Autor Olivier Bourdeaut erzählt in seinem Roman Warten auf Bojangles eine Liebesgeschichte, die schön und traurig zugleich ist, die aber in jedem Fall das Leben in all seinen Facetten zeigt und genau diese Vielfalt bejubelt. SWR3-Morningshow-Moderator Michael Wirbitzky hat das Buch gelesen und findet dessen weltweiten Erfolg mehr als berechtigt.

SWR3-Buchtipp Cover Warten auf Bojangles von Olivier Bourdeaut; Foto: Piper
Piper

Da war sie! Es war auf einer Party, als Georges sie zum ersten Mal gesehen hat. Und Georges war klar, dass sie verrückt sein muss. Er erinnert sich: „Ich sagte mir, mir fehlen selbst einige Tassen im Schrank und ich sollte vernünftigerweise nicht einer Frau verfallen, die gar kein Geschirr mehr im Schrank hat.“ Und doch kommt es so. Georges heiratet und bekommt einen Sohn mit dieser Frau, die so anders ist. Die im Abendkleid in den Pool springt, die mit zwei Gläsern Champagner auf dich zukommt und dann beide selbst trinkt, die eine originelle Lüge immer der Wahrheit vorzieht, die den Wohnzimmerschrank mit Efeu überwuchern lässt, weil er ihr nicht gefällt, die einen Kranich als Haustier hat, die funkelt, lacht, tanzt ... Ja, die vielleicht das einzige Feuerwerk ist, dass man auch am Tage sieht.

Die dunkle Seite der Medaille

Aber sie ist auch krank. Georges weiß es, ihr gemeinsamer Sohn weiß es auch. Spätestens, als sie den Jungen einfach von der Schule nimmt und der Lehrerin vorwirft: „Sie wollen aus ihm eine ölverklebte Möwe machen, die sich in einem düsteren Meer aus Langeweile über Wasser zu halten versucht.“

Soll es das schon gewesen sein?

Sie kann so wütend sein. Aggressiv. Sie kann alles sein. Als sie eines Tages splitternackt nur mit Schuhen loszieht, um Austern einzukaufen, ist es vorbei. Vater und Sohn müssen mit ansehen, wie die große Liebe, die heißgeliebte Mutter in die Psychiatrie eingeliefert wird. Diagnose: manisch-depressiv. Soll man sie dort versauern lassen? Georges und sein Sohn schmieden einen Plan.

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Eine Hymne auf die Vielfalt

Warten auf Bojangles ist eine Hymne auf das Leben und das Anderssein. Hinreißend und federleicht geschrieben, voll warmherzigem Humor, skurrilen Typen und tragikkomischen Momenten. Olivier Bourdeaut, der Autor, erzählt in nur 160 Seiten davon, wie unmöglich es ist, mit einem Menschen zusammen zu sein, der nicht alle Sinne beisammen hat. Und wie unmöglich es ist, ohne ihn zu sein.