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Tamara Trunk (Foto: privat)

Die Redewendung „Das kommt mir spanisch vor“ ist für dich bittere Realität? Von Französisch weißt du nur noch, dass es einen süßen Papagei im Schulbuch gab? In Italien verwendest du das Wort Ciao inflationär? Ob für den Urlaub oder einfach so – Zeit, deine Sprachkenntnisse aufzufrischen!

Für einen regelmäßigen Sprachkurs ist im Alltag oft wenig Zeit. Um trotzdem in Übung zu bleiben und seinen Wissenstand zu erweitern, sind Spach-Apps im Trend. Tamara Trunk aus dem SWR3-Team hat die Sprach-Apps Tandem, Duolingo und Busuu in der kostenlosen Version getestet.

1. Tandem: Chatten mit Muttersprachlern

Screenshots aus der App Tandem (Foto: SWR3, Screenshots: App Tandem)
Screenshots: App Tandem
  • Soziales Netzwerk mit Lern-Community
  • Die App verspricht jedem Mitglied passende Sprachpartner
  • umfangreiche Funktionen auch in der kostenlosen Version
  • Internetverbindung notwendig

Von der Anmeldung zum Sprachtraining

Du legst zuerst ein Profil an, für das du auch ein Foto von dir hochladen musst. Dann gibst du an, welche Sprachen du sprichst, welche du lernen möchtest und nennst ein paar Themen, über die du gerne mit anderen Nutzern sprechen möchtest. Nach der Anmeldung wird dein Account zuerst geprüft. Laut App kann diese Prüfung bis zu sieben Tage dauern – beim SWR3-Test war die Prüfung nach etwa 20 Minuten erledigt.

Sprachpartner finden

In der Übersicht werden dir Nutzer vorgeschlagen, die deine Muttersprache lernen und die Sprache, die du lernen möchtest, bereits sprechen. Du kannst die Vorschläge auch nach Fremdsprache, Sprachlevel und Land/Region filtern. Es dauert keine fünf Minuten und die ersten Nachrichten kommen an. Frederic aus Belgien, Sarah aus Frankreich und Charo aus Marokko wollen ins Gespräch kommen. Du kannst jetzt chatten, Audionachrichten senden, Nachrichten übersetzen und korrigieren. Jeder profitiert von den Kenntnissen des anderen. Wenn man sich besser kennt, kann man auch Audionachrichten schicken oder per Video telefonieren.

Fazit

Die App ist super, um sich schnell mit Leuten zu vernetzen und sich in der Wunschsprache auszutauschen. Voraussetzung ist jedoch, dass man sich in der Sprache schon so gut verständigen kann, dass ein Dialog aufrecht erhalten werden kann. Tandem ist wie ein soziales Netzwerk, bei dem die gegenseitige Hilfe und andere Kulturen und Sprachen lernen im Mittelpunkt stehen. Ich habe von Charo gelernt, dass mein Vorname – Tamara – in seiner Muttersprache Arabisch anscheinend ein Ausdruck für "harte Arbeit" ist, was ich sonst wohl nie erfahren hätte.

2. Duolingo: spielerisch Lernen

Screenshots aus App Duolingo (Foto: Screenshots: App Duolingo)
Screenshots: App Duolingo
  • gegliederte Trainingseinheiten
  • Punktesystem
  • Nicht alle Sprachen sind für Deutsch als Ausgangssprache verfügbar: zehn Stück zur Auswahl
  • Kommentarfunktion bei den Aufgaben, um Fragen zu stellen
  • keine Internetverbindung notwendig

Lernen wie im Schulbuch

Duolingo kann ohne und mit Anmeldung genutzt werden, erstellt man jedoch ein Profil, kann man auch mit anderen Nutzern in Kontakt treten und Bestenlisten ansehen. Da man für jede Lektion Punkte sammeln kann, kann man sich mit anderen Nutzern vergleichen. Nach der Auswahl der Sprache kann man angeben, ob man von Null anfängt oder ob man Vorkenntnisse hat und diese vertiefen möchte. Man kann Tagesziele einstellen und wird erinnert, diese auch zu erfüllen.

Englisch lernen mit Vorkenntnissen: schnell langweilig

Für Sprachen, in denen dein Sprachniveau schon relativ hoch ist, eignet sich Duolingo meiner Meinung nach nicht so gut. Der Test am Anfang, mit dem dein Wissen eingeschätzt wird, besteht aus leichten Vokabeln und Satzbausteinen, die richtig zusammengefügt werden müssen. Daraus wird ermittelt, wie viele Lektionen du überspringen kannst. Die anschließenden Trainings können in verschiedenen Kategorien absolviert werden. Wobei ich dabei nichts Neues gelernt habe.

Spanisch für Anfänger

In Spanisch habe ich gar keine Grundkenntnisse und fange ganz von vorne an. Man wird mit vielen Bildern an die Vokabeln herangeführt und kann sich alle Wörter auch anhören, um die Aussprache zu lernen. Dazu kommen leichte Sätze, um ein erstes Gefühl für die Grammatik zu bekommen. Nach und nach schaltet man weitere Lektionen frei, indem man Punkte für seinen Lernfortschritt erhält. So kann man sich spielerisch an die Sprache herantasten. Wenn man Fragen zu einer Aufgabe hat, kann man über die Kommentarfunktion mit anderen Usern in Kontakt treten: Wie in einem Forum können Fragen gestellt werden und Erklärungen von erfahrenen Nutzern gelesen werden.

Fazit

Um Kenntnisse zu vertiefen, würde ich Duolingo nicht empfehlen. Hier ist man schnell unterfordert. Wenn man bei einer Sprache ganz von vorne anfängt und schnell die wichtigsten Begriffe lernen möchte, ist die App aber sehr hilfreich.

3. Busuu: Grundlagen und Vernetzung

Screenshots aus der App Busuu (Foto: Screenshots: App Busuu)
Screenshots: App Busuu
  • Kombination aus Netzwerk und Lerneinheiten
  • 12 Sprachen
  • Berechnung, wann das Lernziel erreicht ist
  • Komplette Kurse oder Crashkurse für Reisen
  • teilweise Internetverbindung notwendig

Mit Busuu kannst du von Anfang an ein Lernziel bestimmen, was die Motivation direkt steigert. Willst du nur ein paar Wörter lernen, an einfachen Unterhaltungen teilnehmen können oder ganz frei deine Meinung sagen können? Wenn du dein Lernziel ausgesucht hast, kannst du noch bestimmen, wie viele Tage du pro Woche trainieren möchtest und wie hoch der Lernaufwand pro Tag sein soll. Daraus berechnet die App, wann dein Lernziel erreicht wird. Ich möchte im Test Italienisch lernen (ohne Vorkenntnisse), die erste Stufe erreichen und jeden Tag zehn Minuten lernen. Die App sagt mir, dass ich das Ziel in zwei Monaten erreicht habe.

Gut gegliederte Lektionen – nicht alle kostenlos

Es geht los mit der einfachen Begrüßung, Smalltalk und grundlegender Grammatik. Die Lektionen wechseln zwischen Hörverstehen, Vokabelabfrage und Quizfragen ab, später müssen auch Satzbausteine in die richtige Reihenfolge gebracht werden. In der Übersicht oben siehst du, wie viele Minuten deines Tagespensums du bereits geschafft hast. Diese Zeit kannst du jederzeit anpassen. Leider sind nicht alle Bestanteile einer Lektion kostenlos, für Vertiefungen scheint man die Premium-Version kaufen zu müssen. Die Werbung für diese Version erscheint ziemlich häufig, aber das kann man gut ignorieren. Die Trainingseinheiten kannst du auch ohne Internetverbindung nutzen.

Austausch mit anderen Usern

Die Besonderheit bei Busuu ist, dass man für sich lernen kann, aber auch mit den anderen Usern in Kontakt treten kann. Während der Lektionen kannst du andere User um Hilfe bitten oder missverständliche Aufgaben kommentieren. Außerdem kannst du Freunde hinzufügen, Feedback geben und andere Nutzer bitten, deine Übungen zu korrigieren. Für diese Funktion brauchst du aber natürlich eine Internetverbindung.

Fazit

Wenn du herausfinden möchtest, welche App für dich in Frage kommt, solltest du dir folgende Fragen stellen:

1. Möchtest du Basics lernen?
2. Möchtest du Kenntnisse vertiefen?
3. Möchtest du deine Kompetenzen im Dialog testen und verbessern?

Smartphone Hintergrund mit App-Symbolen Duolingo Tandem Busuu (Foto: SWR3)

Jede der drei Apps hat Vor- und Nachteile. Man sollte nicht erwarten, dass die Apps einen mehrwöchigen intensiven Sprachkurs ersetzen, aber wer zwischendurch neue Wörter lernen möchte und sich unkompliziert mit anderen Sprachlernenden austauschen möchte, hat auf jeden Fall Spaß beim Benutzen der Apps.

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Tamara Trunk (Foto: privat)

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