In einem offenen Appell warnen 15.000 Forscher vor katastrophalen Schäden am Planeten Erden und zunehmenden Gefahren für die Menschheit. Noch gibt es aber Grund zur Hoffnung.

Es ist eine unmissverständliche Warnung, die am Montag in der Fachzeitschrift BioScience veröffentlicht wurde: Über 15.000 Wissenschaftler aus 184 Ländern unterschrieben einen „Brief an die Menschheit“. In diesem sehen sie unsere Ökosysteme auf dem Weg zur unumkehrbaren Destabilisierung.

Menschliche Aktivitäten bedrohen den Planeten

Dorfbewohner in Kenia gehen durch ausgetrocknete Landschaft an Kadaver von Rind vorbei; Foto: dpa/picture-alliance

Auch die Verknappung von Trinkwasser bedroht die Menschheit zunehmend.

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Trinkwasserverknappung, Abholzung, Rückgang der Zahl der Tiere, steigende Treibhausgas-Emissionen – die Liste der Bedrohungen ist lang. Und die Alarmglocken, so die Forscher, sollten immer lauter schrillen. Die Gegenmaßnahmen, die weltweit ergriffen werden, seien nämlich bei weitem nicht ausreichend.

„Bald wird es zu spät sein, um diese gefährliche Tendenz umzukehren“, schreibt Thomas Newsom, Wissenschaftler an der Deakin University in Australien und Mitautor der Erklärung. Durch den ungebremsten Konsum von natürlichen Ressourcen gefährde die Menschheit ihre eigene Zukunft. Deswegen sei es an der Zeit, diese zweite Warnung auszusprechen.

Erste Erklärung 1992 veröffentlicht

Bereits vor 25 Jahren hatte der US-Physiker und spätere Nobelpreisträger Henry Kendall eine Dringlichkeitserklärung verfasst, um auf die Probleme hinzuweisen, die die Erde bedrohen. Damals unterzeichneten mehr als 1.700 Forscher, unter ihnen viele Nobelpreisträger, das Papier. Dieses betonte, dass der Einfluss der Menschen auf die Natur zu „großem menschlichen Leid“ führen werde, wenn es keine wesentlichen Änderungen gebe.

Und ein Vierteljahrhundert später ist für die Experten die Lage sogar noch viel schlimmer. Fast alle damals identifizierten Probleme bestünden noch immer oder nähmen sogar zu.

Besorgniserregende Entwicklungen

  • Die pro Kopf verfügbare Trinkwassermenge weltweit verringerte sich um 26 Prozent.
  • Die Zahl der toten Zonen in den Ozeanen – also Zonen mit nur wenig Leben – wuchs um 75 Prozent.
  • Fast 120,4 Millionen Hektar Wald wurden vernichtet und zu Ackerflächen umgewandelt.
  • Die Zahl der Säugetiere, Reptilien, Amphibien, Vögel und Fische schrumpfte um 29 Prozent.
  • Die Weltbevölkerung wuchs hingegen um 35 Prozent.

Noch Gründe zur Hoffnung

Doch trotz dieser besorgniserregenden Zahlen sei es möglich, die Entwicklung noch umzukehren und die Ökosysteme wieder zu stabilisieren, schreiben die Wissenschaftler. So zeigen die Bemühungen zum Erhalt der Ozonschicht, dass eine Veränderung möglich ist, wenn dementsprechend gehandelt wird. Das Loch in der Ozonschicht hat sich im Verlauf der letzten Jahre nämlich verbessert.

Als weitere Maßnahmen schlagen die Forscher unter anderem vor, mehr Naturschutzgebiete zu schaffen, stärker gegen Wilderei vorzugehen oder auch den Handel mit Tier-Erzeugnissen zu kontrollieren. Außerdem müsse das Anwachsen der Weltbevölkerung vor allem in den Entwicklungsländern durch bessere Familienplanung und Aufklärungsprogramme eingedämmt werden.

Denn, so unterstreichen die Forscher, schließlich sei die Erde mit all ihrem Leben das einzige Zuhause, das wir hätten.