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Wohin fahren wir in den Urlaub? Die meisten Leute suchen sich ihr nächstes Reiseziel einfach nach Lust und Laune aus oder verlassen sich auf Tipps von Freunden. Die beiden Filmfans Robin und Judith machen es anders. Sie reisen an Drehorte. Aber nicht einfach nur so – sie haben bei jeder Reise eine Mission.

Die beiden Reise- und Filmfans Robin Lachhein und Judith Schneider suchen sich ihre Urlaubsziele inzwischen nach Drehorten aus. Bei jeder Reise stellen sie mindestens eine Filmszene nach, möglichst exakt und detailgetreu. Eigentlich ist Robin Maschinenbauer und Judith Redakteurin im SWR3-Team. Da zur Reiseplanung auch Kostüme und Requisiten gehören, werden die Kollegen durchaus schon mal nach speziellen Strickjacken, Ohrringen oder Muffs gefragt. Auch mit im Gepäck: ein Screenshot der Szene. Denn auf dem nachgestellten Foto soll später alles möglichst genau passen, also auch Körperhaltung, Gesichtsausdruck und die Lichtverhältnisse.

Wie kommt man auf so ein Hobby?

Im SWR3-Interview erzählt Robin Lachhein, wie alles begann: „Wir saßen an der Lorelei und haben uns überlegt, wo wir als nächstes hinfahren könnten. Wir waren beide Studenten und da ist dann auch das Budget kleiner und man überlegt sich: Was kann man machen und was ist besonders an diesem Ort. Wir haben uns dann überlegt, zu Drehorten zu fahren. Aber wir haben uns gefragt, wie man erkennen kann, dass wir wirklich an dem originalen Drehort waren. Also kamen wir auf die Idee ein Foto zu machen, das man auch aus dem Film kennt. Dann ist klar, dass dort der Film gedreht wurde.“

Secret Famous Places nennen die beiden ihr Projekt. Auf ihrem Instagram-Account sind bisher 8 Fotos zu sehen. Das klingt erstmal nicht viel, aber es sind ja acht verschiedene Orte, zu denen man reisen musste – und es folgen noch weitere. In England, New York, Neuseeland, Paris, Berlin und Potsdam waren die beiden schon unterwegs und haben unter anderem Szenen aus Downton Abbey, Sex and the City, Keinohrhasen, Inception, Alien: Covenant nachgestellt. Man kommt bei dem Hobby also rum!

Wie kommt man auf die Filmszenen?

„Natürlich fängt man mit Lieblingsfilmen an oder man hat gewisse Filmszenen, von denen man weiß, wo die gedreht wurden. Aber irgendwann sucht man sich erst einen Ort aus und guckt danach, ob dort Filme gedreht wurden und wenn ja, welche. Wir würden aber keine Filme machen, die wir gar nicht mögen.“

Secret Famous Places – Tribute von Panem (Foto: privat)
Diese Szene aus Tribute von Panem war bisher eines der Bilder, das am längsten gedauert hat. privat

Wie so ein Foto entsteht, zeigen die beiden von Secret Famous Places bei Youtube. Zum Beispiel Tribute von Panem, entstand in einer Berliner U-Bahn-Station. Was so leicht aussieht, ist gar nicht so einfach. So ein Foto kann schon mal dauern, bis es perfekt ist.

„Ich glaube, das war das aufwendigste Bild, was wir bisher gemacht haben“, erzählt Judith. „Das Foto an sich hat etwa eine Stunde gedauert und bis wir den richtigen Ort gefunden haben, das hat bestimmt auch nochmal anderthalb Stunden gebraucht. Aber der Aufwand ist es wert. Unser Ehrgeiz ist so groß, am Ende ein Bild zu haben, das exakt so aussieht, wie das Original, dass wir diesen Aufwand eben machen.“

Einige Freunde können das manchmal nicht ganz nachvollziehen, dass man den halben Tag durch eine Stadt rennt, um genau die Szene zu finden, aber für Judith und Robin ist das genau der Reiz. „Bisher hat sich der Aufwand immer gelohnt. Man entdeckt zum Beispiel ganz viele Orte, zu denen man sonst gar nicht hinfahren würde. In Paris fährt man vermutlich eher nicht zu der Brücke, auf der Inception gedreht wurde. Hätten wir bestimmt auch nicht gemacht. Letztendlich war das aber super cool, weil man einen genialen Blick auf den Eiffelturm hatte.“

Reiseplanung und Klamotten sind aufwendig

Arbeitsteilung heißt die Devise. Robin ist dafür zuständig den Ort zu finden. „Da verbringt er schon mal ein paar Stunden vor Google-Maps oder Google-Earth.“ Judith ist für die Klamotten zuständig. Oft wird improvisiert. Da kann schon mal die Tischdecke zum Umhang werden für eine Szene aus 10.000 B.C. Und meist wird auch nur der sichtbare Bereich in Szene gesetzt, also nur das, was man wirklich fürs Foto braucht.

Wichtig ist auch, dass es sich bei den Filmen um Szenen handelt, auf dem zwei Personen drauf sind – also ein Mann und eine Frau. Und dann heißt es: den Selbstauslöser besiegen! Der wird auf zehn Sekunden gestellt, Judith steht schon in Position, Robin drückt den Knopf, rennt los und muss sich dann ganz schnell so positionieren und in Szene setzen, dass es passt. Das kann dann schonmal ganz lustig aussehen. Bei Sissi zum Beispiel steht der Fotoapparat recht weit vom Motiv entfernt. Robin rennt dann im Kostüm schnell los und zählt laut mit: 10, 9, 8,…

Ist das Urlaub oder Arbeit?

Urlaub wird inzwischen tatsächlich gebucht, weil da Drehorte sind. „Wenn wir in den Urlaub fahren, muss schon eine gewisse Anzahl an Fotos dabei rausspringen, damit es sich lohnt.“ Die beiden sind oftmals überrascht, an wie vielen Orten tatsächlich Filmszenen entstehen, egal wie abgelegen der Ort oder die Region ist. Irgendein James Bond wurde mindestens gedreht. Manchmal sei es auch ganz entlarvend zu sehen, dass die Filmfirmen ein bisschen gemogelt haben und Bäume oder Berge ins Bild montiert haben, wo eigentlich gar keine sind.
Sponsoren haben sie keine und verdienen auch kein Geld mit ihren Kanälen. Die Reisen finanzieren sie aus eigener Tasche.

Die Zeit fürs Bild ist oft knapp

Wie lange es dauert eine Szene zu fotografieren, hängt von mehreren Faktoren ab: Vom Wetter, der Uhrzeit – wird zum Beispiel ein Bild in der Abendsonne benötigt, dann bleiben manchmal nur 20 Minuten Zeit. „Das steigert natürlich die Spannung.“ Bei Bildern mit mehr Zeit kann dafür mehr auf Details geachtet werden. Gestritten wird trotz Zeitmangel aber wenig. „Das Problem ist eher, dass Judith nicht ernst bleiben kann und beim Foto oft einen Lachanfall bekommt.“

Fremdschäm-Faktor beim Fotoshooting zu Star Wars

Mitte Mai kommt der neue Star-Wars-Film raus und da wollten die beiden natürlich mitmischen. Eine Szene aus Episode 2 spielt am Comer See. Das war eine große Herausforderung, weil die Klamotten natürlich absolut crazy waren. „Das war arg peinlich für uns. Das war großer Fremdschäm-Faktor.“

Der Drehort ist auf dem Gelände einer der wohl bekanntesten Villen am Comer See. „Wir waren an einem schönen, sonnigen Osterwochenende da – mit gefühlt 100 anderen Touris. Ich hab einen Stoffumhang an und eine Kette, die aus einem alten Backblech gefräst wurde.“ Kurz sei der Gedanke da gewesen, es aufzugeben, aber am Ende sind die beiden doch froh es gemacht zu haben: „Das originale Foto ist so geil“, sagt Judith. Die beiden hatten sogar extra Blumen in Deutschland gekauft, um diese mit nach Italien zu nehmen, weil sie für das Bild wichtig waren, sind mit den Blumen zur Villa gewandert und haben sie da aufgestellt.

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