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Ob LKW-Fahrer, Lebensmittelverkäuferin oder Lehrerin: In Corona-Zeiten arbeiten viele von uns bis zum Anschlag, damit unser System weiter läuft. Worüber sich Menschen aus solchen Berufen besonders freuen, was sie ärgert und was sich in Zukunft unbedingt ändern muss, haben uns drei Krisenhelden erzählt.

Sarah, Lehrerin aus Contwig, kritisiert die bisher schleppende Digitalisierung an Schulen

In der Corona-Krise auch für Lehrer: viel Arbeit am Bildschirm (Foto: Adobe Stock © undrey)
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Was sich in deinem Job geändert hat:

Sarah: Die Arbeitszeiten haben sich absolut verändert, weil wir wirklich überlegen müssen: Wie bringe ich das den Schülern denn jetzt bei? Was suche ich denen noch für ein Lern-Video raus? Und ich beantworte auch abends um acht Uhr noch E-Mails. Also man hat quasi so ein ständiges Home-Office, twenty-four seven bisschen.

Was dich am meisten gewundert hat:

Wie das automatisch alles recht schnell funktioniert hat. Das auch so wenige Schüler oder Eltern Aufstand gemacht haben. Also, ich finde, es lief dafür, dass wir nicht vorbereitet waren, relativ problemlos, zumindest mal an unserer Schule.

Was dich am meisten geärgert hat:

Dass man diese Digitalisierung nicht früh genug angepackt hat, dass das so schleppend geht, so langsam geht. Und das ärgert mich, dass man da noch nicht weit genug ist.

Dein schönster Moment:

Dass mir eine Mutter geschrieben hat, dass ihr Sohn, der normalerweise doch eher ein bisschen schwieriger im Unterricht ist, sich schlecht konzentrieren kann, dass der jetzt unheimlich motiviert an seinen Wochenplänen sitzt und das sehr gewissenhaft macht. Und dass ihm das auch Freude bereitet, das ist so ein schönes Zusammenspiel.

Was wir aus der Krise lernen:

Ich finde, dass eine Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Eltern unheimlich wichtig ist. Das funktioniert im Schulalltag nicht immer so gut. Und im Moment, finde ich, klappt es besonders gut, weil wir wissen:

Die Lehrer können nicht ohne die Eltern und die Eltern aber auch nicht ohne uns.

Michael, LKW-Fahrer aus Bad Breisig, lobt die Supermärkte in Corona-Zeiten

LKW-Fahrer sind in Corona-Zeiten unter Druck (Foto: Adobe Stock © kamonrat)
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Was sich in deinem Job geändert hat:

Michael: Das war verblüffend, wie schnell das kam und auf einmal war es dann: fahren, fahren, fahren, Markt, Markt, Markt... Hallo, was geht denn hier ab?

Was dich am meisten gewundert hat:

Mittlerweile sind Supermärkte bereit, mitten in der Nacht die Tore aufzuschließen. Das ist eigentlich verwunderlich. Wenn man vorher Lieferer war, der irgendwas liefern wollte, sagten die: „Wir machen um sieben Uhr auf, da kannst du kommen.“ Es ist sehr human geworden. Die Supermärkte sind froh, dass sie überhaupt Ware bekommen.

Mein schönster Moment:

Du kriegst auf jeden Fall immer einen Kaffee, mittlerweile. „Hallo, schön, dass du da bist!“ Früher: „Habe keine Zeit, bleib mal 'ne Stunde da stehen. Wir machen das gleich.“ Jetzt ist es ganz anders. Du wirst schon besser behandelt.

Was sich ändern muss:

Dass einmal honoriert wird, wenn da einer die ganze Woche auf dem Bock sitzt! Und das ist echt hart. Wenn einer von Spanien Tomaten nach Deutschland fährt, der muss ja irgendwo vernünftig schlafen, vernünftig essen können, vernünftig duschen können, wenn er das will. Und:

Toilettenbenutzung muss umsonst sein, Dusche muss umsonst sein. Das muss sich ändern.

Andrea, Lebensmittelverkäuferin aus Freiburg, hofft auf mehr Respekt gegenüber ihren Job

Was sich in deinem Job geändert hat:

Andrea: Was ich merke ist, dass es vielen schwerfällt, diesen Abstand einzuhalten. Und ich hatte tatsächlich auch eine Begegnung mit einem Kunden, der mir sehr nahe gekommen ist, weil er mich etwas fragen wollte, und ich ihn dann einfach sehr direkt darauf hingewiesen habe, bitte Abstand zu halten. Dann hat er gefragt: „Warum?“ Und ich habe geantwortet: „Weil wir alle nur eine Gesundheit haben.“

Wie lange müssen wir noch aushalten? Mailab: „Corona geht gerade erst los“

Wann hat die Corona-Krise ein Ende? Vielen hoffen, dass nach Ostern alles wieder normal wird. Mailab hat die wissenschaftlichen Fakten gecheckt. Die Antworten sind einleuchtend, aber auch absolut ernüchternd.  mehr...

Was dich am meisten gewundert hat:

Meine eigene Ruhe und Gelassenheit, weil mir natürlich schon klar ist, dass ich oder auch wir alle, die in dem Job arbeiten, jeden Tag einigem ausgesetzt sind und uns auch in Gefahr begeben.

Dein schönster Moment:

Dass eine Kundin an mir vorbei läuft, mich sehr freundlich grüßt und sagt: „Ich finde es ganz toll, dass Sie weiterhin für uns da sind und dass Sie so gut durchhalten!“ Und das finde ich sehr sehr aufbauend. Das ist auch eine Bestätigung. Ich hatte zwei Kundinnen, die mich tatsächlich auf Klopapier angesprochen haben und die eine Frau hat gesagt, das fand ich echt süß: „Okay, dann ist halt kein Klopapier da, ich habe mir schon Küchenrolle zurechtgeschnitten.“ Sage ich: „Das ist eine gute Idee, man wird erfinderisch. Aber tun Sie mir einen Gefallen, schmeißen die das nicht in die Toilette, bitte!“

Was wir aus der Krise lernen:

Ich wünsche mir, dass unser Job einfach viel mehr wertgeschätzt wird!

Mir muss keiner einen roten Teppich ausrollen und Puderzucker drauf, das brauche ich nicht. Aber dass man uns gegenüber mal etwas respektvoller begegnet, weil oft ist es einfach so, dass der Job einer Verkäuferin, einer Kassiererin einfach nur milde belächelt wird.

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