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Sie sind die wohl derzeit angesagteste Band der Welt: Coldplay. In diesem Jahr feien sie ihr 20jähriges Band-Jubiläum mit einem Live-Album und einer neuen Doku A Head Full of Dreams. Und jetzt gibt es auch das passende Buch dazu: Coldplay – Die Biografie von Debs Wild und Malcom Croft. Unser Musikmann Matthias Kugler hat es gelesen.

Coldplay: Die Biografie - Debs Wild, Malcolm Croft/SWR3-Musikredakteur Matthias Kugler; Foto: Hannibal Verlag/SWR3
Hannibal Verlag/SWR3

Kennt jemand Phil Harvey? Nein? Macht nichts. Aber so wie Billy Preston immer als „fünfter“ Beatle gehandelt wurde, gilt Phil Harvey als fünftes Mitglied von Coldplay. Er war bis vor nicht allzu langer Zeit der Manager der Band und hat mitgeholfen, Coldplay zu dem zu machen, was sie heute sind. Coldplay – Die Biografie beginnt mit einem Zitat von Phil Harvey: „Vergiss in deinem Buch bloß nicht zu erwähnen – und nur Gott weiß, was passiert wäre, wenn du nicht zur Show gekommen wärst –, dass meiner Meinung nach, ohne dich buchstäblich rein gar nichts von all dem passiert wäre.“

Autorin war von Anfang an dabei

Mit „du“ meint er Debs Wild, eine der Autorinnen des Buches. Sie war am 14. September 1998 bei einem der frühen Auftritte dabei, als sich die Band noch „The Coldplay“ nannte, und schrieb eine begeisterte Kritik in ihr Tagebuch. Chris Martin hatte noch eine Spange im Mund, der Rest der Band war ihrer Meinung nach ziemlich schäbig gekleidet, aber die Musik war großartig. Debs Wild war als A&R-Managerin dafür verantwortlich, dass Coldplay ihren ersten Plattenvertrag bekamen, ist seit 17 Jahren enge Begleiterin der vier Briten, betreut ihre offizielle Website, hatte so stets exklusiven Zugang zu allen Informationen rund um die Band und erlebte deren märchenhaften Aufstieg von kleinen Clubs in die großen Stadien hautnah mit.

Und genau das merkt man dem Buch an, das sie zusammen mit dem Musik-Journalisten Malcolm Croft geschrieben und illustriert hat. Es ist fundiert, punktet mit reichlich Insiderwissen und ist liebevoll gestaltet mit seltenen Fotos, alten Tickets, Set-Listen, Konzertplakaten, Song-Geschichten, diskographischen Angaben oder netten Anekdoten.

Die sechs Gebote von Brian Eno

Zum Beispiel die sechs Gebote, die Coldplay von Produzenten-Legende Brian Eno bekamen. Darin heißt es unter anderem „Ihr sollt kochen wie ein Italiener“, „Ihr werdet irgendwann auch mal keine Lust haben zu spielen“ oder „Ihr sollt nicht jede Farbe für jedes Gemälde benutzen“.

Die Biographie ist chronologisch aufgebaut, in insgesamt 8 Kapitel eingeteilt, beginnt 1996, als sich Guy Berryman, Jonny Buckland, Will Champion und Chris Martin am University College in London kennen lernen, Freunde werden und eine Band gründen und endet mit der triumphalen A Head Full Of Dreams Tour 2017. Jedem Bandmitglied ist außerdem ein Extra-Kapitel gewidmet, typisch Coldplay, die alles durch Vier teilen, egal, wer wie viel an einem Song mitgearbeitet hat, und die immer in alphabetischer Reihe nach den Nachnamen aufgelistet sind, weshalb Frontmann Chris Martin stets am Ende steht.

Ein Manifest der Freundschaft

Coldplay – Die Biografie zeichnet das Bild einer trotz aller Erfolge bescheiden und sympathisch gebliebenen Band und ist sowohl eine wunderbare Fundgrube für Die-Hard-Fans als auch für Coldplay-Newcomer. Man kann das Buch in einem Rutsch durchlesen oder mal eben für fünf Minuten reinblättern. Am Ende wird man es in jedem Fall mit einem Lächeln wieder schließen, denn es ist vor allem ein Manifest der Freundschaft. Für eine Band gibt es zwanzig Jahre nach ihrer Gründung wohl kaum ein schöneres Fazit, oder?

Autor
SWR3