Fettverbrennung beginnt erst nach 30 Minuten und nach einer Diät folgt immer eine Heißhungerattacke. Regel oder Mythos – Fitnesscoach Patric Heizmann klärt uns auf.

Es ist kalt, es ist dunkel draußen – und damit umso schwerer für viele, sich zu bewegen und zum Sport aufzuraffen. Und dann sind da wieder so viele leckere Süßigkeiten auf den Weihnachtsmärkten... wer denkt da noch an gesunde Ernährung?

Patric Heizmann und Basti; Foto: SWR3

Popup-Moderator Sebastian Müller (li) mit Studiogast Patric Heizmann.

SWR3

Wir haben uns in SWR3 Popup mit Sebastian Müller Tipps vom Experten geholt: Patric Heizmann ist Fitnesscoach und Ernährungsberater. Und er räumt vor allem erst einmal auf mit all den Mythen, die rund um Fitness und Ernährung kursieren und die oft totaler Quatsch sind...

Mythos 1: Die Fettverbrennung beginnt erst nach 30 Minuten

Blödsinn. Der Körper stellt sich keine Uhr und sagt: So, halbe Stunde Sport ist rum – jetzt fang ich mal an, Fett zu verbrennen. Beim Sport verbrennt der Körper gleich von Anfang an. Allerdings geht er zuerst an die Kohlenhydrat-Reserven, weil die für ihn schneller verfügbar sind. Und dann geht er an’s Fett. Nach welcher Zeit, das hängt davon ab, wie viele Kohlenhydrate verfügbar sind. Vor dem Sport also nicht unbedingt Nudeln essen.

Wichtig: Wer Muskeln aufbaut, schraubt seine Verbrennung insgesamt nach oben. Es geht also gar nicht nur um das Fett und die Kalorien, die direkt beim Sport verbrannt werden. Wer gut trainiert ist, der arbeitet quasi den ganzen Tag lang an seiner Fitness – auch beim Schlafen.

Mythos 2: Nach der Diät kommt automatisch der Heißhunger

Nicht unbedingt. Es ist alles eine Frage des Trainings. Wir können uns angewöhnen, Gesundes nicht als Strafe oder Belastung zu sehen. Tipp vom Experten: Einen sogenannten perfekten Tag in der Woche einführen. Einen Tag, an dem wir uns an gewisse Ernährungsregeln halten und unseren Schweinehund quasi domestizieren. Patric nennt das Schweinehundeschule. Wenn wir das Erfolgserlebnis einmal haben, dass wir das durchhalten, dann übertragen wir Fitness- und Ernährungsregeln oft schon automatisch auch auf andere Tage. Einfach, weil es Spaß macht, den Erfolg zu sehen. Wenn wir diesen Spaß fördern, dann erledigen sich ganz viele Probleme von selbst.

Mythos 3: Man darf sich nicht zu viel Druck machen

Niemand kann ewig diszipliniert sein, klar. Keiner erwartet von uns, dass wir für immer auf Ungesundes verzichten und dauernd regelmäßig Sport machen. Unser Fitnesscoach sagt dennoch: Es hilft nichts, sich entspannt zurück zu lehnen – Druck ist wichtig! Sein Tipp deshalb: Auch mal gezielt Druck aufbauen! Wenn wir uns klar machen: Jetzt hab ich es schleifen lassen, zwei Kilo zu viel drauf – wenn ich jetzt nichts mache, dann sind es schnell mal fünf oder zehn Kilo... dann haben wir schon einmal ein abschreckendes Bild vor Augen.

Und dann: Mit kleinen Schritten anfangen. Wer die Fitness vernachlässigt hat, kann langsam wieder rein kommen und versuchen sich dran zu erinnern, wie gut es sich angefühlt hat, als man noch Sport gemacht hat und zufrieden war.

Ein Mann trinkt aus einer Flasche; Foto: dpa

Viel Trinken! Das ist der einfachste und wichtigste Fitnesstipp von Patric. Da stecken auch ganz viele Mineralien drin, die der Körper braucht um gut zu funktionieren.

dpa

Mythos 4: Nahrungsergänzungsmittel braucht kein Mensch

Mit Nahrungsergänzungsmitteln sollte man ganz grundsätzlich mal vorsichtig sein. Ein Präparat macht aber aus Sicht unseres Fitnesscoaches Sinn: Magnesium. Wer mineralstoffarmes Wasser trinkt oder mit Alkohol Magnesium aus dem Körper geschwemmt hat, der darf gerne nachlegen. Vor dem Schlafengehen kann es sogar einen gesunden Schlaf fördern. Aber Achtung: Ergänzungsmittel ersetzen niemals einen gesunden Ernährungsplan und sollten nur in Maßen eingesetzt werden.

Mythos 5: Wer Stress hat, kann die Fitness gleich vergessen

Das ist keine Regel, das ist eine Ausrede. Tipp von Patric: Ausgleichstage schaffen. Nach einem stressigen Tag, an dem wir wirklich gar keine Zeit hatten, uns um uns selbst und unsere Gesundheit zu kümmern, sollten wir einen besonders bewusst gesunden Tag einschieben. Also gestern lange gearbeitet, schnell was vom Kiosk geholt? Dann morgen ganz bewusst Salat essen, viel Wasser trinken, mit dem Rad zur Arbeit fahren. Der Ärger über einen vermeintlich verlorenen Tag bringt uns schließlich nicht weiter.

Fitnesscoach in SWR3 Popup – das Gespräch zum Nachhören

Zwei Stunden lang war Patric Heizmann bei uns im Radio, hat mit Sebastian Müller einen Rundumschlag durch die Bereiche Ernährung, Bewegung und Gesundheit gemacht, Tipps gegeben und Hörer-Fragen beantwortet. Während und nach der Sendung haben uns ganz viele Anfragen von euch erreicht, ob wir die Sendung doch noch online stellen zum Nachhören. Euer Wunsch ist uns Befehl: Hier findet ihr nochmal alle Fragen, Antworten und Tipps! Viel Spaß!

Patric Heizmann; Foto: Patric Heizmann
3:05

Patric Heizmann

Ziele setzen, Eiweiß für's Immunsystem und richtig Nießen

Patric Heizmann; Foto: Patric Heizmann
3:24

Patric Heizmann

Rausschwitzen, Training bei Krankheit und der Darm als Zentrum

Patric Heizmann; Foto: Patric Heizmann
4:42

Patric Heizmann

Schweinehund als Freund, der perfekte Tag und Druck machen

Patric Heizmann; Foto: Patric Heizmann
3:29

Patric Heizmann

Frühstücken, Schlafen und auf den Körper hören

Patric Heizmann; Foto: Patric Heizmann
4:48

Patric Heizmann

Viel trinken, Magnesium und dunkelgrünes Blattgemüse

Patric Heizmann; Foto: Patric Heizmann
4:20

Patric Heizmann

Omega3, Fettverbrennung und Stricken gegen Knabbern

Patric Heizmann; Foto: Patric Heizmann
4:34

Patric Heizmann

Sport, Motivationstiefs und eine kleine Portion Pommes

Patric Heizmann; Foto: Patric Heizmann
4:25

Patric Heizmann

Kleine Schritte, Leinsamen und Zähneputzen als Essbremse

Mehr Tipps von Patric Heizmann gibt's bei seiner Bühnentour Essen erlaubt.

20.11.2017 München, Schlachthof

21.11.2017 Stuttgart, Renitenztheater

22.11.2017 Mannheim, Capitol