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Den Durchbruch hat Schauspieler Rami Malek mit der erfolgreichen Hacker-Serie Mr. Robot geschafft. Im Kinofilm Bohemian Rhapsody spielt er Musik-Legende und Queen-Frontmann Freddie Mercury. Aber wie nahe kommt er dem echten Sänger?

Man denkt: Das ist Freddie Mercury!

Ziemlich nahe: vom Ausdruck, von seinen Bewegungen, seinen Gesten, seinem ganzen Auftreten und auch tatsächlich rein optisch. Wenn Rami Malek auf der Bühne die Faust ballt, mit dem Mikroständer hantiert, wenn er sich aufplustert, wenn er schmollt oder seine Zunge rollt, dann hat man tatsächlich das Gefühl, ja, das ist Freddie Mercury.

Rami Malek hat sehr hart dafür trainiert. Er hat sich unzählige Konzerte und Interviews mit Freddie Mercury angeschaut, hat Biographien gelesen und natürlich auch mit den beiden Queen-Bandmitgliedern Brian May (Gitarre) und Roger Taylor (Schlagzeug) intensiv gesprochen.

Er hat es geschafft, diesen Kontrast zwischen dem extrovertierten Frontmann und dem schüchternen und unsicheren Privatmenschen Freddie Mercury mit erstaunlicher Präzision zu verkörpern.

Bohemian Rhapsody; Foto: © 2018 Twentieth Century Fox
© 2018 Twentieth Century Fox

Mehr Film oder mehr Musik? 

Es hält sich die Waage. Bohemian Rhapsody ist eigentlich ein Film über die Band Queen und deren Geschichte. Aber wenn man ganz ehrlich ist, ist es aber noch viel mehr ein Film über Freddie Mercury. Die natürlich schillerndste Figur des Quartetts. Mit seiner inneren Zerrissenheit, seinen Launen und seiner schwankenden sexuellen Orientierung. Er hat definitiv die interessanteste und exotischste Biographie aller Bandmitglieder.

Freddie Mercury überstrahlt seine Bandkollegen

Die anderen Drei sind gut getroffen, kommen aber als Charaktere ziemlich eindimensional rüber. Am schönsten sind tatsächlich die Szenen, in denen es um Musik geht: Queens erste Live-Auftritte Anfang der 70er-Jahre mit einem damals schon sehr extravagant gekleideten Freddie, ihrer Hingabe und Detailversessenheit, als sie ihren ersten Nummer-1-Hit Bohemian Rhapsody im Studio aufnehmen oder wie sie zu Beginn Discomusik hassen, dann aber das Anfangsriff von Another One Bites The Dust feiern.

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Bohemian Rhapsody – Nur für Queen-Fans?

Der Film ist definitiv ein Fest für alle Fans der Band und eine Freude für alle Musikliebhaber. Bohemian Rhapsody bietet aber auch allen einen tollen Kinoabend, die mit der Musik von Queen überhaupt nichts anfangen können. Ganz einfach, weil der Film ein wunderbares Bild der 70er und 80er Jahre zeichnet. Und wer Live Aid damals nicht vor dem Fernseher miterlebt hat, für den zeigt der Film noch einmal in atemberaubenden 22 Minuten eines der besten Konzerte aller Zeiten: nämlich den Auftritt von Queen mit einem Freddie Mercury, der alles, aber buchstäblich alles aus sich herausholte als Sänger, Entertainer und Performer.

Natürlich merkt man als Queen-Fan auch die Schwächen des Films. Der sehr prominent von Wayne’s World-Star Mike Myers besetzte Plattenfirmenboss Ray Foster ist pure Fiktion. Freddies Freundin Mary Austin kommt mir persönlich ein bisschen zu gut weg und dass bei Live Aid erst die Spendentelefone klingeln, als Queen auf der Bühne stehen ist auch nicht belegt. Trotzdem: Bohemian Rhapsody ist ganz großes Musik-Kino. Und dass der Soundtrack schlichtweg phantastisch ist, brauchen wir, denke ich, gar nicht erst erwähnen, oder?

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"Bohemian Rhapsody" - Weltpremiere des Queen-Films