Eine Fortsetzung wie ein Echo. Mit Bildern „bigger than life“. Und dazu: Harrison Ford und Ryan Gosling. Warum nicht nur Fans des Original-Blade Runners begeistert sein werden.

Blade Runner: Ein Meilenstein

Einen Meilenstein der Filmgeschichte – nicht mehr und nicht weniger – hat Regisseur Ridley Scott 1982 mit Blade Runner erschaffen. Einen Science-Fiction-Film über den Replikantenjäger Rick Deckard. Auch wenn der Film an den Kinokassen floppte und erst im Nachgang ein Eigenleben mit Kultpotential entwickelte. Die Fortsetzung kommt ohne Ridley Scott auf dem Regiestuhl aus, dafür aber mit Harrison Ford, Ryan Gosling und Regisseur Denis Villeneuve.

Blade Runner 2049 spielt genau dreißig Jahre nach dem ersten Film. Die Welt ist noch genauso düster wie 2019, ein großer Blackout hat zu erheblichen Datenverlusten geführt, ein Großteil der menschlichen Erinnerung wurde ausgelöscht, das Ökosystem ist zusammengebrochen.

Szenenbilder Blade Runner; Foto: © 2017 Sony Pictures Releasing GmbH
© 2017 Sony Pictures Releasing GmbH

Dreißig Jahre später... immer noch gut?

Noch immer machen Blade Runner Jagd auf die Replikanten um sie in den Ruhestand zu versetzen, sprich zu töten. Einer davon ist K, gespielt von Ryan Gosling, der ein großes bisher verschwiegenes Geheimnis aufklären wollend auf Deckard trifft. Mehr sollte man über die Handlung des Films nicht sagen, denn selbst Regisseur Denis Villeneuve hat in einer Einblendung vor dem eigentlichen Film darum gebeten, so wenig von der Handlung preis zu geben wie möglich. Halten wir uns dran!

Alle sind alt geworden – außer Ryan Gosling

Blade Runner 2049 ist keine klassische Fortsetzung im Sinne des Prequel- und Sequel-Wahns in Hollywood. Blade Runner 2049 ist vielmehr eine filmische Verlängerung des Originals, eine Verbeugung und eine Art Echo. Rick Deckard ist alt und mürrisch geworden, genau wie Harrison Ford. Ryan Gosling, der mit Lalaland in diesem Jahr ja schon beeindruckt hat, ist hier wesentlich regungsloser unterwegs. Er erinnert vom Gesichtsausdruck an das raue, harte aus Drive oder Only God Forgives.

Was macht denn nun den Menschen aus?

Seine Figur ist es dann auch die, die im Zusammenspiel mit der Erinnerungs-Programmiererin Dr. Ana Stelline (Feuchtgebiete-Star Carla Juri), die philosophische Last auf ihren Schultern trägt. Die Frage aus dem ersten Film – Was macht einen Menschen aus – entwickelt der Film weiter zur Auseinandersetzung was ein Mensch überhaupt ist. Auch wenn die Dialoge dabei manchmal etwas ungelenk klingen, sind es gerade diese Aspekte, die dem Film die dramaturgische Tiefe verleihen.

Mit dabei: ein Elvis-Hologramm

Regisseur Denis Villeneuve kreiert mit seinem Kameramann Roger Deakins Bilder für die Ewigkeit. Nach 13 Oscar-Nominierungen MUSS es dieses Mal endlich mal klappen. Denn Blade Runner 2049 ist visuell atemberaubend und hat Momente, die bleiben werden: Eine Begegnung zwischen Deckard und K in einem Nachtclub, im Hintergrund ein unscharfes, singendes Elvis-Hologramm; der Moment als aus dem Hologramm Joi, der digitalen Freundin von K und einer menschlichen Prostituierten eine Person wird und Villeneuve Bilder findet, an denen Spike Jonze in Her noch gescheitert ist.

Unfassbare Bilder – bigger than life

Und dann diese Landschaften: Las Vegas als radioaktive Wüste, gebeutelt und geprägt von roten Sandstürmen, San Diego als Müllkippe, das düstere, heruntergekommene und verregnete L.A., ein Moloch mit digitalen Werbetafeln und Überbevölkerung. Es sind Bilder, bigger than life. Den Sci-Fi-Film mit dem größten Nachhall und Eindruck hat Villeneuve allerdings letztes Jahr schon gedreht – und der hieß Arrival.


Die Details

Filmplakat: Blade Runner 2049; Foto: © 2017 Sony Pictures Releasing GmbH

Filmplakat: Blade Runner 2049

© 2017 Sony Pictures Releasing GmbH

Blade Runner 2049 / Blade Runner 2049

Horror

ab 16 Jahren

163 Minuten

Kinostart