Nachts in Wien: Der Polizeichef wird ermordet. Wenig später sitzen wir Zuschauer gebannt vor der Glotze, denn dieser Fall wird von Minute zu Minute spannender. Nicht der einzige Grund, den Tatort zu schauen.

Es ist Nacht in Wien. Zur besten Einbruchszeit fallen in einer Nobel-Gegend zwei Schüsse: Ein Doppelmord in einer Villa, vielleicht ein Ehedrama. Was nach einem durchschnittlichen Fall aussieht, entwickelt sich in den folgenden 90 Minuten zu einem Thriller der Extraklasse, hastenichtgesehn.

Alkoholikerin und Brummbär

Übrigens auch wegen diesen beiden Cholerikern: Kommissare Moritz Eisner und Bibi Fellner zeigen wie selten zuvor, wie sehr sie sich lieben und hassen können. Die beiden sind eine perfekt gespielte Mischung, eine trockene Alkoholikerin und ein notorisch schlechtgelaunter Brummbär.

Während die beiden sich melancholisch und witzig durch den Tatort mobben, stoßen sie auf das finstere Geheimnis der Polizeischule. Das Opfer war dort der Chef. Die Täter scheinen aus den eigenen Reihen zu kommen. Und an der Polizeischule herrscht ein Drill wie bei den Navy Seals.

Sexualisierte Machtspielchen

Kommissarin Bibi Fellner wird zur Tarnung neue Chefin dieser Polizeischule und macht gleich mal Bekanntschaft mit einem sadistischen Ausbilder. Und der lässt keinen Zweifel an seinem eloquenten Frauenbild: „Früher hättest du hier allen einen Blasen müssen, um Chef zu werden, aber heute erledigt das die Frauenquote. Sie werden sich hier wohlfühlen, Frau Fellner, verlassen sie sich ganz auf mich.“

Jede Minute wird dieser Tatort spannender, ein Thriller, den man sich am Sonntag wünscht, ehrlich und hart, weil er hinter die Kulissen des eigenen Systems blicken lässt. Spannend aber auch, weil es viele gute, verständliche Wendungen gibt.

Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Susi Freund (Michou Friesz) beobachten den Gerichtsmediziner Florian Maurer (Sebastian Wendelin).; Foto: ORF / Hubert Mican

Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Susi Freund (Michou Friesz) beobachten den Gerichtsmediziner Florian Maurer (Sebastian Wendelin).

ORF / Hubert Mican

Danke: Kein Nuscheltatort

Wow, da sind also ein paar Machos unterwegs, in diesem Tatort, in dem immer exzellent und erstklassig gespielt wird – und der super zu verstehen ist. Warum bekommen das manche deutsche Tatorte einfach nicht hin, dass man alles versteht – und ausgerechnet bei den Dialektbehafteten Öschis klappts? Die Österreicher hatten offensichtlich einen guten Equalizer.

Lieber Wiener…

…ganz viel habt ihr da richtig gemacht. Tolle Story, spannend, immer was Neues in den eineinhalb Stunden. Super Schauspieler, überraschendes Ende und witzig ist er auch. Am Ende verfehlt er nur knapp die 5 Elche, die dem absoluten Tatort-Olymp vorbehalten sind. Aber nah dran seid ihr, nah dran.

SWR3 Elchcheck

Tatort; Foto: ARD
ARD

Wehrlos

Krimi

ab 12 Jahren

Sendetermin:

Mediathek: Tatort.de: „Wehrlos“

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