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Als erstes Bundesland in Deutschland will Brandenburg eine Impfpflicht für Masern einführen. Warum lassen Eltern ihre Kinder nicht einfach impfen? Welche berechtigten Sorgen hindern sie daran? Hier einige Antworten auf die häufigsten Fragen.

Das Kinderhilfswerk Unicef warnte schon Anfang März vor einer alarmierenden Zunahme von Masern-Fällen weltweit, so schon geschehen in der Ukraine, Brasilien, aber auch in Frankreich. In Deutschland wird derzeit viel über eine Masern-Impfpflicht diskutiert. Ohne Impfschutz gibt es keine Behandlungsmethode für die hochansteckende Kinderkrankheit. An Masern kann jeder erkranken, der die Infektion noch nicht durchgemacht hat. Besonders gefährdet sind ungeimpfte Kinder unter zwei Jahren, Jugendliche und junge Erwachsene. Säuglinge und Erwachsene haben zudem ein höheres Risiko, bei einer Masern-Erkrankung Komplikationen zu entwickeln. Der sogenannte Herdenschutz ist erst bei einer Impfquote von 95 Prozent erreicht.

Was sind die häufigsten Sorgen der Impfkritiker? Kann man sie entkräften?

1. Impfstoffe enthalten gefährliche Chemikalien wie Quecksilber, Aluminium oder Formaldehyd. Soll man das wirklich einem Kleinkind geben?

Das Robert Koch-Instituts schreibt dazu: In einigen Impfstoffen sind Formaldehyd, Aluminium, Phenol oder Quecksilber enthalten – allerdings in äußerst geringen Konzentrationen, weit unterhalb giftiger Grenzwerte. Die Substanzen dienen beispielsweise dazu, um Impfviren abzutöten (Formaldehyd), die Immunantwort zu verstärken (Aluminiumhydroxid) oder den Impfstoff haltbar zu machen (Phenol).

Für alle generell empfohlenen Schutzimpfungen seien inzwischen quecksilberfreie Impfstoffe verfügbar.

Das Paul-Ehrlich-Institut legt dar, dass in Deutschland die Menge an Aluminium bei den empfohlenen Impfungen in den ersten beiden Lebensjahren im Rahmen dessen liegt, was auch durch die Nahrung aufgenommen wird.

2. Impfstoffe enthalten heute 4 bis 5 verschiedene Krankheitserreger auf einmal. Kann das der Körper eines kleinen Kindes wirklich verkraften? Oder wären 1- und 2-fach-Impfstoffe nicht auch schon ausreichend?

Baby wird per Spritze geimpft (Foto: Fotolia © sonar512)
Fotolia © sonar512

Das Robert Koch-Instituts antwortet darauf: Fakt ist, dass die Kinder heutzutage gegen mehr Krankheiten geimpft werden als früher. Die Zahl der dabei übertragenen Antigene im Impfstoff hat sich aber dennoch deutlich verringert, bei Keuchhusten zum Beispiel von 3.000 auf 150 Antigene. Der Grund dafür liegt darin, dass die modernen Impfstoffe hoch gereinigt sind und zumeist nur einzelne Bestandteile der Erreger enthalten. Tatsächlich setzt sich das kindliche Immunsystem, das für diese Aufgabe gut gerüstet ist, tagtäglich mit einer vielfach größeren Menge von Antigenen auseinander, als dies bei Impfungen der Fall ist.

Es gäbe keine Hinweise darauf, dass Mehrfachimpfstoffe die Immunabwehr überlasten. Ein interessanter gegensätzlich scheinender Effekt dabei: Letztlich kann die Zahl der erforderlichen Spritzen durch Mehrfachimpfstoffe deutlich reduziert werden.

3. Jeder, der schon ein an Neurodermitis leidendes Kind erlebt hat, fragt sich verzweifelt: Können Impfungen so etwas auslösen?

Die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie schreibt: Die Zeit, in der die meisten Patienten an Ekzemen erkranken, fällt mit dem Zeitpunkt der ersten Impfungen zusammen, so dass der Eindruck entstehen könnte, dass ein ursächlicher Zusammenhang der Impfung mit dem Beginn einer Neurodermitis besteht. Wissenschaftlich lässt sich das nicht bestätigen. Im Einzelfall können Ekzemschübe durch übliche virale Infekte angestoßen werden, was ebenso für Impfungen gelten kann. Dies sollte kein Grund sein, notwendige Impfungen lange zu verschieben, jedoch kann es sinnvoll sein, nicht während eines akuten Ekzemschubs zu impfen.

4. Verursachen oder begünstigen Impfungen Allergien?

Das Robert Koch-Instituts schreibt dazu: Sicher ist, dass es heutzutage mehr Impfungen gibt – und mehr Allergien. Ob das eine jedoch mit dem anderen zusammenhängt, ist nicht belegt.

Zwar hätten schwedische Mediziner vor einigen Jahren gezeigt, dass Kinder aus anthroposophisch orientierten Familien seltener zu Ekzemen neigen. Tatsächlich wurden diese Kinder nicht so häufig geimpft. Doch bekamen sie auch seltener Antibiotika, ernährten sich anders, und ihre Eltern rauchten weniger. In einer anderen Studie stellten amerikanische Allergologen fest, dass Eltern, die Impfungen ablehnen, bei ihren Kindern weniger häufig Asthma oder Heuschnupfen beobachten. Doch auch in dieser Untersuchung blieb ungeklärt, ob wirklich ein ursächlicher Zusammenhang zwischen „Nicht-Impfen und dem Auftreten Asthma oder Heuschnupfen“ bestand.

Gegen eine solche Verbindung sprächen viele andere Studien, so zum Beispiel eine Analyse Rotterdamer Ärzte, die alle zwischen 1966 und 2003 zu dem Thema veröffentlichten Fachartikel auswerteten und auf kein erhöhtes Allergierisiko schließen konnten. Es zeigte sich vielmehr, dass Impfungen das Risiko für die Allergie-Entwicklung verringern können. Auch eine Erfahrung hierzulande weist in diese Richtung: In der DDR, wo eine gesetzliche Impfpflicht bestand und fast alle Kinder geimpft wurden, gab es kaum Allergien. Diese nahmen in Ostdeutschland erst nach der Wende zu, während gleichzeitig die Impfquoten sanken.

Antworten des Robert Koch-Instituts und des Paul-Ehrlich-Instituts zu den 20 häufigsten Einwänden gegen das Impfen

Folgende Fragen werden im Video unten erklärt:

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