Drogen, Morde und mittendrin der Präsident der Vereinigten Staaten. Mit Jahre des Jägers komplettiert Don Winslow seine Trilogie über den längsten Krieg, den die USA jemals geführt haben: Den Kampf gegen die Drogen. SWR3-Redakteur Jens Grotegut hat den Polit-Thriller gelesen, ist begeistert davon und am Ende sogar ein wenig traurig...

SWR3-Buchtipp Cover Jahre des Jägers von Don Winslow; Foto: Drömer HC
Drömer HC

Schon mit den ersten beiden Teilen hatte sich Don Winslow ein Krimi-Denkmal gesetzt: Er wurde weltweit mit Preisen überhäuft, weil die Bücher erstens klasse geschrieben sind und zweitens auf Fakten basieren. Allein für den ersten Teil hatte er jahrelang recherchiert. Mit Ermittlern, Opfern, Dealern und Süchtigen gesprochen. Von den 70ern bis heute, beschrieb er wie Drogenkartelle entstanden und wie die Grenzregion zwischen den USA und Mexiko zum Schlachtfeld wurde mit Zehntausenden von Toten. Und mittendrin Drogenermittler Art Keller, der Adan Barrera jagt. Ein Typ, der einen extrem an El Chapo erinnert, den Boss des legendären Sinaloa-Kartells. Zwei Bücher mit fast 2000 Seiten, eine Art Mix aus dem Paten, Narcos und Game Of Thrones.

Fiktion und Fakt zugleich

Und jetzt wird auch noch Trump reingemixt: Im Buch heißt er Dennison. Ein Immobilien-Mogul, der erst Reality-TV-Star und dann Präsident wird und wie der echte Trump einen zwielichtigen Schwiegersohn hat. Mit einer Mauer sollen Drogen von Amerika ferngehalten werden. Gleichzeitig lassen sich Politiker aber mit den Millionen der mexikanischen Bosse ihre Geschäfte finanzieren. Manchmal weiß man beim Lesen nicht, ob man einen Krimi oder ein Sachbuch vor sich hat. Zum Beispiel auch dann, wenn man einen 10jährigen Jungen begleitet, der auf einer Müllkippe in Guatemala lebt und sich auf dem Dach des berühmt berüchtigten Todeszugs La Bestia in die USA aufmacht. Oder auch wenn man in die amerikanische Mittelschicht eintaucht, die gerade vom Heroin zerstört wird. All das ist Fiktion und Fakt zugleich.

Brutal aber mit Humor

Klingt ja irgendwie alles nicht so nach Lesespaß. Ist es aber! Weil Don Winslow einfach saucoole Charaktere schafft. Man trifft Art Keller wieder, der inzwischen Chef der Drogenbehörde DEA ist. Lernt neue Undercover-Cops und psychopathische Killer kennen – muss zwischendurch schlucken, wenn Szenen wieder mal irre brutal sind. Aber auch lachen, wenn ein Dialog mal wieder mit bitterbösem Humor daherkommt. Nur eines ist mies: Dass es der dritte und vermutlich letzte Teil der Saga ist.