Autor
Anna Wollner
Anna Wollner, SWR3 Kino-Checkerin; Foto: RBB
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Mit Ich bin dann mal weg! hat Hape Kerkeling 2006 einen Bestseller geschrieben – und seine Erfahrungen auf dem Jakobsweg verarbeitet. Ein paar Jahre später kam der nächste große Wurf: seine Kindheitserinnerungen Der Junge muss an die frische Luft. Das Buch ist jetzt von Oscarpreisträgerin Caroline Link verfilmt worden. Eine wunderbare Tragikomödie!

Der Film ist genauso heiter wie traurig. Klar, er zieht ganz viel Situationskomik aus seinem Setting: Das Ruhrgebiet in den 1970ern, liebevoll und originalgetreu rekonstruiert. Von der Spitzentischdecke bis hin zum Eierlikör, lässt Caroline Link die 70er wieder auferstehen.

Szenenbilder aus dem Film

Szenenbilder aus: Der Junge muss an die frische Luft; Foto: Warner Bros.
Warner Bros.

Der Kinder-Komödiant

Die Familie von Hans Peter Kerkeling war irgendwo zwischen verschroben und herzensgut. Der Vater oft auf Montage, die Großeltern wie aus dem Bilderbuch, der ältere Bruder oft genervt, aber die Mutter – großartig gespielt von Luise Heyer – schwer depressiv. Weil Hape versucht hat, sie zum Lachen zu bringen, hat er schon früh ein Gespür für sein komödiantisches Talent entdeckt. Egal, ob als schwebende Jungfrau von Wuppertal oder Hausmeister beim Schultheater – eine Frühform von Horst Schlämmer – , Kerkeling hatte die Lacher immer auf seiner Seite. Obwohl sich seine Mutter früh das Leben genommen hat. Wie der Film genau das erzählt, ist absolut rührend.

Der junge Hape ist eine Wucht

Die große Entdeckung des Films ist der zehnjährige Julius Weckauf in seiner ersten Kinorolle. Eine absolute Wucht. Mit seiner feinen Beobachtungsgabe die Erwachsenen zu kopieren und nachzumachen, bringt er den jungen Hape Kerkeling auf die Leinwand – bis hin zum Dialekt ist er perfekt.

Was fürs Herz

Der Junge muss an die frische Luft ist Milieustudie und Familienporträt. Mit lustigen und mit traurigen Tönen – aber immer den Richtigen. Ein Film voller Herzenswärme, Menschlichkeit und Humor. Deswegen gibt es auch vier von fünf Elchen. Oder wie Hape Kerkeling sagen würde: Hurz!

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Anna Wollner
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SWR3