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Kira Urschinger (Foto: SWR3)
Sven Bornschein (Foto: SWR3)

Hund und Katze mit Corona? Es gibt neue Erkenntnisse dazu, ob sich Haustiere mit infizieren können. Was Experten sagen und was das für Herrchen und Frauchen bedeutet, erläutern wir hier.

1. Können sich Haustiere wie Hund und Katze mit Corona infizieren?

In Hongkong soll sich ein Hund mit dem Coronavirus infiziert haben und sei dann in Quarantäne gekommen. Dieser Fall war es vermutlich, der Haustierbesitzer erstmals verunsicherte.

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Infizierter Hund? Eher nein.

Das Redaktionsnetzwerk Deutschland sprach damals mit einem Experten, der erläuterte, Proben aus dem Mund und der Nase des Hundes seien schwach positiv auf das neue Virus getestet worden, das hieße aber nichts. Möglicherweise sei der Hund mit einem infizierten Menschen in Kontakt gewesen, habe beispielsweise die Besitzerin abgeschleckt und damit Viren im Maul gehabt. Ein Infektionsnachweis sei das noch nicht.

Tiger mit Corona infiziert? Möglich.

Nun gibt es einen Tiger im New Yorker Zoo, der sich mit Corona infiziert haben könnte. Paul Calle, leitender Tierarzt des Zoos, sagte dem Magazin National Geographic: „Es ist – unseres Wissens nach – das erste Mal, dass ein wildes Tier sich durch einen Menschen mit Covid-19 angesteckt hat.“ Der Zoo glaubt, dass sich die Tigerdame bei einem Pfleger angesteckt haben könnte, denn die Einrichtung ist seit Wochen geschlossen.

Zwei Hauskatzen positiv getestet Diese Tiere können sich mit dem Coronavirus infizieren

Zuerst die gute Nachricht: (Haus-) Tiere geben das Virus offenbar nicht an Menschen weiter. Bekommen können es aber laut einer neuen Studie einige. In den USA ist das neuartige Coronavirus unterdessen erstmals in Haustieren nachgewiesen worden.
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Elke Reinking, Pressesprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit, sagte gegenüber dem SWR, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich das Virus vom Menschen auch auf Haustiere überträgt. Konkrete Belege dafür gibt es aber nicht. Zur Sicherheit sollten Haustierbesitzer aber darauf verzichten, im Gesicht des Haustiers herumzuschmusen – streicheln sei aber okay.

Virologe Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Löffler-Instituts, sagte vor dem Fall der New Yorker Tigerin zur Tagesschau dazu:

Es gibt bisher keinerlei Hinweise weltweit, dass Katzen oder Hunde oder überhaupt Heimtiere bei der Entwicklung dieser Pandemie eine signifikante epidemiologische Rolle spielen.

Katzen: ja. Hunde: nein.

Nun hat sich eine Studie damit genauer befasst: Katzen können sich einer Studie zufolge mit dem neuartigen Coronavirus infizieren. Ebenso gilt dies für Frettchen, heißt es in der vom Wissenschaftsmagazin Science veröffentlichten Untersuchung. Bei Hunden, Schweinen, Hühnern und Enten sei es dagegen eher unwahrscheinlich, dass sie sich ansteckten.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO nimmt den Bericht zum Anlass, die Rolle von Haustieren in der Coronavirus-Pandemie genauer zu prüfen. „Wir glauben nicht, dass sie eine Rolle bei der Übertragung spielen, aber wir denken, dass sie durch eine infizierte Person infiziert werden könnten“, hieß es von der WHO-Epidemiologin Maria Van Kerkhove auf Grundlage der bisherigen Erkenntnisse.

2. Können Haustiere das Coronavirus übertragen?

Selbst wenn Tiere nicht infizierbar sind, heißt nicht, dass sie das Virus nicht übertragen können. Zwar nicht aus sich selbst heraus, aber wenn sie Kontakt mit erkrankten Menschen hatten. Wenn also ein Corona-Patient den Hund streichelt, dann könnte der Erreger auf dem Fell des Tiers landen – das Fell könnte kontaminiert werden.

Der Virologe schätzt das Risiko einer Übertragung auf einen Menschen aber gering:

Das sind aber geringste Mengen an genetischem Material des Erregers, die hier gefunden werden, die aller Wahrscheinlichkeit nach für eine Infektion, selbst über so eine Kontamination nicht ausreichen.

Unter anderem hat auch schon das Robert-Koch-Institut gemeldet: Es würden wissenschaftliche Studien dazu durchgeführt, aber bisher gäbe es keinerlei Hinweise auf eine Übertragung vom Haustier auf den Menschen. Und dementsprechend auch keinen Grund, sein Haustier fernzuhalten oder gar abzugeben. Wichtiger wäre, dass man beim Tier auf die Hygiene achtet, so wie als Mensch auch.

3. Geben immer mehr Haustierbesitzer ihre Tiere im Tierheim ab?

Angeblich stürmen dennoch gerade vermehrt Menschen in Tierheime, um ihr Haustier abzugeben. Jedenfalls vermittelt sich dieses Bild, wenn man Nachrichten in sozialen Netzwerken glaubt. Tweets zu diesem Thema sorgen für hitzige Debatten und auch für viel Unverständnis bei Tierfreunden.

AN ALLE ARSCHLÖCHER DIE IHRE HUNDE UND KATZEN WEGEN DEM CORONA VIRUS IM TIERHEIM ABGEBEN!!! SCHÄMT EUCH!!! ICH WÜRDE EHER STERBEN ALS MEINEN TREUEN GEFÄHRTEN WEG ZU GEBEN!!! WAS FÜR MENSCHEN SEID IHR?! EUCH SOLLTE MAN... #COVID19de #BleibtZuhause #wirbleibenzuhause

Stimmt das, ist da was dran? SWR3 hat bei verschiedensten Tierheimen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg nachgefragt. Zum Beispiel in den Tierheimen Koblenz, Crailsheim, Heilbronn, Rottweil – alle sagten übereinstimmend: „Nein, die Menschen geben derzeit nicht vermehrt ihre Haustiere ab.“

Das bestätigt auch der rheinland-pfälzische Landesverband des Tierschutzbundes, der damit beauftragt ist, den Überblick über die Situationen der Tierheime im Land zu haben. Ab und an gäbe es Nachfragen von besorgten Besitzern, ob Tiere das Coronavirus übertragen können, deren Befürchtungen man nehmen könne und damit sei das Thema dann auch erledigt.

4. Schließen Tierheime wegen des Coronavirus?

Tatsächlich haben aber viele Tierheime mit dem Coronavirus und den Folgen zu kämpfen. Derzeit sind viele Einrichtungen für den normalen „Besucherverkehr“ nicht mehr geöffnet, die Besitzer müssen für die Tiervermittlung Termine machen und spezielle Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen einhalten. Dazu zählt auch, dass Tiere mit Desinfektionsmittel bearbeitet werden können, was auch nicht jeder Tierfreund gut findet.

Die Gassigänger, die mit Tierheimhunden ehrenamtlich ein paar Runden drehen, dürfen oftmals nicht mehr dort rein. Und: Sollten die Mitarbeiter wegen eines Corona-Falls in Quarantäne müssen, gibt es niemanden mehr, der sich um die Tiere kümmern kann. Und dann kann es natürlich auch zu Schließungen kommen.

Bis dahin darf man aber zugelaufene Tiere auf jeden Fall in den Tierheimen abgeben, wurde uns in der SWR3-Recherche bestätigt.

5. Darf ich mit dem Hund raus, wenn ich in Quarantäne bin?

Wer in Quarantäne ist, darf das Haus auch nicht verlassen, um mit dem Hund Gassi zu gehen. Hier müssen Herrchen und Frauchen auf eine hilfsbereite Nachbarschaft oder einen netten Freundeskreis setzen, um den Hund an der Tür zu übergeben, damit jemand anders mit dem Tier rausgeht.

Wichtig: Die Hundeleine sollte gut gereinigt und desinfiziert werden, denn hier könnten sich theoretisch Viren ablagern.

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