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Vanessa Valkovic (Foto: SWR3)

Er ist der Albtraum der Einzelhändler in den Innenstädte und der große Gewinner der Corona-Krise: Jeff Bezos. Vor 25 Jahren verkaufte er über die Onlineplattform Amazon das erste Buch – der Beginn einer Erfolgsgeschichte.

Arbeite hart, habe Spaß, schreibe Geschichte.

Dieses Zitat stammt von Jeff Bezos – Gründer des Onlinehändlers Amazon und Multi-Milliardär. Sein Vermögen wird auf über 190 Milliarden Dollar geschätzt. In diesem Jahr verdiente der 56-Jährige – auch dank der Corona-Pandemie und dem Zuspruch zum Online-Handel – zehn Millionen Dollar pro Stunde. Der reichste Mann der Welt ist umstritten: Für die einen ist Jeff Bezos der größte Unternehmer unserer Zeit – für die anderen ist er ein Ausbeuter, der keine Steuern zahlt.

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Jeff Bezos – der „schlechteste Chef der Welt“?

Bezos gilt als anspruchsvoll, leicht reizbar und sehr sparsam. 2014 erhielt er den Titel „schlechtester Chef der Welt“ vom Internationalen Gewerkschaftsbund. Einer der Gründe: Er machte kein Geheimnis daraus, dass er seine Mitarbeiter irgendwann durch Roboter ersetzen will.

Amazon macht immer wieder mit Niedriglöhnen und schlechte Arbeitsbedingungen Schlagzeilen. Wer keine Leistung bringt, dem droht die sofortige Kündigung, berichtet ARD-Korrespondent Marcus Schuler. Jeff Bezos sei ein Mann mit zwei Gesichtern. Zum einen sei er sehr belesen, charmant, bescheiden und charismatisch. „Andererseits gilt er als unglaublich harter Manager, der seine Mitarbeiter anfährt. (...) Bei Amazon ist es eine Todsünde, wenn man ein Papier nur von einer Seite bedruckt. Kostenloses Essen – wie bei vielen Tech-Unternehmen im Sillicon Valley üblich – gibt es bei Amazon nicht. Nur Kaffee und Bananen sind kostenlos.“

Bezos gilt als Mann, der nicht nur zu seinen Mitarbeitern hart ist – sondern auch zu sich selbst. Angeblich steht er morgens sehr früh auf und macht auch sehr viel Sport, so Schuler.

Er ist keiner, der in Saus und Braus lebt – obwohl er es sich ja leisten könnte.

Ein anderes großes Thema, was immer wieder im Zusammenhang mit Amazon aufkommt: Steuern. Das Unternehmen hat es durch Schlupflöcher geschafft, im vergangenen Jahr keinen Cent Einkommenssteuern in den USA zu zahlen – dafür aber Rückzahlungen in Millionenhöhe erhalten.

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Amazon-Gründer Bezos Weg zum Multi-Milliardär

Bezos wurde 1964 in Albuquerque im US-amerikanischen Bundesstaat New Mexiko geboren. Sein Vater, ein Zirkusartist, und seine Mutter trennten sich bald – als Jeff vier Jahre alt war heiratete seine Mutter erneut. Ihr neuer Ehemann – ein kubanischer Immigrant – adoptierte den späteren Amazongründer. Jeff Bezos trägt also den Nachnamen seines Adoptivvaters.

Seinen ersten Nebenjob hatte Bezos bei McDonald's. Dem Branchenmagazin Fast Company erzählte er später, er habe dort gelernt, Eier mit einer Hand aufzuschlagen – mit großer Wahrscheinlichkeit keine Gabe, die ihm bei dem geholfen hat, was er heute tut. Allerdings sei der Samstagmorgen sein Lieblingstag gewesen sei: „Das erste was ich da tat, war 300 Eier aufzuschlagen.“ Bald darauf entwickelte er seine erste Geschäftsidee: Ein Sommercamp für Kinder. Er gründete es zusammen mit seiner damaligen Freundin. Pro Kind verdienten sie 600 Dollar.

1986 machte Bezos seinen Abschluss an der Elite-Uni Princeton – in Elektrotechnik und Informatik. Danach arbeitet er zunächst in einem Tech-Startup als Manager of Administration und Development. 1990 wechselte er dann zur Vermögensverwaltung D.E. Shaw. Dort wurde er zum jüngsten Vizepräsidenten des Unternehmens ernannt. Außerdem soll ihm hier die Idee fürs Buchgeschäft gekommen sein. Denn: Bezos war zwar ein erfolgreicher Geschäftsmann – er wollte aber mehr.

Später heiratete er MacKenzie Tuttle – sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin bei D.E. Shaw. Bezos führte ihr Bewerbungsgespräch. Die beiden haben vier gemeinsame Kinder – drei leibliche Söhne und eine Adoptivtochter aus China. In einem Interview aus den 90ern sagte Bezos über seine Frau:

Sie hatte den verlässlichen Angestellten geheiratet, der an der Wall Street arbeitet. Ein Jahr nach der Hochzeit wollte ich aber meinen Job kündigen und an die Westküste ziehen, um diesen Online-Buchladen zu gründen. Meine Frau meinte damals: Was ist das Internet?

Im Januar 2019 gaben MacKenzie Tuttle und Jeff Bezos ihre Scheidung bekannt. Vorausgegangen war eine Veröffentlichung des National Enquirer. Das Blatt berichtete über eine außereheliche Affäre des Amazon-Chefs mit der ehemaligen TV-Moderatorin Lauren Sánchez. In dem Bericht über Bezos und Sánchez fanden sich auch intime Textnachrichten und Fotos der beiden.

Bezos warf der Illustrierten Erpressung vor: Das Blatt habe ihm gedroht, intime Fotos von ihm zu veröffentlichen, falls er die Ermittlungen nicht einstelle. Bezos ließ sich davon aber nicht einschüchtern und machte die Geschichte in einem Blogeintrag öffentlich.

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Der Siegeszug von Amazon

Wie sieht wohl die Gründung des weltweit erfolgreichsten Unternehmens aus? Stundenlange Sitzungen, intensive Marktanalysen, kostspielige Beratungen? Nein – nicht im Fall von Amazon. Bezos schrieb sein Geschäftskonzept nach eigenen Angaben während einer Autofahrt auf dem Weg nach Seattle. Was Bezos auszeichnete: Er glaubte bereits in den 90ern, als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte, an die damals neue Technologie.

Amazon wurde am 5. Juli 1994 gegründet. Der erste Firmensitz war – fast schon traditionell für die Tech-Giganten unserer Zeit wie zum Beispiel Apple und Microsoft – eine Garage. Nicht im Sillicon Valley, sondern in einem Miethaus in Seattle. Von dort aus begann er Bücher zu verschicken. Dabei gab er nicht unnötig viel Geld aus, weiß ARD-Korrespondent Marcus Schuler: Statt Packtischen verwendete Bezos alte Türen, die auf Blöcke gelegt wurden – um zu sparen.

Nur zwei Jahre später folgte der Börsengang. Bereits nach den ersten fünf Jahren verdiente Amazon 2,8 Milliarden – mehr als Google im selben Zeitraum. Der Weg dorthin war nicht leicht: Das Unternehmen kämpfte mit Tiefschlägen und ging Anfang der 2000er Jahre fast pleite. Heute ist Amazon das wertvollste Unternehmen der Welt.

Bezos hat es so weit gebracht, weil er hart zu sich selbst war – und das hat ihn zum reichsten Mann der Welt gemacht.

Marcus Schuler, ARD-Korrespondent
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Vanessa Valkovic (Foto: SWR3)

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