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Kira Urschinger
Kira Urschinger (Foto: SWR3)

Was sagt das über eine Person aus, wenn man neidisch ist? Und was kann man dagegen tun? Tipps gegen Neid und Missgunst findest du hier.

Neid und Eifersucht – das ist der Unterschied

Neid und Eifersucht werden gern miteinander verwechselt. Es gibt aber einen klaren Unterschied:

  • Eifersucht: Wenn ich Angst habe, etwas oder jemanden zu verlieren oder etwas teilen zu müssen, was ich als meinen Besitz ansehe. Beispiel: Ich bin eifersüchtig auf die Frau, von der mein Partner so schwärmt – aus Angst, ihn an sie zu verlieren oder seine Gunst zu teilen.
  • Neid: Wenn jemand etwas hat, was ich nicht habe – es aber gern selbst besitzen würde und dem anderen in der Folge vermutlich auch nicht gönne. Beispiel: Ich beneide den Nachbarn um den teuren Schlitten, den er fährt, den ich mir zwar nicht leisten kann, den ich aber auch gerne hätte.

Was sagt Neid über eine Person aus?

Neid entsteht dann, wenn ich mich mit jemand anderem vergleiche und das Gefühl habe, dass ich unterlegen bin. In der Folge kann das bedeuten, dass ich entweder jemand anderem seine Überlegenheit missgönne, die Erfolge eines anderen möglicherweise kleinrede und vielleicht sogar bereit bin, ihm oder ihr Steine in den Weg zu legen oder jemandem etwas wegzunehmen. Oder aber, dass ich mich angespornt fühle, das nun auch zu erreichen. Neid kann also sogar eine Art Motivator sein, ein Alarmsignal dafür, dass bei uns gerade etwas nicht stimmt und wir daran arbeiten sollten, dass es besser wird. Psychologen sehen daher nicht nur Negatives im Neid, auch wenn diese Eigenschaft sehr verrufen ist. Manche Experten unterscheiden sogar zwischen „gutem Neid“ und „bösem Neid“.

Gibt es „guten Neid“ und „bösen Neid“?

Ein Beispiel dafür ist ein Experiment beim Kölner Marathon: Eine Gruppe von Forschern aus den Niederlanden, Kanada und Deutschland hat Läufern beim Abholen ihrer Startnummer Fragebögen gegeben, die auswerten ließen, zu welcher Art von Neid sie tendieren. Bei der Beobachtung der Leistung von rund 500 Sportlerinnen und Sportlern, die mitgemacht hatten, sahen sie zwei verschiedene Typen: Die einen, die sich klare Ziele gesteckt hatte und durch Neid angespornt waren. Und die anderen, die sich selbst weniger Ziele stecken und den Neid stärker beim Blick auf die Überlegenheit anderer beließen. Die Gruppe der Angespornten mit „gutem Neid“ waren letztlich im Marathon schneller als die, deren „böser Neid“ sie dazu brachte, möglicherweise zu sehr auf andere, statt auf sich fixiert zu sein.

Als Faustregel gilt – ähnlich wie bei Eifersucht – dass man es mit dem Neid nicht übertreiben sollte. Denn der Neid wertet mich selbst ab, ist vorwiegend auf den anderen fokussiert. Konstruktiver ist es meist, sich selbst weniger stark zu vergleichen und den eigenen Wert auch nicht davon abhängig zu machen, was andere haben und was einem selbst vielleicht fehlt.

Auf wen oder was wart ihr schon mal neidisch?Posted by SWR3 on Sunday, February 27, 2022

Lieber habe ich selbst weniger, solange andere auch weniger haben?

Denn tatsächlich kann Neid dazu führen, dass man es wichtiger findet, jemand anderem etwas wegzunehmen als selbst etwas zu haben. Dazu gibt es ein berühmtes Experiment von Forschern der University of Warwick: Jeweils vier Spieler konnten auf das Ergebnis eines Zufallsgenerators bieten – gleichzeitig und mit unterschiedlichen Geldeinsätzen. Dabei wurden manche von ihnen aber bevorteilt: Sie bekamen mehr Geld zugewiesen, mit dem sie bieten konnten, was sich letztlich auch in höheren Gewinnen niederschlug. Diejenigen, die diesen Vorteil nicht hatten, konnten sich allerdings rächen. Sie hatten die Möglichkeit, auf einen Knopf zu drücken, um den Kontostand der Mitspieler heimlich abzusenken. Der Preis dafür: Sie mussten von ihrem eigenen Geld etwas abgeben.

Zwei Drittel der Versuchspersonen nutzten diese Möglichkeit. Und die Gebühr für den Knopfdruck war nicht ausschlaggebend: Selbst wenn sie dafür 25 Prozent der bei einem Mitspieler abgezogenen Summe zahlten, waren genauso viele Personen bereit, den Gewinn der anderen zu verringern. Die Forscher sahen hier eine sehr hohe Neigung zu Missgunst und Neid – was dafür spricht, dass vermutlich mehr Menschen gelegentlich von diesem Gefühl befallen werden, als man aufgrund der negativen gesellschaftlichen Bewertung vielleicht annehmen oder selbst zugeben mag.

Neid und Konkurrenz unter Geschwistern

Unter Geschwistern wird natürlich häufig verglichen, besonders hart trifft es vermutlich Zwillinge. Beim Funk-Format Auf Klo haben die zweieiigen Zwillinge Melina und Ria über ihre Erfahrungen in der Geschwisterbeziehung mit Neid, Missgunst und Eifersucht gesprochen.

4 Tipps: Was kann ich gegen Neid tun?

„Ich finde, Neid holt deine hässlichen Seiten raus, deine ekligen Charakterzüge“, findet Tara im SWR3-Podcast zum Thema. Was also tun, wenn man Neid an sich bemerkt und ihn in den Griff kriegen will? Der erste Schritt, den Experten empfehlen, ist das Anerkennen des Neids: Also nicht wegschieben und verteufeln, sondern annehmen und sich fragen, wo der Neid genau herkommt und weshalb dieses Gefühl in einem auftritt. Völlig wertfrei, einfach analysieren.

1. Sich mit dem Neid auseinandersetzen

Eine wichtige Methode, um den eigenen Neid dann zu kontrollieren ist also, sich selbst zu hinterfragen und zu reflektieren – weg vom Fokus auf andere, hin zu einem selbst. Wie oft in der Psychologie, kann es hier helfen, einen Stift und ein Blatt Papier zur Hand zu nehmen und sich aufzuschreiben, was man an sich selbst schätzt, welche Ziele man für sich selbst setzt und was man bereit ist, dafür zu tun. Ein Stichwort ist auch immer wieder Selbstliebe, denn auch beim Setzen von Zielen gilt: Es sollte erreichbar sein, es sollte zu mir passen und auch mit einem liebevollen Blick auf mich selbst und meine Fähigkeiten formuliert sein.

2. Medienkompetenz und Social-Media-Pausen

Darüber hinaus ist es durchaus plausibel, anzunehmen, dass die sozialen Medien das Gefühl für Neid heutzutage verstärken – schließlich posten die meisten Leute eher die schönen oder auch beschönigten Momente ihres Lebens: ihren perfekten Urlaub, ihren perfekt gefilterten Teint und die Traumbeziehung. Da wird man schnell neidisch, wenn man durch die Timeline scrollt und glaubt, dass es allen anderen viel besser geht als einem selbst. Gerade für junge Menschen ist daher auch Medienkompetenz eine wichtige Befähigung, um sich nicht zu stark mit anderen und deren scheinbar perfektem Insta-Feed zu vergleichen. Im Zweifel kann auch eine bewusste Pause von sozialen Netzwerken helfen, um sich klarzumachen, dass die digitale Welt nicht unbedingt der Realität entspricht.

3. Realistisch auf andere schauen

Generell hilft es, einen bewusst realistischen Blick auf diejenigen zu richten, auf die man neidisch ist. Laut Experten fokussieren wir uns nämlich oft auf die Stärken der Personen, auf die wir neidisch sind. Wir sehen nur, was die alles haben und ich selbst nicht. Dabei fällt uns gar nicht mehr auf, dass es auch dort Fehler und Schwächen gibt, dass wir in manchem vielleicht sogar denjenigen überlegen sind, auf die wir mit Missgunst schielen. Der Tipp daher: Bewusst realistisch auf andere schauen, vor allem, wenn wir spüren, dass wir neidisch werden. Ist da wirklich alles perfekt? Würde ich tatsächlich tauschen wollen? Nein? Na also.

Ich laufe oft an einem traumhaften Haus vorbei. Der Garten ist wunderbar. Vor dem Haus stehen zwei coole, sehr teure Elektroautos. Ein Ambiente, das zum Neid anregt. Heute habe ich gehört, in welchem Tonfall das Paar, das dort lebt, miteinander redet. Ich möchte nicht tauschen.

4. Vergleiche mit Perspektivwechsel

Es klingt nicht nett, kann aber beim Perspektivwechsel helfen: Statt sich mit Leuten zu vergleichen, bei denen scheinbar alles besser ist, kann man an diejenigen denken, bei denen das nicht so ist. Psychologen nennen das einen abwärts gerichteten Vergleich. Dabei kann einem auch auffallen, dass es gar nicht so wenige Menschen sind, die es schlechter erwischt haben – und weiter, dass man es doch in Relation dazu eigentlich gar nicht so mies erwischt hat. Für das Selbstwertgefühl kann dieser Blick hilfreich sein.

SWR3-Podcast: Der Gangster, der Junkie und die Hure

In unserem Podcast Der Gangster, der Junkie und die Hure erzählen uns die drei Hosts ihre Geschichten anhand der sieben Todsünden. Eine davon ist Neid. Hier sind die Folgen dazu – mit Maximilian, dem Ex-Gangster, Roman, dem Ex-Junkie und Tara, die ihre Jugend im Rotlichtmilieu als Edelhure verbracht hat.

Taras Neid – Missgunst macht hässlich

Tara ist mit 18 in die Prostitution gerutscht. Ihr Neid bestand auch im Konkurrenzkampf der Branche – ständiger Vergleich mit anderen Frauen und das Werben um die Kunden.

GJH Staffel 1 (Foto: SWR3)

Der Gangster, der Junkie und die Hure Missgunst macht hässlich – Taras Neid

Dauer

Tara findet Neid uncool. Deshalb hat sie sich vorgenommen anderen immer alles zu gönnen. Glück, Geld, Aussehen, was auch immer. Vor allem, weil sie in ihrer Zeit als Prostituierte selbst viel Neid von anderen gespürt hat. Heute weiß sie, genau das hat sie bei den anderen provoziert, wenn auch unbewusst. Sie wollte zeigen: Ich hab jede Menge Kohle und zwar ohne Studium oder Ausbildung. Sehr her – mein dickes Auto, meine neuen Designer-Klamotten, ich mache die teuersten Urlaube, bin in den angesagtesten Hotels. Dass sie dafür mit ihrem Körper und ihrer Gesundheit bezahlt, sieht niemand von außen.
Sie muss sich mit Alkohol und Drogen betäuben, um ihr selbst auferlegtes Arbeitspensum durchhalten zu können. Und dabei ist sie ungewollt doch ein bisschen neidisch – auf alle Kolleginnen, die den Job scheinbar nüchtern schaffen.
Roman und Max diskutieren mit ihr, ob Hass im Netz nicht oft nur Neid ist. Ihr Fazit: Neid empfinden ist o.k., aber aus Neid mies zu handeln, ist eine Sünde. Taras Tipp: Wenn ihr merkt, dass ihr neidisch seid, dann fragt euch warum? Ist es das wert? Würde es euch wirklich besser gehen, wenn ihr das hättet, worauf ihr neidisch seid?
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Romans Neid – zutiefst verletzte Kinderseele

Roman war 20 Jahre lang abhängig von Drogen – von Alkohol bis Koks war alles dabei. Sein Neid begründet sich in der Kindheit und den Verletzungen, die er in jungen Jahren erlitten hat.

GJH Staffel 1 (Foto: SWR3)

Der Gangster, der Junkie und die Hure Zutiefst verletzte Kinderseele – Romans Neid

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Neid ist echt nicht mein Ding, sagt Ex-Junkie Roman Grandke. Um den eigenen Neid zu entlarven, geht er tief in seine Kindheit: Er als Sechsjähriger, seine überforderte junge Mutter, kein Vater, kein Geld – und dann bringt seine Mum diesen Typen mit nach Hause. Roman muss die geringe Aufmerksamkeit, die er als Kind bekommt, nun auch noch teilen! Als typischem „Schlüsselkind“ überkommen ihn Neid und Eifersucht auf den „Rivalen“, genauso wie auf (vermeintlich) intakte Familien. Bis heute ist er in Beziehungen sehr eifersüchtig.
Um das zu verdrängen, hat Roman hat sich in 20 Jahren eine fette Schutzmauer aufgebaut. Max und Tara versuchen ihm zu helfen, liebevoll dahinter zu schauen. So wird diese Podcastfolge fast zur kleinen Therapiesitzung. War es einfach zu früh, die Liebe der Mutter zu verlieren? Kein Wunder, dass er seine Gefühle mit Drogen weggeballert hat? Warum ist eine Therapie so wichtig, gerade für Männer? Roman weiß heute, dass alle seine Jobs – vom Vertriebler bis zum Fotografen – mit Anerkennung für ihn und seine Arbeit zu tun hatten. Er ist stolz, dass er das begriffen hat. Und er ist sich sicher: Neid ist eine Todsünde. Das gilt für Erwachsene, für Kinder nicht!
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Maximilians Neid – der Außenseiter

Max war internationaler Drogen- und Waffenhändler, schwerstkriminell und zwei Jahre auf der Flucht, dann 10 Jahre in einem Hochsicherheitsgefängnis. Seit sechs Jahren ist er aus dem Knast raus, inzwischen Youtuber, Autor und hat zusammen mit seiner Frau einen Jugendhilfeverein für Kriminal-, Gewalt- und Drogenprävention gegründet. Er hat also echt viel erreicht, aber auf seinem Weg bis dahin war er meist Außenseiter – und von Neid zerfressen.

GJH Staffel 1 (Foto: SWR3)

Der Gangster, der Junkie und die Hure Der Außenseiter – Max’ Neid

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Beim Thema Neid sind sich Max, Tara und Roman erstmal schnell einig. Keiner mag neidische Menschen! Die Drei denken von sich, dass sie selbst nicht neidisch sind. Aber stimmt das wirklich?
Ex-Gangster Maximilian Pollux gräbt tief in seiner Vergangenheit, um sich dann tatsächlich selbst der Sünde zu überführen. Nur ging es ihm nie um dicke Autos oder Geld. Sondern um etwas ganz und gar Immaterielles.
Eigentlich ist Maximilian gern unter Menschen. Aber als junger Krimineller auf der Flucht lebte er in verschiedenen Städten, um nicht erwischt zu werden, zwangsläufig als Einzelgänger. Wenn er dann auf seinen Streifzügen junge Menschen in Cafés feiern und lachen sah, stach ihm der Neid ins Herz und schlug oft in Verachtung um. Er beneidete die Unbeschwertheit und hasste das Gefühl, nicht dazu gehören zu können.
Ex-Prostituierte Tara und Ex-Junkie Roman können nachvollziehen wie schnell eine ungenutzte Chance, ein verpasster Moment zu Verbitterung führt und werden gemeinsam philosophisch, als Max sagt: Neid ist die Motte des Glücks!

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