bryan Singer Bohemian Rhapsody hat retten müssen, macht aus den ersten Karrierejahren von Elton John eine Art schillernde Therapiesitzung mit Familienaufstellung – immer wieder gebrochen mit Musicalmomenten, die sich unharmonisch in die Handlung einfügen. Auf dem Tiefpunkt seiner Karriere sitzt Elton John mit einem pailettenbesetzten orangen Teufelskostüm in einer Gruppentherapie und arbeitet sich an seinen Eltern, seinem Manager und Ex-Freund John Reid und der eigenen Karriere mit allen Höhen und Tiefen ab.

Sex, Drugs und Rock'n'Roll

Beschönigt wird dabei nichts, naja, vielleicht ein bisschen, aber es gibt eben doch sehr viel Sex, Drugs und Rock'n'Roll. Rocketman bietet das volle Programm und zeigt auch die Schattenseiten des Ruhms. Der Film lebt neben den vielen Songs, die in anachronistischer Reihenfolge aber immer zur Stimmung und Handlung des Films passen, vor allem auch von den Kostümen. Mit allen schillernden, modischen Entgleisungen, die Elton John hatte.

Schrilles, filmisches Denkmal

Rocketman ist glitzernd, queer, ein bisschen exaltiert und übertrieben. Trifft aber immer die richtigen Töne und setzt Elton John ein filmisches Denkmal. Rocketman ist der Film geworden, der schon Bohemian Rhapsody hätte sein können. Einfach nur der Hammer. Fünf von fünf Elchen.

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