STAND
AUTOR/IN
Tamara Trunk (Foto: privat)
REDAKTEUR/IN

Milch steht bei Vielen auf der Einkaufsliste, doch die Kuhmilch bekommt Konkurrenz durch pflanzliche Produkte. Sind die Alternativen wirklich nachhaltiger und was steckt drin?

Tierschutz, Kritik an der Milchindustrie, Ökobilanzen und Ernährungstrends lassen Kuhmilch in Verruf geraten. Aber auch Unverträglichkeiten und Allergien tragen dazu bei, dass die Nachfrage nach pflanzlichen Alternativprodukten steigt.

In den Supermärkten reihen sich Drinks aus Mandeln, Hafer, Soja und Reis aneinander. Welches Produkt ist tatsächlich nachhaltig, was steckt drin und sind die Alternativ-Produkte wirklich gesünder? Wir haben bei Stefanie Peyk aus der SWR-Umweltredaktion nachgefragt.

Nur Kuhmilch darf Milch heißen

Sie sehen aus wie Milch, dürfen aber nicht als Milch vermarktet werden: Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes von 2017 besagt, dass „rein pflanzliche Produkte […] grundsätzlich nicht unter Bezeichnungen wie 'Milch', 'Rahm', 'Butter', 'Käse' oder 'Joghurt' vermarktet werden" dürfen, weil diese „Produkten tierischen Ursprungs" vorbehalten sind. Eine Ausnahme stellt Kokosnussmilch dar. Und selbst bei anderen Tieren, also Ziegen oder Schafen, darf nicht einfach nur „Milch“ auf dem Produkt stehen. Hier müssen immer „Ziegenmilch“ oder „Schafmilch“ genannt werden.

Hafer, Soja, Mandeln, Reis: Pflanzendrinks schmecken unterschiedlich

Viele Drinks auf Pflanzenbasis schmecken etwas süßlich, manche auch nussig, so wie Mandelmilch. Hafermilch kann leicht vanillig sein, röstig oder bitter im Nachgeschmack. Sojamilch hat eine gewöhnungsbedürftige bohnige Note. Reismilch ähnelt der Kuhmilch am meisten, sie schmeckt neutral, ist genauso weiß aber etwas dünnflüssiger. Produkte von verschiedenen Herstellern schmecken oft auch unterschiedlich, hier sollte man sich durchprobieren.

Egal, ob Soja-, Hafer- oder Reismilch: Etliche Kuhmilch-Alternativen eignen sich gut zum Kochen und Backen. Zum Aufschäumen und Erhitzen eignen sich Sojadrinks gut: Der Protein- und Fettgehalt ist dem der Kuhmilch sehr ähnlich. Dann gibt es sogar veganen Cappuccino.

Würdet ihr eure Ernährung ändern, um das Klima zu retten? 🤔Gepostet von SWR3 am Samstag, 17. August 2019

Herstellung von Pflanzendrinks

Je nach Sorte werden Mandeln, Reis, Hafer oder Sojabohnen gemahlen, eingeweicht, gekocht, gefiltert und pasteurisiert. Die Flüssigkeit, die daraus entsteht, ähnelt der Kuhmilch in Konsistenz und Aussehen. Manchen Produkten werden noch Zucker, Zusatz- und Aromastoffe hinzugefügt. Hersteller von Pflanzendrinks versprechen nachhaltigen Genuss, der gut für die Umwelt ist.

Ist die Ökobilanz von Pflanzendrinks besser als die von Kuhmilch?

Pflanzendrinks belasten die Umwelt weniger als Kuhmilch, sagt die Stiftung Warentest. Der Test Milch oder Pflanzendrinks – Was hat die bessere Ökobilanz? von Mai 2020 kam zu dem Ergebnis, dass alle Pflanzendrinks bei den Treibhausgasemissionen deutlich besser abschneiden als Kuhmilch.

Enormer Wasserverbrauch für Reis- und Mandeldrinks

Ganz weiß ist die Ökoweste bei Pflanzendrinks aber auch nicht. Für den Anbau von Reis wird extrem viel Wasser verbraucht: 586 Liter pro Liter Drink.

Auch Mandelbäume sind mit 371 Litern pro Liter Drink durstig. Für deren Bestäubung benötigt man außerdem Bienen, die teilweise extra transportiert werden müssen.

Einen Pluspunkt gibt es speziell bei Haferdrinks: Unter anderem weil für ihren Anbau wenig Wasser benötigt wird und der Hafer häufig aus Europa stammt. Hafermilch kann auch leicht selbst hergestellt werden.

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Kuhmilch sinkt – und die Absatz­zahlen für vegane Pflanzendrinks steigen. Ob Soja-, Hafer-, Mandel- oder Reisdrinks - die Alternativen zu Kuhmilch sind mittlerweile vielfältig und versprechen nachhaltigen Genuss, der gut für Gesundheit und Umwelt ist. Stimmt das? Wir haben uns die Pflanzendrinks unter ökologischen Aspekten genauer angeschaut und die Folgen der Produktion auf Wasserverbrauch, CO2-Emissionen sowie Belastung der Gewässer (durch unerwünschte Nähr­stoff­anreicherung) mit Kuhmilch verglichen. Das Ergebnis seht ihr in unseren Diagrammen (nach links swipen): Alle Pflanzendrinks schneiden bei den Treibhausgasemissionen deutlich besser ab als Kuhmilch. Haferdrinks punkten im Vergleich besonders, unter anderem weil für ihren Anbau wenig Wasser benötigt wird und der Hafer häufig aus Europa stammt. Kuhmilch ist und bleibt der größte Klima-Sünder. Denn Kühe setzen Kohlen­dioxid und Methan frei. Außerdem ist viel Land für Futter-Herstellung nötig und Frisch­milch muss energie­intensiv gekühlt werden. Aber auch manche Pflanzendrinks haben ökologische Nachteile: Mandel- und Reisdrinks haben in der Herstellung einen hohen Wasserverbrauch und für Mandeldrinks müssen teilweise extra Bienen zu den Mandelbaumplantagen transportiert werden, um diese zu bestäuben, was die Produktion sehr ressourcenintensiv macht. Werden die Mandeln nicht in Europa angebaut, sind die Transportwege außerdem lang. Alle Infos, Grafiken und Quellen im Detail findet ihr auch über den Link in der Bio. Anmerkung: Die obigen Angaben sind europäische Durch­schnitts­werte; nur bei Mandeldrink sind es welt­weite Daten. Die Treibhausgasemissionen sind in Kilogramm CO2-Äquivalenten angegeben, die Belastung der Gewässer in Gramm Phosphat-Äquivalenten. CO2- und Phosphat-Äquivalente sind Maßeinheiten zur Vereinheitlichung der Klima­wirkung unterschiedlicher Treib­hausgase und für das Über­düngungs­potenzial. #pflanzendrink #milchalternative #hafermilch #mandelmilch #reismilch #sojamilch #vegan #gutfürsklima #umweltbewussternähren #stiftungwarentest #haferdrink #mandeldrink #milch #kuhmilch

Was steckt in den Pflanzendrinks?

Soja-, Hafer- und Mandeldrinks bieten günstigere Fette als Kuhmilch. Beim Eiweiß allerdings können die Ersatzdrinks meist nicht mit Kuhmilch mithalten. Eine Ausnahme ist Sojamilch: Sie enthält oft ähnlich viel Eiweiß wie Milch aus dem Euter. Nicht selten wird den Drinks Kalzium zugesetzt – dann sind sie in etwa so kalziumreich wie Kuhmilch.

Pflanzliche Drinks haben außerdem noch einen Bonus: Sie enthalten nämlich kein Milch-Eiweiß und keine Laktose und sind damit beliebt bei Allergikern und Menschen mit Laktoseintoleranz. Soja-, Mandel- und Reisdrinks sind außerdem von Natur aus glutenfrei. Aber Achtung: Dinkel- und Hafermilch enthalten Gluten.

Tierisch oder pflanzlich: Was kaufen?

Wer hauptsächlich nach einer tierfreundlichen Alternative sucht oder Bestandteile normaler Kuhmilch nicht verträgt, hat mit pflanzlichen Drinks viele verschiedene Möglichkeiten. Um auch die Umweltbelastung zu schonen, lohnt sich immer der Blick auf die Herkunft der Produkte, den Einsatz von Gentechnik, Monokulturen und den Wasserverbrauch. Laut des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung sinkt der Konsum von Kuhmilch in Deutschland. 2019 betrug der Pro-Kopf-Verbrauch 49,5 Kilogramm – das sind 3,6 Prozent weniger als 2018. Beim Kauf von Kuhmilch kann für eine bessere Ökobilanz ebenfalls auf die Bedingungen der Herstellung geachtet werden.

STAND
AUTOR/IN
Tamara Trunk (Foto: privat)
REDAKTEUR/IN

Meistgelesen

  1. Stuttgart

    SWR3 Tatort-Check: „Das ist unser Haus" Tatort aus Stuttgart: Wie konnte es soweit kommen?

    Außergewöhnlich: Selten zuvor hat der Stuttgarter Tatort den Zuschauern mit so viel schwarzem Humor den Spiegel vorgehalten, dass das Lachen im Hals stecken bleibt. Wie konnte es so weit kommen?  mehr...

  2. Die besten Messenger-Dienste „Whatsapp-Alternative Telegram auf keinen Fall verwenden.“

    Wer kein Whatsapp verwenden möchte, landet schnell bei Telegram. Nicht zuletzt der Wendler und die Corona-Kritiker nutzen den Messenger gerne – und haben praktisch keinen Datenschutz mehr.  mehr...

  3. Rheinland-Pfalz

    Worms hat 15km-Regel Jetzt berechnen: So weit sind 15 Kilometer von deinem Wohnort entfernt

    Als erste Stadt in Rheinland-Pfalz hat Worms den Bewegungsradius auf 15 Kilometer eingeschränkt. Hier kannst du berechnen, wie weit du dich von deinem Wohnort entfernen darfst – wenn auch bei dir diese Regel gelten sollte.  mehr...

  4. Breisgau-Hochschwarzwald

    Schneemassen in den Bergen Lawinenabgang am Feldberg – verschüttete Person wohlauf

    Am Feldberg im Hochschwarzwald ist eine Lawine abgegangen. Ein Mensch ist verschüttet worden. Der Skifahrer konnte sich aber selbst aus dem Schnee befreien.  mehr...

  5. News-Ticker zum Coronavirus Länder wollen härter gegen Quarantäne-Verweigerer vorgehen

    Wegen der stark gestiegenen Infektionszahlen gibt es zurzeit strengere Regeln und Beschränkungen in Deutschland. Alle aktuellen Entwicklungen gibt es hier im Ticker.  mehr...

  6. Konkurrenz verzeichnet Millionen Neuzugänge Nach Kritik: Whatsapp verschiebt Datenschutz-Update

    Kritik von allen Seiten und abwandernde Nutzerinnen und Nutzer: Whatsapp verschiebt sein für Anfang Februar geplantes Update der Datenschutzregeln.  mehr...