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Krieg und Naturkatastrophen: Das Nordamerika der Zukunft existiert nicht mehr, dafür ein totalitärer Staat. „Die Tribute von Panem“ zeigt dieses Szenario in einer erstaunlichen Düsterkeit, gut erzählt und toll besetzt, wie SWR3-Kinomän Jo Müller findet.

„Die Tribute von Panem“ schwimmt auf der gleichen Welle wie „Harry Potter“ und „Twilight“. Die Story gehört in den Bereich Fantastik, wendet sich bevorzugt an Teens und Twens und basiert auf einer Bestseller-Reihe der amerikanischen Autorin Suzanne Collins. Heißt: Der Film bietet den Hollywood-Produzenten auch die Möglichkeit, gleich mehrere Teile herzustellen und damit mehr Kohle zu scheffeln.

Die Tribute von Panem (Foto: Studiocanal)
Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) und ihr Jagdpartner Gale Hawthorne (Liam Hemsworth) Studiocanal Bild in Detailansicht öffnen
Gale bei der jährlichen „Ernte“ in Distrikt 12 Studiocanal Bild in Detailansicht öffnen
Katniss und ihr Jugendfreund Gale verbringen die letzten gemeinsamen Stunden vor den Hungerspielen. Studiocanal Bild in Detailansicht öffnen
Effie Trinket (Elizabeth Banks) wird Katniss während der Vorbereitungen zu den Hungerspielen betreuen. Studiocanal Bild in Detailansicht öffnen
Katniss auf der Jagd. Studiocanal Bild in Detailansicht öffnen
Katniss bei einem TV-Auftritt in der berühmten Show von Caesar Flickerman (Stanley Tucci) kurz vor den Spielen. Studiocanal Bild in Detailansicht öffnen
Gale und Primrose Everdeen (Willow Shields) müssen zurückbleiben, als Katniss in die Arena zieht. Studiocanal Bild in Detailansicht öffnen
Katniss` Stylist Cinna (Lenny Kravitz) zündet das Feuerkleid an. Studiocanal Bild in Detailansicht öffnen
Die Tribute aus den ersten Distrikte wollen unbedingt gewinnen: Clove (Isabelle Fuhrmann), Cato (Alexander Ludwig), Marvel (Jack Quaid) und Glimmer (Leven Rambin) (von links). Studiocanal Bild in Detailansicht öffnen

Die Geschichte spielt in der nahen Zukunft. Nordamerika existiert nicht mehr. Stichwort Krieg, Stichwort Naturkatastrophen. Dafür gibt es jetzt Panem, ein totalitärer Staat. Im Kapitol herrschen und leben die Reichen und Mächtigen. Und dann existieren noch zwölf Distrikte, in denen die arme Bevölkerung vor sich hin vegetiert, geknechtet und unterjocht wird. Um dem gemeinen Volk zu zeigen, wer die Macht hat, wird einmal im Jahr ein perfides Spiel zur Belustigung der Herrschenden veranstaltet. Bei den "Die Hunger Spiele", die vom Fernsehen übertragen werden, kämpfen Jugendliche auf Leben und Tod, wie moderne Gladiatoren. Aus jedem Distrikt werden jeweils ein Mädchen und ein Junge ausgewählt. Insgesamt 24 nehmen teil, nur einer oder eine überlebt.

Das erinnert stark an den TV-Klassiker „Das Millionenspiel“ und die Stephen King ( Richard Bachman)-Verfilmung „Running Man“. Da geht es auch um tödliche Spiele, die nur zur Unterhaltung der Fernsehzuschauer inszeniert werden. Der ultimative Kick: Der Tod live vor der Kamera. Das ist ja durchaus ein naheliegendes Gedankenspiel, wenn man sich anguckt, was einige Privatsender heutzutage schon zelebrieren. „Die Tribute von Panem“ zeigt das in einer erstaunlichen Düsterkeit, gut erzählt und toll besetzt. Die Hauptakteurin und Heldin wird gespielt von Jennifer Lawrence, die durch ihre fantastische Leistung in dem Kinodrama „Winter' s Bon“ und als Mystique aus „X-Men: Erste Entscheidung“ für Aufsehen sorgte. Lawrence spielt auch hier wirklich überzeugend. An ihrer Seite, in pointierten Nebenrollen zu sehen: Donald Sutherland, Stanley Tucci, Woody Harelson und Lenny Kravitz. Richtig, der Stargitarrist verkörpert einen Stylisten und Berater und das gar nicht mal so schlecht.

Verdammt düster

Erstaunlich finde ich, dass es sich bei „Die Tribute von Panem“ nicht um den üblichen Kitsch-und Klischee-Blockbuster handelt, sondern sowohl die Story, als auch die Atmosphäre verdammt düster sind. Regisseur Gary Ross fängt diese deprimierende Grund-Stimmung durch dokumentarische Wackelkamera und entsättigte Bilder ein.

Ungewöhnlich bizarr sind die schrillen Outfits der Reichen, Mächtigen und Fernsehmacher: das hat satirischen Biss. Was die dargestellte Brutalität angeht, hält sich der Film erstaunlich zurück. Allerdings: an manchen Stellen, zelebriert er genau die Art von Nervenkitzel, die er eigentlich kritisieren will und präsentiert die mörderischen Spiele als Spektakel. Zudem werden viele Charaktere nur schablonenhaft vorgestellt, was ein wenig die Wirkung nimmt.

Fazit

Alles in allem finde ich diese Verfilmung aber sehr gelungen. Im Gegensatz zu „Twilight“ können sich „Die Tribute von Panem“ auch Erwachsene angucken. Fazit: Düsteres Science Fiction-Kino mit viel Spannung, passabler Lovestory und Medienkritik.

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