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Laura Bisch
Laura Bisch, SWR3; Foto: SWR3
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Gut zwölf Wochen hat die Versteigerungen der Mobilfunkfrequenzen gedauert – am Mittwoch ist sie zu Ende gegangen. Das Ergebnis: In Zukunft gibt es nicht länger nur drei Anbieter, die eigene Funkmasten haben, sondern vier. Experten sagen, das könnte Vorteile für Verbraucher bringen.

Es war die längste deutsche Mobilfunkauktion, die es jemals gab. Rund zwölf Wochen hat sie gedauert – am Ende haben die vier Netzbetreiber, die die 5G-Mobilfunkfrequenzen ersteigert haben, zusammen knapp 6,6 Milliarden Euro bezahlt.

Die Deutsche Telekom hat mit 13 von 41 die meisten Frequenzblöcke bekommen, dann kommt Vodafone mit zwölf Blöcken. Etwas abgeschlagen war Telefónica mit neun – heimlicher Gewinner ist wohl Neueinsteiger 1&1 Drillisch mit sieben Blöcken.

In Zukunft gibt's vier statt drei Netzbetreiber

Neben der Deutschen Telekom, Vodafone und Telefónica gibt es in Zukunft damit einen vierten Anbieter, der eigene Funkmasten hat. 1&1 Drillisch ist die Mobilfunktochter des Internetkonzerns United Internet aus dem rheinland-pfälzischen Montabaur. Das Unternehmen hat damit zum ersten Mal eigene Mobilfunknetze ersteigert. Bislang hatte 1&1-Drillisch für seine Mobilfunkangebote die Netze der Konkurrenten gemietet.

Deshalb schließt 5G keine Funklöcher – ist aber trotzdem gut für uns

Experten rechnen mit Vorteilen für Verbraucher

Dass es jetzt einen vierten im Bunde der Mobilfunkanbieter mit eigenen Masten gibt, dürfte auf lange Sicht vor allem den Verbrauchern zugutekommen, sagen viele Experten. Sie hoffen, dass durch den neuen Konkurrenten in der Branche der Wettbewerb angefeuert wird – und dadurch in Zukunft die Preise sinken.

Außerdem könnte das Geld, das durch die Auktion in die Kassen des Bundes fließt, bei der Digitalisierung der Schulen helfen. Das hat Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) in der ARD angedeutet:

Dieses Geld haben wir ganz klar vorgesehen, für das, was wir jetzt erreichen müssen – die Versorgung der Schulen mit digitalen Angeboten.

Olaf Scholz (SPD), Bundesfinanzminister

Außerdem hat Scholz angekündigt, mit dem Geld auch den Breitbandausbau in dünn besiedelten und ländlichen Regionen fördern zu wollen. Denn in einem 5G-Netz kann man zwar schneller surfen, für eine bessere Netzabdeckung eignet sich der neue Mobilfunkstandard aber nicht.

Fehlt das Geld den Netzbetreibern jetzt beim Netzausbau?

Bei 6,6 Milliarden insgesamt fiel der Hammer – dabei hatten Beobachter mit drei bis fünf Milliarden gerechnet. Dass die vier Mobilfunkanbieter zusammen so viel mehr gezahlt haben als erwartet – damit ist die Bundesnetzagentur, die die Versteigerung geführt hat, zufrieden.

Ich freue mich sehr, dass die vier Unternehmen, die die Frequenzen erworben haben, jetzt zügig – und im Wettbewerb – den 5G-Netzausbau betreiben können.

Wilhelm Eschweiler, Vize-Präsident der Bundesnetzagentur

Die Bundesnetzagentur war in den letzten Wochen immer wieder dafür kritisiert worden, wie die Auktion abläuft. Denn: Wochenlang hatten sich die vier Betreiber um einen einzigen Frequenzblock gestritten – und dabei die Gebote immer weiter in die Höhe getrieben. Um die Auktion dann zu beschleunigen, hatte die Bundesnetzagentur schließlich das Mindestgebot für einen Frequenzblock drastisch angehoben. Das kritisierte vor allem die Deutsche Telekom. Ein Sprecher des Unternehmens sagte, die Auktion habe einen bitteren Beigeschmack:

Wir hätten die Frequenzen deutlich früher und deutlich billiger haben können. Das Auktions-Design hatte Schwächen – die sind hier zum Tragen gekommen. Dadurch ist der Industrie sehr viel Geld verloren gegangen, das sie für den anschließenden Netzausbau dringend gebraucht hätte.

Sprecher der Deutschen Telekom

Viele Beobachter halten dieses Argument allerdings für wenig überzeugend. Vitali Gretschko, vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim ist zum Beispiel der Meinung, dass die Betreiber genug Geld zur Verfügung haben werden:

Wenn die Frequenzen erst mal zugeteilt sind, dann wird natürlich jeder Netzbetreiber einen Businessplan erstellen. Wenn der dann ausgerollt wird, werden sie natürlich in der Lage sein, sich Geld bei der Bank zu leihen oder Geld anderweitig aufzunehmen.

Vitali Gretschko, vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung

Außerdem müsse man das Ganz in Relation sehen, sagt SWR-Wirtschaftsredakteur Andreas Reinhardt: In der Mobilfunkbranche würden jährlich rund 250 Milliarden Euro umgesetzt werden, da seien 6,6 Milliarden im Verhältnis nicht so viel.

Wie geht es jetzt weiter?

Am Donnerstag bekommen die vier Netzbetreiber ihre Urkunden überreicht. Dann müssen sie das Geld für die Frequenzen direkt überweisen. Anschließend kann der Netzausbau quasi starten. Er muss aber auch starten, denn die Auflagen der Bundesnetzagentur sehen vor, dass bis Ende 2022 insgesamt 98 Prozent der Haushalte mit mindestens 100 MBit – also mit schnellem Internet – versorgt sein müssen. Außerdem müssen alle Autobahnen, die wichtigsten Bundesstraßen und Schienenwege abgedeckt sein. Dazu müssen viele neue Funkmasten aufgebaut werden – was wohl am längsten dauern dürfte.

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