STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG

Wenn es um die Deutsche Einheit geht, stehen oft immer noch die Unterschiede im Vordergrund. Nach 30 Jahren Wiedervereinigung ist aber viel wichtiger: Was verbindet uns?

30 Jahre Deutsche Einheit – SWR3 war für euch in Potsdam!

SWR3 ist für euch am Tag der Deutschen Einheit in Potsdam!

SWR3 sendet am Tag der Deutschen Einheit live aus Potsdam (Foto: SWR3, Vanessa Valkovic)
SWR3 sendet am Tag der Deutschen Einheit live aus Potsdam Vanessa Valkovic Bild in Detailansicht öffnen
Seit Anfang September läuft die Freiluft-Ausstellung „Einheits-Expo“, hier präsentieren sich unter anderem alle deutschen Bundesländer in Glaskästen. Vanessa Valkovic Bild in Detailansicht öffnen
30 Jahre Einheit – in diesem Jah gibt es wegen der Corona-Pandemie kein großes Bürgerfest, sondern eine Freiluft-Ausstellung. Vanessa Valkovic Bild in Detailansicht öffnen
SWR3-Moderator Sebastian Müller moderiert die Radiosendung in Potsdam. Vanessa Valkovic Bild in Detailansicht öffnen
SWR3-Redakteur Nils Dampz hat vom Elchbus aus während der Sendung alles im Blick. Vanessa Valkovic Bild in Detailansicht öffnen

In Potsdam wurden 30 Jahre Deutsche Einheit gefeiert – wir haben euch in unserer Instagram-Story mitgenommen!

Clueso - FE2A9075.jpg-32973 (Foto: DASDING / Antje Barthold)

Highlights anhören Clueso zur Einheit: „Wir haben den Westen gerochen“

Dauer

Was sind eure Ost-West-Geschichten?

Am 3. Oktober 2020 feiert Deutschland zum 30. Mal den Tag der Deutschen Einheit. Das Denken in „Wir“ und „Ihr“ – in „West“ und „Ost“ – ist oft noch weit verbreitet. Vorurteile sind nur schwer aus dem Weg zu räumen. Menschen im Westen sind überhebliche Besserwessis, und die im Osten sind doch alle faul. Um zu zeigen, dass es nicht die Unterschiede sind, die uns ausmachen, sondern die Gemeinsamkeiten, haben wir euch gefragt: Was sind eure Ost-West Geschichten? Ob Liebesgeschichte, neue Heimat oder gute Freundschaften: Hörerinnen und Hörer aus SWR3Land haben uns ihre Geschichten erzählt.

Bröselnde Ossi-Vorurteile

Sandra und Thomas Liebscher, Stuttgart.
Portätfotos (Foto: SWR3)
Sandra und Thomas aus Stuttgart kennen sich seit 10 Jahren. „Man muss jedes Jahr im Oktober schon mal andächtig darüber nachdenken: Wenn die Mauer nicht gefallen wäre, gäbe es uns nicht als Paar.“

„Schöne blaue Augen aber – der spricht ja Sächsisch“, das ist ihr erster Gedanke, als sich beide erstmals treffen. Zufällig, bei einem WM-Public-Viewing 2010. Heute tragen beide den gleichen Nachnamen und haben zwei Jungs. Henri ist ein, Hannes drei Jahre alt. Thomas kommt aus dem Erzgebirge zur Ausbildung nach Stuttgart und lernt schnell, was ein Breschtlingsgsälz-Weck ist. „Doch nicht alles ist so klar“, erzählt Sandra. „Nach unserer ersten Joggingrunde war ich so sauer. Ich dachte, er wartet auf mich um die Ecke“. Er hat gewartet. Aber zu Hause. Ein sprachliches Missverständnis – das sie überwunden haben. Wie auch Sandras latent vorhandenes Vorurteil vom „faulen Standard-Ossi“. Das bröselt beim ersten Besuch im Erzgebirge. „Sie waren so dermaßen fleißig.“ Dass ihr die Schwiegermutter eine To-do-Liste für die Hausarbeit vorlegt – daran hat sie sich gewöhnt. Hinfahren, miteinander reden, das helfe, sagt Thomas.

Wenn die Mauer nicht gefallen wäre, dann gäbe es uns zwei nicht als Paar und uns vier nicht als Famile.

Sandra Liebscher
Portätfotos (Foto: SWR3)

Highlights anhören Bröselnde Ossi-Vorurteile

Dauer

Blinddate mit dem Osten

Dietrich Feist, Jena.
Portätfotos (Foto: SWR3)
Von „wo bin ich hier reingeraten?“ zu „hier bleibe ich“: Dietrich Feist zog von Heidelberg nach Jena und entdeckt die Gemeinsamkeiten zu seiner Heimatstadt.

Er sagt sofort zu. Ein eigenes Team in einem der führenden Institute weltweit? Das muss er machen. Zu diesem Zeitpunkt kennt Klimaforscher Dietrich Feist nur seinen Arbeitsplatz und den Bahnhof Jena West. „Der war damals nicht saniert, alles Sand und Kies, wo bin ich hier reingeraten“, sagt er damals. Es ist ein Blinddate mit der Stadt, mit dem Osten. Langsam erkennt er Parallelen zu seiner Heimat Heidelberg. Sogar dieselbe Postleitzahl hatten die beiden Städte vor der Wende. Auch für die Menschen wächst das Verständnis. Er spürt keine Vorbehalte gegen sich als Wessi.

Das sind Kollegen oder Nachbarn und irgendwann Freunde.

Dietrich Feist

Er spürt die Urangst der Menschen, noch mal alles zu verlieren. Und: Er spürt in der Stadt eine starke Front gegen Rechts. „Wenn das anders wäre, wäre ich auch nicht mehr hier.“ Nur fünf Jahre wollten er und seine Familie bleiben. Heute sind es 14. Es gibt noch keine Umzugspläne.

Portätfotos (Foto: SWR3)

Highlights anhören Blinddate mit dem Osten: Dietrich Feist aus Jena

Dauer

12 Menschen, 12 Trips: Die Ost-West-Reisegruppe

Iris und Uli Hochhausen, Frechen.
Ehepaar blättert in Fotoalbum (Foto: SWR3)
„Wir sind die Ost-West-Gruppe – und somit die deutsche Einheit“, sagt Iris.

„Das kann jetzt nicht zu Ende sein”, sagt Iris Hochhausen aus Frechen. Es beginnt auf einer USA-Rundreise. Auf einem Westernabend lernen sie und Mann Uli weitere Paare kennen. Insgesamt zwölf Leute. Sechs aus Ostdeutschland, sechs aus dem Westen. Howdy. Nach spätestens zwölf Bier sind alle Vorurteile überwunden. Zwölf Jahre ist das her. Seitdem trifft sich die Reisegruppe jedes Jahr. Schön abwechselnd in Ost und West.

Am Tag der Deutschen Einheit beglückwünschen wir uns immer.

Iris
Ehepaar blättert in Fotoalbum (Foto: SWR3)

Highlights anhören 12 Menschen, 12 Trips: Die Ost-West-Reisegruppe

Dauer

Schafft den 3. Oktober ab!“ – Die Vermittlerin

Katja Hirth, Stuttgart.
Katja Hirth in der Garage zwischen motorisierten Zweirädern. (Foto: SWR3)
Eigentlich wollte sie nach der Ausbildung wieder zurück nach Frankenberg – heute lebt Katja immer noch in Stuttgart.

„Nach der Ausbildung gehe ich zurück, es sind nur 3 Jahre.“ Katja Hirth ist sich sicher. Sie hat gerade eine Ausbildung in Pforzheim angefangen. Zur Automobilkauffrau. Ihr Chef bittet sie, sich ihren Dialekt abzutrainieren. Sonst würde sie in Baden-Württemberg keine Autos verkaufen. Das Heimweh, zurück nach Frankenberg in Sachsen, ist groß. Sie muss viel erklären. Ob es auch im Osten schneit, will ein Klassenkamerad ernsthaft wissen. Sie lernt Stuttgart kennen und lieben – die neue Heimat.

Der 3. Oktober sollte aus ihrer Sicht abgeschafft werden. „Dass man merkt, dass es einfach ein Deutschland ist und fertig.“

Katja Hirth
Katja Hirth in der Garage zwischen motorisierten Zweirädern. (Foto: SWR3)

Highlights anhören „Schafft den 3. Oktober ab!“: Katja Hirth aus Stuttgart

Dauer

Erst Flüchtling aus Weimar, dann Karriere in Karlsruhe

Hans Steiner, Karlsruhe.
Ost-West-Geschichten am Tag der Deutschen Einheit: Hans Steiner aus Karlsruhe (Foto: SWR, Nils Dampz)
Hans Steiner flüchtete aus der DDR – heute ist für ihn Karlsruhe seine Heimat. Nils Dampz

Im Sommer 1989 rumort es in Hans Steiner. Seine Schwiegereltern sind bereits aus der DDR geflüchtet. Und auch der Klima-Ingenieur entscheidet: Er will erst zur Deutschen Botschaft nach Prag und dann nach Westdeutschland. Da hat er Verwandte, die ihm beim Neustart helfen wollen. Er lässt quasi alles zurück. Frau, Familie, Freunde, Haus, Job und landet in Karlsruhe, "meine neue Heimat". 

Weil ich nicht wusste, ob man da überhaupt ankommt, ob man nicht eventuell vorher verhaftet wird – 'Psst, seid ruhig, die Stasi hört mit!' – habe ich wirklich nur Zelt, Schlafsack, Isomatte und ein paar Klamotten eingepackt.

Hans Steiner
Erst Flüchtling aus Weimer, dann Karriere in Karlsruhe: Hans Steiner (Foto: SWR, Nils Dampz)

Highlights anhören Erst Flüchtling aus Weimar, dann Karriere in Karlsruhe: Hans Steiner

Dauer

Ost-West-Schwestern dank eines Ballons

Stefanie Wally, Dossenheim.
30 Jahre Deutsche Einheit: Die Ost-West-Luftballon-Freundschaft (Foto: SWR, Nils Dampz)
Stefanie Wally aus Dossenheim ließ als kleines Mädchen einen Luftballon mit Karte steigen – er landete in Sachsen Nils Dampz

Und alles wegen eines Luftballons! Du kennst ja diese Luftballon-Wettbewerbe. Also Ballon kaufen, Karte dran und der, der am weitesten fliegt, kriegt einen Preis. Stefanie Wally aus Dossenheim hat den krassesten Preis überhaupt bekommen: Sie hat dadurch ihre bis heute beste Freundin Anke kennengelernt. „Wir sind Schwestern“, sagen die beiden. Das Besondere: Steffi lässt als kleines Mädchen den Ballon in Dossenheim fliegen – und der landet über 500 Kilometer weiter bei Anke in Sachsen! Damals steht die Mauer noch. Wie es weiterging, hat Steffi SWR3-Reporter Nils Dampz erzählt. 
 

Die Stasi las mit und bedrängte Anke, den Kontakt abzubrechen – sonst sei ihr Studienplatz in Gefahr. Die Freundinnen schrieben sich trotzdem weiter.

Was ich unglaublich finde, dass ein Mensch für mich seine Zukunft aufgibt und denen ganz klar sagt: 'Das mache ich nicht.'

Stefanie Wally
30 Jahre Deutsche Einheit: Die Ost-West-Luftballon-Freundschaft (Foto: SWR, Nils Dampz)

Highlights anhören Stefanie Wally: „Ost/West-Schwestern“ dank eines Ballons

Dauer

30 Jahre Deutsche Einheit: Die größten Hits und ihre Geschichte

Die Band Scorpions: Für ihren Abschied vom Posten als Verteidigungsministerin wünscht sich von der Leyen deren Lied „Wind of Change“ (Foto: picture alliance/Daniel Maurer/dpa)

Die größten Hits und ihre Geschichte Wind of change – Scorpions

Dauer
Westernhagen, Freiheit (Foto: WEA-Warner)

Die größten Hits und ihre Geschichte Freiheit – Westernhagen

Dauer
STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG