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Irgendwer hat in Bad Urach Deutsch-Prüfungsbögen für Realschüler geöffnet - vielleicht in aller Unschuld. Die Folgen aber sind immens.

Unbekannte haben in einer Schule in Bad Urach einen Umschlag mit den Deutsch-Prüfungsaufgaben für die Realschüler geöffnet. Daher müssen nun landesweit die Deutschprüfungen von diesem Mittwoch auf den 27. April verschoben werden, wie das Kultusministerium am Montag in Stuttgart mitteilte. Betroffen sind etwa 40.000 Schüler.

Ministerium: Die Schule trägt die Verantwortung

Die Schule im Kreis Reutlingen hatte den geöffneten Umschlag mit beschädigtem Siegel am vergangenen Freitag bemerkt. „Am 27. April werden die für den Nachtermin vorgesehenen Prüfungsaufgaben verwendet werden“, erläuterte das Ministerium. Ein früherer Prüfungstermin sei nicht möglich, weil die Aufgaben nicht schneller gedruckt und an alle Schulen versandt werden könnten.

Die anderen Fächer sollen wie geplant geprüft werden: an diesem Freitag Mathematik, am 24. April Englisch und am 25. April Französisch.

„Fest steht, dass die Schule entgegen den Sicherheitsvorgaben eine lückenlose und sichere Verwahrung der Prüfungsaufgaben an einem dazu geeigneten Ort nicht sichergestellt hat“, teilte das Ministerium weiter mit. Daher sei es möglich, dass die Aufgaben bereits verbreitet worden seien.

Es gibt genaue Sicherheitsregeln

Das Kulturministerium hat Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Wichtigste Regel: Nichts aus der Hand geben, nichts wird per Post geschickt! Die Prüfungsunterlagen werden eine Woche vor den Prüfungen zu den Schulämtern gebracht. Und da müssen sie dann von Vertretern der Schulen persönlich abgeholt werden.

Es gibt in Schulämtern die Vorgabe, dass entweder der Schulleiter, der Konrektor oder eine verbeamtete Lehrkraft diese Aufgaben im Schulamt abholt und dann möglichst direkt in den Tresor der Schule bringt. Das ist in dem Fall offensichtlich nicht vorgekommen…

Doro Moritz von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg


So explizit steht das allerdings gar nicht in den offiziellen Regularien drin – da ist von „verwahren diese sicher auf“ die Rede. Problem: Jeder Lehrer hat eben unterschiedliche Definitionen von „sicher“.
Was aber ganz klar ist: Die Umschläge dürfen erst am Prüfungstag um Punkt 6 Uhr aufgemacht werden. Die Lehrer sollen dann checken, ob auch alles vollständig ist. Dann kann die Prüfung beginnen. Wie ernst das alles genommen wird sieht man alleine schon daran, dass erst vor Kurzem alle beteiligten Lehrer dem Kultusministerium schriftlich rückbestätigen mussten, dass sie die Regeln genau kennen.

Es passiert nicht zum ersten Mal

Vor einem Jahr gab es einen ähnlichen Fall: Unbekannte waren in ein Stuttgarter Gymnasium eingebrochen und hatten den Tresor aufgeflext. Bei dem Einbruch wurden Umschläge mit den Abituraufgaben für Englisch und Mathematik geöffnet.