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Saskia Wöhler
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Vanessa Valkovic
Vanessa Valkovic (Foto: SWR3)

Leere Supermarktregale, steigende Preise durch die Inflation und der Wunsch nach Selbstversorgung: Gemüse auf dem eigenen Acker anbauen wird zum Trend. Lohnt sich das auch?

Warum gibt es den Wunsch vom eigenen Acker?

Der Wunsch zu Sparen begleitet im Moment viele, wenn sie im Supermarkt unterwegs sind. Steigende Preise, gleichzeitig Lieferengpässe und leere Regale. Als Alternative zur Abhängigkeit vom chaotischen Lebensmittelmarkt probieren sich immer mehr Menschen im selbst Anbauen: Wanda Ganders von Meine Ernte vermietet Ackerflächen an Hobby-Gärtnerinnen und -Gärtner und bekommt dadurch auch deren Sorgen und Wünsche mit:

Es ist manchmal die Angst vor Lebensmittelengpässen, es ist manchmal die Angst davor, dass die Inflation doch nochmal weiter steigen könnte. Und es ist hier auch ein Stück weit Ablenkung, dass man auch mal zur Ruhe kommt und vielleicht das Weltgeschehen mal für zwei Stunden vergessen kann.

Gemüse selbst anbauen - lohnt sich das?

Täglich frisches Gemüse und vielleicht sogar gezielt Bio oder regional einkaufen – das kann da im Moment ganz schön ins Geld gehen. Selbst Gemüse anbauen wird gerade wieder zum Trend – und zwar nicht nur ein paar Tomaten auf dem Balkon, sondern im ganz großen Stil: Auf einer eigenen Acker-Parzelle! Die gibt’s in immer mehr Städten in SWR3 Land zu mieten, fertig bepflanzt und ein ganzes Jahr nutzbar. Seit dieser Woche ist auf vielen Äckern Saisonstart, zum Beispiel in Wiesbaden – also quasi „Schlüsselübergabe“ auf dem Feld.

Sebastian und seine Freundin Sarah sind Vollprofis auf dem Feld. Beide sind Anfang dreißig, und arbeiten als Ingenieure, sitzen aktuell viel im Homeoffice. Das Ackern haben sie als Ausgleich angefangen – und weil sie für Nachhaltigkeit brennen. Weil es sich aber auch finanziell so lohnt, setzen sie dieses Jahr voll auf Selbstversorgung.

Letztes Jahr haben wir in den richtigen Ernte-Zeiten fast gar nicht mehr eingekauft. Wir haben vorwiegend Obst gekauft und vielleicht mal Tomaten, aber der Rest ist hier gewachsen. Wenn man vorher ich sag jetzt mal 200 Euro ausgegeben hat, waren es auf einmal nur noch 30.

Wir haben sogar beide jetzt Arbeitszeit reduziert, also wir haben jetzt einen großen Acker dieses Jahr.

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Fast 100 Quadratmeter Acker haben die beiden in diesem Jahr – die größte Parzellengröße auf der Anlage kostet im Jahr 440 Euro. Sarah und Sebastian wollen sich darauf komplett neu ausprobieren.

Seit Januar stehen bei uns in der Wohnung auch Pflanzen, die wachsen mit uns auf gerade. Und wir säen immer wieder nach, also wenn geerntet wurde, dann kann man immer wieder nachsäen und dann bekommt man auch unterschiedlichstes Gemüse.

Der Traum von der Selbstversorgung (Foto: SWR3, Saskia Wöhler)
Auch Sebastian und Sarah haben sich ihren Selbstversorger-Traum erfüllt. Saskia Wöhler Bild in Detailansicht öffnen
Sarah deckt ihre Pflanzen mit Folie ab... Saskia Wöhler Bild in Detailansicht öffnen
...Sebastian gießt die Schützlinge. Saskia Wöhler Bild in Detailansicht öffnen

Viel Vorwissen im Gemüseanbau bringt aber nicht jeder mit. Damit auch Anfänger zurechtkommen, sind die Acker mit 20 Gemüsesorten schon fertig bepflanzt. Dazu gibt es einen „Wunschbereich“, den man selbst gestalten kann. Gartenwerkzeuge und Pflanz-Beratung gibt es kostenlos vor Ort, Mitarbeiter von Meine Ernte und der Landwirt, dem der Acker gehört, bieten sogar „Sprechstunden“ für die Gärtnerinnen und Gärtner an.

230 Euro pro Jahr kostet eine normale Parzelle mit 45 Quadratmetern. Bei guter Pflege kann man dann das Doppelte oder sogar Dreifache an Gemüsewert zurückbekommen, sagt Organisatorin Wanda Ganders. Allerdings nur, wenn man seinen Gemüseverbrauch anpasst:

Wenn ich natürlich jetzt schon meine Tomaten möchte, dann sind die einfach noch nicht so weit, das dauert noch ein paar Wochen. Aber wenn ich eben auch Rücksicht darauf nehme, wann was zu welcher Jahreszeit auch erntereif ist und regional vorgesehen ist, dann kann ich mich mit Gemüse hier selbst versorgen.

Wie viel Gemüse kann vom eigenen Acker geerntet werden?

Auch Familie Funk war letztes Jahr schon dabei – mit überhaupt keinen Erwartungen. Die Erntemenge hat sie dann total überrascht:

Wir haben die Nachbarschaft mit Grünkohl terrorisiert, ernsthaft! Unfassbare Mengen. Man überschätzt, wie viel man rauszieht.

Aber man muss auch bereit sein, viel reinzustecken, sagt Vater Christopher.

Weil der zeitliche Aufwand immens ist und man kauft Equipment, das darf man nicht vergessen. Anreise, wenn das mit dem Auto erfolgt, braucht jedes Mal Benzin, das wird immer teurer.

Selbstversorgung mit dem eigenen Gemüseacker – geht das? (Foto: SWR3, Saskia Wöhler)
Der Traum von der Selbstversorgung – Familie Funk hat ihn sich erfüllt. Saskia Wöhler Bild in Detailansicht öffnen
Die ganze Familie hilft mit: Die Söhne Paul und Tim treten eine Trampelfad zurecht. Saskia Wöhler Bild in Detailansicht öffnen
Selbstversorgung wird immer mehr zum Trend – kann damit auch Geld gespart werden? Saskia Wöhler Bild in Detailansicht öffnen
Wanda Ganders vermietet Ackerflächen an Hobbygärtnerinnen und -gärtner Bild in Detailansicht öffnen

In diesem Jahr starten die Funks deshalb nur mit einem Mini-Acker. Das reicht auch, sagen sie. Der ist 20 Quadratmeter groß und kostet 140 Euro. Zum Selbstversorgen reicht das nicht, ist aber auch gar nicht der Anspruch, sagen die Funks. Den größten Gewinn sehen sie an ganz anderer Stelle:

Es hat uns schon ein anderes Verständnis gebracht, höhere Preise außerhalb zu akzeptieren, gerade, wenn es Biogemüse ist, weil es halt einfach viel Arbeit macht.

Hier könnt ihr einen Acker mieten

  • Ackerhelden: Düsseldorf, Mainz, Darmstadt, Freiburg, Stuttgart,
  • Meine Ernte: Bonn, Troisdorf, Köln, Düsseldorf, Solingen, Frankfurt, Wiesbaden, Stuttgart
  • Tegut: Bensheim, Griesheim, Darmstadt, Klein-Zimmern, Dreieich, Schöneck-Oberdorfenfelden, Bruchköbel-Oberissigheim
  • Mein Gemüseacker: Köln
  • Acker4u: Köln

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