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Viele Geschlechts- und Intimkrankheiten werden zu spät untersucht und behandelt. Ein Grund: Schamgefühle. Heidelberger Wissenschaftler haben deshalb die Intimarzt-App entwickelt, bei der Patienten anonym bleiben. Wir zeigen, was sie wirklich bringt und wann ein realer Arztbesuch trotzdem sein muss.

Seit einer Woche gibt es die App, die ersten Patienten haben sich schon gemeldet, erzählt Hautarzt Titus Brinker im Gespräch mit SWR3. Er ist Assistenzarzt an der Universitäts-Hautklinik Heidelberg und Leiter der App-Entwicklung Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg und am Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ).

Der Hautarzt freut sich, dass die Intimarzt-App so gut angenommen wird. „Bisher haben sich fast nur Männer gemeldet“, stellt er fest. „Vielleicht liegt es daran, dass Frauen ein Vertrauensverhältnis zu ihrem Gynäkologen haben. Bei Männern sind die Berührungsängste zum Urologen stärker.“ Möglicherweise läge es auch daran, dass Männer risikofreudiger seien „ihren Penis durchs Internet zu schicken“ – Brinker lacht entspannt.

Insgesamt bemerkt er, dass viele Menschen ein Problem damit hätten, sich vor einem Arzt zu entblößen. „Da haben wir mit der App einen Nerv getroffen. Das Feedback ist großartig.“ Die Ärzte, die an der App die Patienten betreuen, hätten schon sehr viele verschiedene Erkrankungen geschickt bekommen. „Man glaubt nicht, was es alles gibt“, lacht Brinker und zählt die Geschlechtskrankheiten auf, als würde es sich um eine wertvolle Briefmarkensammlung handeln.

Die Kombination aus Bild und Geschichte sei dabei manchmal auch ein wenig belustigend, gibt er zu. Viele Patienten würden auch erzählen, auf welchen Parties sie unterwegs waren und wie es in etwa zu der Erkrankung gekommen sein könnte. Aber das gehöre eben dazu, wenn man eine bestmögliche Versorgung umsetzen möchte.

So funktioniert die Intimarzt-App

  • Bilder hochladen: Patientinnen und Patienten laden drei Fotos von betroffener Körperstelle in der App hoch. Idealerweise eine Übersichtsaufnahme und zwei Nahaufnahmen aus möglichst unterschiedlichen Perspektiven.
  • Beschreiben: Dann kann man die Beschwerden kurz beschreiben: per Klick in einem Auswahlmenü oder über Stichwörter.
  • Personenangaben: Abgefragt werden auch Angaben zur Patientin oder zum Patienten: männlich/weiblich, Alter, Wohnort und optional die E-Mail-Adresse.
  • Bezahlen: Der Nutzer kann die Bezahlungsmöglichkeit für die Beratung auswählen.
  • Abschicken: Dann ist es nur noch ein Klick und dann geht die Anfrage an die Mediziner raus.
  • Bestätigung: Im Anschluss erhält man eine Bestätigung für den Eingang der Anfrage mit einer eindeutigen Fallnummer.
  • Einschätzung: Innerhalb von 48 Stunden antwortet einer der Ärzte aus dem Intimarzt-Team, stellt möglicherweise eine Diagnose und kann rezeptfreie Medikamente empfehlen. Die Antwort kommt entweder per E-Mail oder auf das Handy via Push-Nachricht. Auch Rückfragen des Arztes sind möglich.

Das sind die Ärzte hinter der Intimarzt-App

Das kostet die Intimarzt-App

Der Download der App ist zunächst kostenlos. Jede Beratungsanfrage kostet eine einmalige Service-Gebühr von 24,95 €. Es ist also bislang noch eine teure Beratung.

Krankenkassen beraten laut App-Anbietern darüber, ob sie die Kosten künftig erstatten wollen. Da die App aber gerade erst gestartet ist, ist hier noch nicht absehbar, wie sich die Idee der Kostenübernahme entwickeln wird. „Krankenkassen haben andere Vorstellungen als Ärzte, was dafür bezahlt werden sollte“, erklärt Brinker. Man müsse sich wenn dann einigen, wie die App nachhaltig bezahlt werden könne – für Ärzte, Patienten und Krankenkassen gleichermaßen.

Das kann die Intimarzt-App

Du bleibst anonym

Anonymität ist der große Vorteil der Intimarzt-App. Insbesondere junge Frauen und Männer schämen sich oft für Geschlechtskrankheiten und scheuen sich, zum Arzt zu gehen.

Du bekommst eine schnelle Einschätzung

Die App soll auch vermeiden, dass Patientinnen oder Patienten erst einmal wild im Internet recherchieren. Sie sollen schnell eine seriöse, medizinische Einschätzung zu ihrer Erkrankung bekommen. Das geht wirklich schnell: Innerhalb von 48 Stunden gibt es laut Heidelberger Forschern eine Antwort.

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Routineuntersuchungen oder Vorsorgeuntersuchungen sind häufig damit verbunden, dass Körperflüssigkeiten im Labor über eine Probe untersucht werden. Dies ist bei der Intimarzt-App nicht möglich.

Ärzte können auf Krebsrisiko hinweisen

Da es für die Beratung via App nötig ist, Fotos von den betroffenen Stellen einzuschicken, reduziert sich die Beratung zunächst auf alles Sichtbare. Gebärmutterhalskrebs beispielsweise ist nicht an den äußeren Schamlippen sichtbar und somit schwer per Foto an die Intimärzte schickbar. „Was uns geschickt wird, muss sichtbar sein“, sagt Brinker. Bei von außen unsichtbaren Erkrankungen braucht es weiterhin einen realen Arzt.

Aber: Auch Hinweise auf ein erhöhtes Krebsrisiko können äußerlich sichtbar sein, beispielsweise durch sogenannte Feigwarzen. Hier könnten die App-Ärzte bei der frühen Erkennung eines Risikos durchaus helfen.

Ärzte empfehlen rezeptfreie Medikamente

Die App-Mediziner sind Fachärzte mit mindestens 10 Jahren Praxiserfahrung. Sie können rezeptfreie Medikamente und Salben empfehlen. Sie können aber nicht, wie ein Mediziner vor Ort, Rezepte ausstellen. Der Besuch im realen Arztzimmer kann also in vielen Fällen nicht komplett ersetzt werden. Darauf weisen die App-Entwickler ausdrücklich hin.

Intimarzt verpflichtet sich zu höchster Beratungsqualität auf der Grundlage der eingereichten Informationen, ist aber kein Ersatz für einen Arztbesuch.

App-Ärzte können dir einen guten Arzt empfehlen

Wenn nötig, bekommen Patientinnen oder Patienten eine Empfehlung, persönlich zu einem Arzt zu gehen. Hier können die Intimarzt-App-Mediziner nachgucken, welche Ärzte es in der Umgebung gibt oder Spezialisten empfehlen.

App-Entwickler achten auf den Datenschutz

Schweigepflicht gilt auch online: Rückfragen der App-Ärzte und die Antworten würden in einem nur für Arzt und Patient zugänglichen und geschützten Datenraum gespeichert, so versichern es die Entwickler. Brinker vergleicht seine App mit einem Online-Banking-Portal, die Patientendaten seien verschlüsselt. Es habe im Vorfeld Versuche von Journalisten gegeben, die App zu hacken. „Im Nachhinein bin ich dafür dankbar“, berichtet er. Denn die App habe gut abgeschnitten, Patientendaten seien auch für Hacker nicht sichtbar.

Fragen und Antworten: Hier gibt's die FAQ zur Intimarzt-App

Für wen ist die App geeignet?

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Wenn du unsicher bist. Die App ist super für Leute, die sich ein bisschen schämen, wegen ihrer Beschwerden einen Arzt aufzusuchen. Trotzdem: Jeder Arzt hat Schweigepflicht und es sollte gar kein Problem sein, mit Erkrankungen einen Termin zu machen. Außerdem: Für dich ist es vielleicht schockierend, wenn du beispielsweise Warzen im Intimbereich erkennst, für Ärzte sind Intim- und Geschlechtserkrankungen aber Alltag.

Wenn du keine Zeit hast. Ja, manchmal hat man einfach viel um die Ohren und der Arzt nur unpraktische Termine zu vergeben. Wer dann schnell eine Einschätzung haben möchte – auch dazu, ob es nötig ist, einen persönlichen Arzttermin auszumachen, kann an der App Gefallen finden.

Wenn du unterwegs bist. Wer auf Reisen Beschwerden hat, kann vielleicht einfach aus geographischen Gründen nicht zum Arzt des Vertrauens gehen. Dann kann die App eine schnelle Einschätzung liefern – hilft vielleicht schon eine rezeptfreie Salbe? Reicht es mit dem Arzttermin, bis man wieder zu Hause ist oder sollte es schneller gehen? Darauf gibt es sehr schnell eine Antwort.

Bewertungen der Intimarzt-App

Die App gibt es noch nicht lange, insofern ist die Anzahl der Bewertungen in den App-Stores noch gering. Die dadurch erhaltene Bewertung in den Stores ist sehr gut, aber sicherlich noch nicht verlässlich. Die eingetragenen Kommentare der User sind überwiegend positiv. Insbesondere die einfache Bedienbarkeit der App wird gelobt. User schätzen die schnelle Beratung und auch, dass man fachgerecht an einen Arzt verwiesen wird, wenn es nötig ist. Die erste Hürde, sich überhaupt eine Einschätzung zu holen, könne den Erfahrungen der Nutzer nach aber gesenkt werden und sei hilfreicher als ein Youtube-Video.

App-Entwickler Titus Brinker sagt im SWR3-Interview, die Mediziner würden sich die Bewertungen in der App ganz genau anschauen, um sie zu überarbeiten und zu verbessern.

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