SWR3-Reporter Josh Kochhann hat schon Erfahrungen mit dem E-Bike (beziehungsweise Pedelec) gesammelt und beweist, dass E-Bike-Fahren entgegen mancher Zweifler trotzdem Sport ist. Außerdem erfahrt ihr, worauf ihr bei der Wahl eines E-Bikes unbedingt achten solltet, welche Fahrradschlösser wirklich sicher sind und was Stiftung Warentest zu den neuen SUV E-Bikes sagt.

Du biegst um die nächste Kurve: verdammt – noch ein Berg! Dabei hast du schon etliche Kilometer in den Waden. Jetzt den Elektromotor einschalten können und mit dem zusätzlichen Motivationsschub noch die restlichen Kilometer bis zum Ziel meistern – das haben sich sicherlich schon einige gewünscht! Gleichzeitig war da aber auch dieser Zwiespalt im Kopf: Pedelecs sind doch nur was für ältere Leute, eigentlich packe ich die Berge auch ohne Motor – und außerdem sind die Räder ja auch verdammt teuer!

Dennoch haben E-Bikes einige Vorteile, die schon lange nicht mehr nur ältere Leute überzeugen. Welche das sind, verrät euch Josh. Außerdem erfährst du alles Wissenswerte rund um das E-Bike hier:

Längere Touren und mehr Höhenmeter mit dem E-Bike

Seit einem Jahr fahre ich jetzt ein sogenanntes E-Bike und ich will es nicht mehr missen. In der Ebene schalte ich die Unterstützung aus, Berge fahre ich meistens mit der kleinsten Unterstützungsstufe. Und erst, wenn auf der Schlussetappe noch ein steiler Berg mit mehr als zehn Prozent ansteht, schalte ich vielleicht zwei weitere Unterstützungsstufen höher. Meine Touren sind länger geworden und ich mache viel mehr Höhenmeter als vorher.

Pedelec-Fahrer fahren häufiger, Frauen profitieren stärker

Dass es vielen anderen Radfahrern ähnlich geht, bestätigen Studien aus Hannover und aus Norwegen: Menschen mit Pedelecs fahren häufiger und weiter – tun somit etwas für die eigene Gesundheit und auch für die Umwelt. Außerdem haben die norwegischen Forscher herausgefunden, dass insbesondere Frauen sich mit Pedelecs einfacher tun – sie vermuten, dass es an der geringeren Muskelkraft liegt und sie deshalb von den Unterstützungsmotoren stärker profitieren.

Mann und Frau fahren HoheAcht-E-Bikes (Foto: Pressefotos HoheAcht/Technibike)
Pressefotos HoheAcht/Technibike

Der Radsport an sich ist eine Ausdauersportart. Sobald ich mich aber auf’s (normale) Mountainbike setze, fahre ich gar nicht mehr viel im Ausdauerbereich, dem Fettstoffwechselbereich, der wichtig ist, in dem man eigentlich trainieren muss.
Da hilft einem das E-Bike, das eigene Handicap quasi dementsprechend nach unten oder oben zu schrauben, dass ich mir immer so viel Unterstützung vom E-Bike hole, dass ich genau den Trainingseffekt erziele, den ich haben will.

Bewegung statt im Stau zu stehen

Darüber hinaus wurde in den Studien festgestellt, dass der Umweltgedanke für viele der Radfahrer mittlerweile extrem wichtig ist. Denn ein Pedelec lässt sich auch prima als Zweitwagen-Alternative nutzen, natürlich muss man es sich überhaupt leisten können. Etliche Firmen bieten ihren Mitarbeitern spezielle Leasingangebote an. So radeln mittlerweile viele Arbeitnehmer ohne Kraftanstrengung und Stau morgens ins Büro – mit Frischluftgarantie.

Unsere Erfahrung ist, dass der Einstieg, überhaupt wieder aktiv zu werden, durch das E-Bike erleichtert wird. Und wir haben auch festgestellt, dass Personen mit dem E-Bike andere Wege wählen. Und der Bewegungsumfang, der Radius wird eigentlich nahezu verdoppelt.

E-Bike / Pedelec: Welche Ausstattung brauche ich?

Grundsätzlich stellt sich für alle Interessierten zuerst einmal die Frage: Welches Rad brauche ich eigentlich? Wer hin und wieder mal über einen Feldweg fahren will, braucht nicht gleich ein Mountain-Fully – also ein Rad mit Federung vorne und hinten, das eigentlich für Fahrten abseits von Wegen konzipiert wurde. Den meisten Nutzern reicht vermutlich ein Trekking-Bike.

Unterschied E-City-, E-Trekking- und E-Mountain-Bike

Mann und Frau fahren HoheAcht-E-Bikes (Foto: Pressefotos HoheAcht/Technibike)
Trekking-E-Bikes Pressefotos HoheAcht/Technibike

Auf einem Citybike hat man eine eher aufrechte Sitzposition, gut zum Einkaufen, Sachen transportieren oder auch mal für eine Tour. Dagegen sitzt man auf einem Trekking-Bike mehr nach vorne gebeugt. Das ist wesentlich sportlicher und auch für weitere Strecken und Radreisen geeignet. E-City- und Trekking-Bikes sind Räder, die eher in der Stadt gefahren werden. Das heißt Zubehör wie Beleuchtung, Gepäckträger und Schutzbleche spielen eine größere Rolle. Ein E-Mountain-Bike ist vorrangig ein Sportgerät, mit dem man im Gelände oder auf Waldwegen unterwegs sein kann und bei dem Batterielicht oder Schutzblech eventuell auch nur bei Bedarf aufgesteckt werden.

Wie finde ich die richtige Rahmengröße für mich heraus?

Die passende Rahmengröße ist wichtig, damit es bei längeren Touren keine Rückenschmerzen gibt. Wenn eine Probefahrt nicht möglich ist, kann man sich folgendermaßen helfen: Man misst die Innenbeinlänge, barfuß vom Fußboden das Bein innen hoch bis zum Anschlag im Schritt. Der Wert in Zentimetern wird für ein Trekking-Bike mit dem Faktor 0,66 multipliziert und man erhält – in etwa! – die optimale Rahmengröße in Zentimetern.

Wie erkenne ich ein gutes E-Bike?

Wichtig bei der Wahl des Bikes: eine hochwertige Verarbeitung. Antrieb und Akku sollten von einem Markenhersteller (mit CE-Zertifizierung) kommen, um Sicherheit und Ersatzteilversorgung zu gewährleisten. Empfehlenswert für die natürlich relativ schweren E-Bikes sind hydraulische Scheibenbremsen.

Auch die Kombination aus Motor-und Akku-Kapazität sollte auf die eigenen Bedürfnisse ausgerichtet sein. Wer beispielsweise in der Rheinebene wohnt und selten im Mittelgebirge unterwegs ist, braucht keinen so starken Akku. Wer dagegen viel in den Bergen fahren und dabei auch längere Touren absolvieren will, benötigt einen starken Motor und einen Akku mit möglichst großer Kapazität. Vor allem sollte das Fahren natürlich Spaß machen!

Der Preisbereich ist natürlich sehr breit. Ein gutes E-Bike beginnt ungefähr so ab 2.000 Euro. Bis zu 10.000 Euro kann man heute ausgeben. Gut beraten ist man in einem Preisbereich von 2.200 bis circa 3.500 Euro.

Was sagt Stiftung Warentest zu den neuen SUV E-Bikes?

Wie schon die ersten drei Buchstaben verraten, sollte ein SUV E-Bike vor allem durch Komfort und Geländetauglichkeit überzeugen. Diese Kriterien hat auch Stiftung Warentest bei ihrem Test bewertet: Neun unterschiedliche SUV E-Bikes wurden dabei getestet. Insbesondere die Räder und deren Fahreigenschaften flossen bei der Bewertung der Räder zentral mit ein.

Anders als beim Test von Kinderfahrrädern in diesem Jahr, schnitten fast alle Räder gut ab. Den letzten Platz belegt hierbei das Modell Entice 5.B Advance+ von Kalkhoff mit einer Gesamtnote von 2,7. Der Testsieger wurde das Modell Macina Aera 671 LFC von KTM mit einer Gesamtnote von 1,8. Beide Modelle liegen preislich bei über 4.000 Euro und befinden sich damit im Mittelfeld der SUV E-Bikes. Das günstigste SUV E-Bike liegt bei 3.300 Euro (CubeNuride Hybrid EXC 625 Allroad), das Teuerste bei 5.350 Euro (FlyerGoroc2 2.10).

SUV E-Bike-Modelle im Test

Diese Modelle wurden von Stiftung Warentest getestet:

  • Macina Aera 671 LFC von KTM
  • Simplon Kagu Bosch CX 275 TR 
  • Specialized Turbo Tero 4.0 Step Through EQ 
  • Stevens E-Universe 6.5 FEQ 
  • Centurion Country R960i 
  • Flyer Goroc2 2.10 
  • Cube Nuride Hybrid EEXC 625 Allroad 
  • CorratecMTC 12S
  • Entice 5.B Advance+ von Kalkhoff

Sowohl die Fahreigenschaften als auch Sicherheit und Haltbarkeit, sowie Schadstoffe und der Antrieb waren Kriterien des Tests. Besonders das Modell von KTM hat die Tester überzeugt: Stiftung Warentest haben das SUV E-Bike von KTM mit einer 1,5 bewertet hinsichtlich der Sicherheit und Haltbarkeit. Für die Fahreigenschaften vergaben sie eine 1,6 und eine 1,8 gab es für den Antrieb. Bei der Handhabung schwächelte das E-Bike etwas. Hier erhielt der Testsieger eine 2,3. Ebenso gab es weniger Punkte im Hinblick auf die Kategorie Schadstoffe. Hier erhielt der Testsieger die Note 2,6.

Wie sichere ich mein E-Bike am besten?

Der wichtigste Tipp ist, wenn man ein teures E-Bike hat, zwei Schlösser zu verwenden. Am besten zwei verschiedene Bauarten, weil Diebe oft auf eine Bauart spezialisiert sind. Beispielsweise könnte man ein Bügelschloss mit einem Kettenschloss kombinieren.

Im Test von Stiftung Warentest haben sich schwere Bügelschlösser als am sichersten erwiesen. Faltschlösser sind offenbar nicht so sicher, wie sie den Anschein erwecken. Von Panzerkabelschlössern wird abgeraten, denn obwohl sie massiv aussehen, lassen sie sich wohl leicht knacken. Auch Zahlenschlösser sind im Test häufig durchgefallen. Also lieber zu einem Schloss mit Schlüssel greifen. Obwohl es im Test auch ein sehr gutes Schloss für 36 Euro gab, empfehlen die Warentester für ein gutes Schloss tatsächlich um die 100 Euro auszugeben. Noch ein Tipp: Den Fahrradrahmen möglichst weit oben anschließen, damit der Dieb sich mit dem Bolzenschneider nicht auf dem Boden abstützen kann.

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