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Die Restaurants sind wegen Corona zum zweiten Mal geschlossen, also heißt es wieder bestellen oder zu Hause kochen. Aber welches Gericht? Viele Kochboxen liefern Ideen, Zutaten und Rezepte. Für wen das eine gute Idee ist und welche Box was liefert – Dominik Bartoschek aus der SWR-Redaktion Umwelt und Ernährung hat den Test gemacht.

Logo SWR3 (Foto: SWR, SWR)

Highlights anhören Dominik Bartoschek testet Kochboxen

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1. Was können Kochboxen?

Die Vorteile

Kochen, ja gerne! Rezept suchen und Einkaufstüten schleppen, nein danke! – Wenn ihr so denkt, dann könnte eine Kochbox das Richtige für euch sein. Die Anbieter übernehmen nämlich die lästige Vorarbeit: Sie liefern ein Rezept sowie die passenden Zutaten per Paket nach Hause. Ihr müsst nur noch kochen.

Weiterer Vorteil: Weil die Zutaten für jedes Rezept grammgenau geliefert werden, bleiben nach dem Kochen keine Reste übrig. Die Anbieter sehen ihre Kochboxen daher auch als ein Beitrag gegen Lebensmittelverschwendung.

Die Nachteile

Allerdings setzen die Kochbox-Anbieter voraus, dass ihr einige Grundnahrungsmittel zu Hause vorrätig habt. Mehl, Salz, Öl oder Essig zum Beispiel werden nicht mitgeliefert, wenn sie als Zutat für ein Rezept gebraucht werden. Und allzu spartanisch ausgerüstet sollte eure Küche auch nicht sein, denn einige Rezepte sind durchaus aufwendig und erfordern großes Besteck: Töpfe, Pfannen, Schüsseln, Herd, Backofen, Pürierstab und so weiter.

2. Welche Kochbox ist die Richtige für mich?

Einfache Frage, schwierige Antwort, weil der Markt noch jung und ziemlich in Bewegung ist.

Kochboxen im Netz

Es gibt die beiden Platzhirsche Hello Fresh und Marley Spoon. Daneben kommen und gehen immer wieder ein paar andere Anbieter. Derzeit bieten noch tischline und dinnerly Kochboxen an. Konkrua ist auf thailändische Kochboxen spezialisiert, hat aber nur eine sehr kleine Auswahl. Der Anbieter viani liefert Kochboxen ausschließlich mit italienischen Produkten an. Viele andere Anbieter sind schon wieder verschwunden.

Kochboxen im Discounter

Im Ausland, zum Beispiel den Niederlanden oder den USA, gibt es Kochboxen nicht nur online zu kaufen, sondern auch im Supermarkt zum Mitnehmen. So was haben auch bei uns Lidl und Kaufland mal versucht. Gelohnt hat sich das offenbar nicht, die Produkte wurden wieder aus dem Sortiment genommen.
Andere Supermärkte planen das derzeit auch nicht. Einzige Ausnahme: Aldi. Im Frühjahr hatte der Discounter für ein paar Wochen Kochboxen im Sortiment und auch jetzt wieder im Oktober. Allerdings nur zwei zur Auswahl und nur für einen begrenzten Zeitraum.

Welches Essen soll es sein? Wie viele Personen essen mit?

Es gibt Boxen für Fleischliebhaber genauso wie für Vegetarier. Für Anfänger unkomplizierter genauso wie ausgefallener Gerichte. Für Fans von Pasta genauso wie für Liebhaber von asiatischem Essen oder gutbürgerlicher Küche. Bei Hello Fresh oder Marley Spoon gibt es jede Woche die Auswahl aus mehr als 20 Gerichten. Bei dinnerly sind es deutlich weniger. Und Aldi hatte jetzt im Oktober, wie gesagt, gerade mal zwei Boxen im Angebot, beides Fleischgerichte, Vegetarier dürfte damit schon mal nicht glücklich werden.

So muss wirklich jeder für sich selbst herausfinden, welcher Anbieter mit welchem Angebot am besten zu ihm passt und es vielleicht auch einfach mal ausprobieren. Das geht nämlich relativ einfach: Zwar sind die meisten Angebote Abo-Modelle, aber Lieferungen lassen sich unproblematisch aussetzen und die Abos sind auch jederzeit kündbar.

3. Wie viel kosten die Kochboxen?

Auch hier ist die Antwort wieder kompliziert. Denn die unterschiedlichen Angebote machen Preisvergleiche nahezu unmöglich. Der Preis pro Mahlzeit hängt nämlich nicht nur vom Rezept und den Zutaten ab, sondern auch von der Anzahl der Gerichte pro Woche, die bestellt werden. Versandkosten kommen bei einigen Anbietern noch dazu, und die können auch noch schwanken, je nachdem, für welchen Liefertag du dich entscheidest.

Die Preisspanne ist also ziemlich groß. Nur eines lässt sich ganz grundsätzlich sagen: Je mehr Gerichte pro Box enthalten sind, desto niedriger fällt der Preis pro Portion aus.

Zwei Beispiele:

1. Für meine Hello Fresh Box habe ich inclusive Versand 39,24 Euro gezahlt. Bei drei Gerichten für je zwei Personen ergibt das einen Preis von 6,54 Euro pro Portion. Würde ich die Box mit fünf Gerichten für jeweils vier Personen bestellen, würde ich 86,27 Euro zahlen, pro Portion also nur 4,31 Euro.

2. Mit deutlich günstigeren Preisen versucht seit diesem Sommer dinnerly zu überzeugen, das ist eine Tochterfirma von Marley Spoon. Die Gerichte, die Aufmachung, die Verpackung, die Zutaten – alles ist bewusst einfach gehalten. Für meine Box mit drei Gerichten für je zwei Personen habe ich 26,34 Euro bezahlt, pro Portion also nur 4,39 Euro. Das sind mehr als zwei Euro weniger als bei Marktführer Hello Fresh. Und wer die Box für vier Personen mit fünf Mahlzeiten bestellt, zahlt sogar nur 2,99 Euro pro Portion.

Nicht immer sind alle Zutaten dabei

Und dann gibt es auch noch die Boxen, bei denen man noch Lebensmittel zukaufen muss. Zum Beispiel bei der Aldi-Box. Die ist zwar mit 3,99 Euro pro Box, also knapp 2 Euro pro Portion, konkurrenzlos günstig. Aber es ist natürlich nicht der endgültige Preis, denn das Geld für das Fleisch, das man dazukaufen muss, kommt ja noch obendrauf.

4. Sind die Kochboxen ihr Geld wert?

Auch diese Frage ist wieder nicht so einfach zu beantworten….

Wenn ich ins Restaurant gehe, kostet das Fleischgericht mehr als eine Gemüsesuppe. Bei der Kochbox ist das anders. Hier zahle ich für die Suppe und das Fleischgericht denselben Preis. Denn letztlich ist es für die Anbieter eine Mischkalkulation, wenn sie ihre Boxen zusammenstellen. Deswegen kam mir dann schon mal ein Gericht sehr günstig vor, und ein anderes vom selben Anbieter etwas überteuert.

Ganz grundsätzlich lässt sich zum Preis vielleicht Folgendes sagen: Kochboxen sind so etwas wie ein Mittelweg. Heißt: Es wäre teurer, sich das Essen fertig nach Hause liefern zu lassen. Aber es wäre deutlich günstiger, die Zutaten im Supermarkt selbst zu kaufen. Klar, wer den Einkauf, den Aufwand und die Rezeptsuche abgenommen bekommt, muss eben mehr zahlen.

5. Der Vergleich: Supermarkt gegen Kochbox

Zweimal habe ich mir für den Test die Mühe gemacht, für ein Kochboxrezept die Zutaten im Supermarkt herauszusuchen und die Preise auf die jeweiligen Rezept-Mengen herunterzurechnen. Ergebnis:

1. Für eine Portion von Hello Fresh für 6,50 Euro...

...hätte mich der Supermarkteinkauf 2,85 Euro gekostet, also deutlich weniger als die Hälfte (44 Prozent).

2. Eine Portion von Dinnerly für 5,22 Euro...

...hätte mich im Supermarkt gerade mal 1,45 Euro gekostet. Also noch nicht mal ein Drittel! Da habe ich mich dann schon ein bisschen abgezockt gefühlt.

6. Verbraucherschützer: Gutes Angebot mit ein paar Haken

Die Verbraucherzentrale Berlin hat im Jahr 2016 in einem Marktcheck das Kochboxen-Angebot analysiert. Einige der untersuchten Unternehmen haben ihren Betrieb mittlerweile eingestellt, andere gibt es noch.

Insgesamt waren die Verbraucherschützer damals mit dem Angebot zufrieden. Sie bewerteten die Rezepte auch für ungeübte Köche als verständlich und die gelieferten Lebensmittel als frisch und von guter Qualität.

Als Nachteil sahen sie an, dass für viele Rezepte Küchenutensilien benötigt werden, die möglicherweise nicht jeder besitzt, einen Pürierstab zum Beispiel. Weiterer Kritikpunkt: Wegen der aufwendigen Verpackung und Kühlung fällt natürlich einiges an Müll an.
Bei meinem Test konnte ich das nur bestätigen.

7. Zutaten, Allergene, Herkunft der Lebensmittel – Informieren die Anbieter korrekt?

Grundsätzlich gilt für den Lebensmitteleinkauf im Internet, also auch für Kochboxen, dasselbe wie im Supermarkt: Der Kunde muss informiert werden über die enthaltenen Zutaten, Allergene, die Nährwerte und die Herkunft der Lebensmittel.

Bei den Kochboxen läuft das meiner Meinung nach aber nicht besonders gut. Zum Beispiel was die Herkunft von frischem Obst und Gemüse angeht.
Bei Hello Fresh ist das Ursprungsland auf der Rezeptkarte abgedruckt. Bei Marley Spoon nicht. Als ich beim Kundenservice nachgefragt habe, wurde mir recht allgemein mitgeteilt, man könne die Herkunft für mich erfragen, wenn ich das unbedingt wissen wolle. Herkunftsnachweise nur auf Nachfrage? Das ist nicht in Ordnung. Zumal mir diese Information eigentlich sogar vor dem Kauf zur Verfügung stehen müsste, schließlich möchten sich viele Menschen bewusst mit regionalen Lebensmitteln ernähren.

Offensichtlich wird die Herkunft von Obst und Gemüse verschwiegen.

Auch die Zutatenliste und Allergen-Kennzeichnung ist problematisch. Zwar erfahre ich davon in den Rezeptkarten, doch auch hier müsste der Käufer nach Ansicht von Verbraucherschützern eigentlich vor dem Kauf informiert werden. Bei Marley Spoon zum Beispiel gibt es diese Information zwar auf der Website, allerdings muss man schon ziemlich intensiv danach suchen. Susanne Umbach von der Verbraucherzentrale hält das für „wenig verbraucherfreundlich – weil versteckt“.

Hier scheint also was im Argen zu liegen. Susanne Umbach hat deswegen bei der zuständigen Behörde, dem Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz/Institut für Lebensmittelchemie um eine schriftliche Bewertung gebeten, zu welchem Zeitpunkt beim Online-Einkauf von Kochboxen über das Ursprungsland informiert werden muss. (Sobald diese Bewertung vorliegt, veröffentlichen wir sie hier)

8. Fazit: Kochbox ja oder nein?

Wenn du gerne kochst, aber Rezepte suchen und Einkaufen einfach nur lästig findest...

...dann könnte eine Kochbox etwas für dich sein. Wichtig ist es aber, dass du aus der Vielzahl der Anbieter erst mal das passende Angebot findest, damit der Kochstil, die Preiskategorie und die gelieferten Mengen genau zu deinen persönlichen Bedürfnissen passen. Das sollte bei der Vielfalt der Auswahlmöglichkeiten kein Problem sein.

Die Preisfrage ist entscheidend

Wer im Alltag viel kocht und seine Zutaten dafür normalerweise im Supermarkt einkauft, muss sich bei einer Umstellung auf die Kochbox darauf einstellen, dass es deutlich teurer wird. Wer dagegen überwiegend essen geht oder sich fertiges Essen liefern lässt, wird mit einer Kochbox Geld sparen.

Spontanität geht verloren

Dann solltest du noch eines bedenken: Sicherlich können Kochboxen eine Erleichterung sein, denn man muss nicht ständig darüber nachdenken, was man kochen soll und welche Zutaten man dafür braucht. Andererseits können sie aber auch Stress auslösen. Das war zumindest bei mir so. Denn sie machen ziemlich unflexibel. Einmal die Rezepte für die kommende Woche bestellt, lässt sich das Paket ab einer Frist von sechs Tagen vor dem Lieferdatum nicht mehr abbestellen und auch die Auswahl nicht mehr ändern. Dadurch geht viel an Spontanität verloren, die ich beim Kochen eigentlich so mag. Denn es ist doch eigentlich toll, sich beim Besuch auf dem Wochenmarkt inspirieren zu lassen, was man abends kochen könnte. Oder auch aufs Wetter zu reagieren. Es macht doch einen Unterschied, ob ich für ein Abendessen auf der Terrasse bei 30 Grad koche, oder doch eher für einen verregneten Abend am Küchentisch. Und spontan mit Freunden essen gehen? Ist irgendwie auch blöd, wenn der Kühlschrank vollgepackt ist mit verderblichen Lebensmitteln, die eigentlich verbraucht werden müssen.

Der Müllberg wächst

Ach ja, und dann solltest du dich noch darauf einstellen, dass deine Mülltonne deutlich voller wird. Zwar variiert der Verpackungsaufwand natürlich von Gericht zu Gericht, ist aber in der Summe dann doch ganz schön groß.

Also kann das Fazit nur lauten: Jeder muss für sich selbst herausfinden, ob eine Kochbox passt oder nicht. Ich selbst habe das für mich ziemlich schnell herausgefunden. Mein ganz persönliches Fazit lautet: Für mich ist eine Kochbox nichts!

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