Die Geschichte einer Obsession

Buchcover: Sich verlieren; Foto: SWR3.de

Führst du eigentlich Tagebuch? Hast du eine Geliebte?

Wie? Das würdest du mir nicht erzählen? Annie Ernaux ist da nicht so pinzig. Also von der weiß ich jetzt alles. Sie hat nämlich ihr komplettes Tagebuch, dass sie in der Zeit, als sie eine Affäre mit einem russischen Diplomaten hatte, veröffentlicht.

Und dafür erst mal Hut ab, dazu gehört 'ne Menge Mut. Denn Menschen können schon ziemlich peinlich sein, wenn sie völlig kopflos verliebt sind. Und so ist das auch bei der schwer renommierten französischen Autorin Annie Ernaux.

Bis zur Selbstaufgabe

Es hat mich schon ein wenig fassungslos gemacht wie eine so intelligente Frau wie sie eigentlich nur noch in der Lage ist einen Satz zu formulieren "Er hat nicht angerufen". Und soviel sei gesagt: wenn, dann hat er verdammt selten angerufen, während des Sexs die Socken angelassen und sich ansonsten eigentlich auch nur daneben benommen. Sie hingegen hat russisch gelernt, sich nur noch sündhaft teure Klamotten gekauft und aus Verzweiflung sogar Anna Karenina gelesen.

Und was denkste, wie ist die Nummer ausgegangen? Genau, natürlich nicht gut. Deshalb ist "Sich verlieren" auch noch ein extrem lehrreiches Buch: Affären kosten nur 'ne Menge Zeit, Geld, und führen nirgendwo hin.