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Eine Push-Nachricht, wenn das Kind die Sicherheitszone verlässt und eine Statistik darüber, was der Nachwuchs im Netz liest. Kinder-Schutz-Apps wollen Eltern mehr Sicherheit geben. Welche sind empfehlenswert?

Für Eltern war das Smartphone oder Tablet noch nicht Teil ihrer Kindheit – das sieht bei ihrem Nachwuchs anders aus. Sie sind sogenannte Digital Natives, wachsen also in der digitalen Welt auf. Bei allen Vorteilen birgt das Smartphone in der Kinderhand auch Gefahren. Deshalb gibt es Kinderschutz-Apps.

Was können die Kinder-Schutz-Apps?

Diese Apps werden auf dem Handy des Kindes und dem der Eltern installiert. Kinderschutz-Apps können zum Beispiel Webseiten blockieren, die Sex und Gewalt zeigen, die Bildschirmzeit beschränken, den Browserverlauf kontrollieren, oder bestimmte Programme sperren.

Einige Apps gehen auch so weit, dass Eltern auf Social Media-Kanälen nach Schlagwörtern suchen und prüfen können, ob und wann das Kind diese verwendet. Eltern bekommen durch die Kinderschutz-Apps eine Statistik darüber, was wie lange genutzt wurde. Außerdem kann damit die Bildschirmzeit am Smartphone eingestellt werden – also wie lange das Kind das Gerät überhaupt nutzen kann.

Bei den meisten Apps gibt es auch eine Standortverfolgung des Kindes über GPS. Manche Apps bieten an, dass das Kind einen bestimmten Bereich nicht verlassen darf – beispielsweise das eigene Stadtviertel. Übertritt der Nachwuchs diese Grenze, wird zum Beispiel eine Push-Nachricht auf das Handy der Eltern geschickt.

So eine App schützt das Kind natürlich nicht vor allem. Stiftung Warentest schreibt auf seiner Homepage:

Schon die Bezeichnung Kinder­Schutz-App ist hoch gegriffen. Die Apps helfen Eltern bei der Kontrolle und protokollieren, was das Kind tut. Umfassend schützen können sie es nicht.

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Stiftung Warentest: Nur zwei Apps schneiden gut ab

Insgesamt hat Stiftung Warentest neun Kinderschutz-Apps in verschiedenen Preiskategorien getestet. Nur zwei Apps haben gut abgeschnitten, erzählt Simone Vintz von Stiftung Warentest – und darunter sei nicht das teuerste Produkt gewesen.

Im Test punktete unter anderem die App Salfeld. Sie kostet laut Anbieter zwischen 15 und 30 Euro im Jahr, je nachdem wie viele Geräte angemeldet werden.

Bei Salfeld war die Anleitung und die pädagogische Unterstützung der Eltern sehr gut. Salfeld hatte auch viele Einstellungsmöglichkeiten. Die Funktionen waren ok und liefen fehlerfrei durch. Und auch beim Datenschutz-Check haben sie jedenfalls nicht verloren.

Im Netz wird der Umgang mit dem Datenschutz der App Salfeld kritisiert.

Wir haben Mängel beim sparsamen Erheben von Nutzerdaten festgestellt. Die Datenschutzerklärung hatte keine juristischen Mängel. Aber natürlich kann man beim Datenschutz auch immer ein bisschen mehr machen und auch nochmal breiter informieren.

Die teuerste App im Test heißt FamiSafe und kostet laut Anbieter zwischen 60 und 120 Euro jährlich – je nachdem, welches Abo abgeschlossen wird. Sie hat viele Funktionen – schnitt bei Stiftung Warentest aber schlecht ab. Denn: Sie habe immer wieder technische Probleme gezeigt.

Überhaupt nicht überzeugend waren die Einstellungsmöglichkeiten und ganz enttäuscht hat uns die pädagogische Unterstützung. Da war nämlich so gut wie nichts für die Eltern zu finden. Auch die teschnische Hilfe war nicht besonders gut. Und die Datenschutzeklärung hatte erhebliche Mängel.

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„Eltern müssen aufgeklärt werden“

Stiftung-Warentest Expertin Vintz findet: Eltern müssen in einer guten Kinderschutz-App auch angeleitet und pädagogisch unterstützt werden. Denn die Gefahr sei, dass aus Kontrolle Überwachung werde. „Auch die Eltern müssen abgeholt werden. (...) Die Apps bieten über GPS die Standortverfolgung des Kindes an. Natürlich ist das ein ziemliches Kontrollinstrument. Das heißt, hier müssen die Eltern aufgeklärt werden: Wie wende ich das an, wie spreche ich mit dem Kind, wie funktioniert das ganz genau, in welchen Situationen ist es anzuwenden.“ Die bloße Technik ohne pädagogische Anleitung könne das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kind stören, so Vintz.

Wichtig sei auch, dass das Kind in Sachen Kontrolle durch die App mit einbezogen wird. Zum Beispiel solle vorher darüber gesprochen werden – denn es funktioniere nur gemeinsam mit dem Kind.

Ausspionieren und dann abends damit konfrontieren, das ist mit Sicherheit nicht besonders fördernd für das Vertrauen. (...) Wir wollen, dass Kinder eine digitale Identität entwickeln, dass sie sich sicher im Netz bewegen, und dass sie selbst Gefahren einschätzen können. Da müssen sie langsam herangeführt werden. Kinderschutzapps können einen Teil dazu beitragen, natürlich ersetzt das aber keinesfalls das Gespräch mit den Kindern.

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