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Vice ist für acht Oscars nominiert – unter anderem als bester Film und Christian Bale als Hauptdarsteller. Für seine Rolle als US-Vizepräsident Dick Cheney hat Christian Bale sein Aussehen mal wieder krass verändert. Außerdem punktet Vice mit einer Mischung aus Biografie, Drama und Komödie.

Christian Bale verschmilzt mit seiner Rolle

Er hat es schon wieder getan. Christian Bale hat sich für eine Rolle so verändert, dass er kaum wiederzuerkennen ist. Mit Glatze, rasierten Augenbrauen, 20 Kilo mehr auf den Rippen und antrainiertem Stiernacken imitiert er nicht nur Dick Cheney, er verschmilzt mit ihm und nimmt sich in Form und Charakter ganz dem wohl mächtigsten amerikanischen Vizepräsidenten aller Zeiten an.

Szenenbilder aus Vice mit Christian Bale; Foto: Universum Film GmbH
Universum Film GmbH

Vom Uni-Abbrecher mit Alkoholproblem zum US-Vizepräsidenten

Dabei setzt Big Short-Regisseur Adam McKay den Ton für den Film für diese Biopic-Farce schon in den ersten Minuten. Dick Cheney als Anfang Zwanzigjähriger in Wyoming, ein fauler Arbeiter, der Stromleitungen repariert und der wegen Trunkenheit am Steuer verhaftet wird, von seiner ambitionierten Frau die Leviten gelesen bekommt. Ein Schnitt zum 11. September 2001, als Cheney in Bushs Abwesenheit über das Schicksal eines ganzen Landes entscheiden könnte. Die entscheidende Frage, die McKay unweigerlich stellt: Wie konnte ein Yale-Abbrecher mit Alkoholproblem den Weg ins Oval Office finden?

Vice ist eine Biografie mit Augenzwinkern

Die Antwort ist nicht einfach, aber sehr unterhaltsam. Cheney, der wohl eher zufällig Republikaner wurde, durchläuft verschiedenste Stationen. Vom Praktikanten beim damaligen Kabinettsmitglied Rumsfeld über Verteidigungsminister, jüngstem Stabschef aller Zeiten im Weißen Haus und CEO einer Ölfirma, bekommt er von George W. Bush Jr. den eigentlich symbolischen Job des Vizepräsidenten angeboten und wird von 2001 bis 2009 zum stillen aber einflussreichen Strippenzieher. Denn in der Ära Bush Jr. ist er es, der im Hintergrund die Fäden spinnt, Politik macht und dabei lügt wie gedruckt. Egal ob die umstrittenen Anti-Terrormaßnahmen, der Einmarsch im Irak oder dubiose Ölgeschäfte. Selbst seine eigene, lesbische Tochter verrät er an die Politik.

Der Film ist irritierend, komisch, genial

Regisseur Adam McKay imitiert in Vice die filmische Machart von Dokumentarfilmer Michael Moore – aber mit vollem Erfolg. Er vereinfacht komplizierte Sachverhalte, unterhält dabei aber von Minute Eins und spielt mit verschiedenen Versatzstücken aus Komödie und Drama. Dabei irritiert nicht nur die ungewohnte Erzählperspektive, sondern auch das ständige Springen zwischen den Zeit- und Handlungsebenen, das Brechen mit der vierten Wand oder surreal komische Momente. Irritationen, die in ihrem Wahnsinn fast schon wieder genial sind.

Vice: hochkarätig besetzt und Chancen auf 8 Oscars

Nicht nur Christian Bale als Dick Cheney trumpft groß auf, es ist ein Film, der mit Amy Adams als Cheneys Ehefrau Lynne, Sam Rockwell als George W. Bush Jr. und Steve Carell als Donald Rumsfeld bis in die Nebenrollen hochkarätig besetzt ist. Vice ist ein rasanter Film über den Umgang mit Macht, keine rein politische Analyse, vielmehr ein unterhaltsames und temporeiches Spiel mit Anekdoten, in dem man nicht alles für bare Münze nehmen darf. Deswegen gibt es fünf von fünf Elchen.

Vice war für insgesamt acht Oscars nominiert: unter anderem als bester Film, Adam McKay für die beste Regie und das beste Drehbuch. Amy Adams als beste Nebendarstellerin und Sam Rockwell als bester Nebendarsteller. Am Ende gab es am 24. Februar 2019 in Los Angeles aber „nur“ einen Oscar, für das beste Make-up.

Autor
Anna Wollner
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SWR3