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Laura Bisch
Laura Bisch, SWR3; Foto: SWR3
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Es ist soweit: Die Bundesnetzagentur fängt am Dienstag in Mainz damit an, die ersten Frequenzen für den neuen Mobilfunkstandard 5G zu versteigern. Vier Unternehmen wollen mitbieten: Telekom, Telefonica, Vodafone und United Internet.

Die Übertragungsrate von 5G ist etwa 100 mal so schnell wie die vom Vorgänger LTE. Klingt in der Theorie gut, bloß wann und wie können wir diese Leistung auch nutzen? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu 5G und der Versteigerung der Frequenzen.

Was ist 5G überhaupt – und wer profitiert?

Die Funk-Frequenzen von 5G sind relativ hoch – können also viele Daten transportieren.

Der Haken: 5G-Frequenzen haben eine kurze Reichweite und eignen sich daher eher für die Versorgung von Städten. Denn: Für eine flächendeckende Versorgung mit 5G-Netz bräuchte man etwa alle 500 Meter einen Funkmast. Für die Fläche, also ländliche Regionen, eignen sich diese Frequenzen also nicht – der Ausbau des Netzes wäre damit zu teuer.

Werden jetzt die Funklöcher geschlossen?

Nein, die Funklöcher im jetzigen 4G-Netz werden durch 5G nicht geschlossen. 5G ist im Prinzip nur ein anderer, besserer Funkstandart. Aber Lücken werden bleiben, denn da wo keine Haushalte und keine Verkehrswege sind, muss auch in Zukunft kein Netz sein.

Wer jetzt bei der Auktion Frequenzen ersteigert, muss das Netz ausbauen – das ist eine Verpflichtung gegenüber dem Staat. Bis Ende 2022 müssen damit 98 Prozent der Haushalte mit 5G versorgt sein – außerdem auch große Bundesstraßen, Schienen- und Wasserwege. Das empfinden die Netzbetreiber als zu streng und hatten dagegen Klage eingereicht. Damit sind sie aber nicht durchgekommen.

Vorteile 5G gegenüber 4G und 3G?

Das 5G-Netz kann Milliarden Geräte gleichzeitig vernetzen. Ein Beispiel sind Sensoren in Robotern in der Fertigung. Über 5G lassen sich 100 mal mehr Daten in gleicher Zeit übertragen, als beim jetzigen Standard 4G. Und: Das Netz reagiert schneller. Dadurch lassen sich die Daten fast in Echtzeit übertragen – die Fachleute sprechen von „geringer Latenz“. Das ist auch wichtig für autonom fahrende Autos, die auf so ein schnelles Netz angewiesen sind. 

Wer braucht 5G?

Die Wirtschaft mit Industrie 4.0 ist ganz scharf auf 5G. Viele Geräte in der Fertigung gleichzeitig sehr schnell vernetzen, das ist da wichtig.

Für uns Privatnutzer wird es noch etwas dauern, bis wir die Vorteile spüren. Zuerst brauchen wir ein 5G-Smartphone, das kostet zunächst viel Geld. Dann müssen wir in einer 5G-Funkzelle sein und schließlich brauchen wir auch noch einen entsprechenden Vertrag mit unserem Netzanbieter, der einen saftigen Aufschlag für 5G verlangen wird – die Kosten für die Auktion und den Netzausbau zahlen letztendlich zum großen Teil wir Kunden. Aber in Zukunft werden sich viele freuen auch zum Beispiel im Fußballstation ein Netz zu haben, mit dem man telefonieren und ins Internet kann. 

Wie läuft die Auktion ab?

In der Außenstelle der Bundesnetzagentur sind Vertreter der Deutschen Telekom, Vodafone, Telefonica und United Internet. Die Bieter sitzen getrennt und abgeschirmt von einander in unterschiedlichen Räumen und bieten auf insgesamt 41 Frequenzblöcke. Eine Runde dauert höchstens eine Stunde, dann muss das Gebot abgegeben sein. Geboten wird so lange, bis keiner mehr höher bietet. Das kann mehrere Wochen dauern. Der Höchstbietende bekommt dann den Frequenzblock und darf ihn ab 2021 nutzen.

Wie viel Geld wird wohl erlöst werden?

Das wissen wir erst in ein paar Wochen. Eine Schätzung: Es werden wohl mehrere Milliarden Euro werden. Bei den Auktionen 2010 waren es 4,4 Milliarden, 2015 waren es rund fünf Milliarden – irgendwo in der Größenordnung wird es wohl auch dieses Mal liegen. Und was passiert mit dem Geld? Es fließt in den Staatshaushalt und kommt damit dem Netzausbau zu Gute – so die Theorie.