Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich den Fragen von Bürgern in der ARD-Wahlarena gestellt. Schärfste Kritik kam dabei von einem jungem Pfleger. Er sieht die Würde des Menschen inzwischen „tausendfach verletzt“.

Knapp zwei Wochen vor der Bundestagswahl traf Angela Merkel (CDU) auf 150 repräsentativ ausgewählte Bürger. Diese durften der Kanzlerin in der Livesendung Fragen stellen.

Herzlicher Empfang vor dem Studio

Selfie mit der Kanzlerin; Foto: dpa/picture-alliance

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lässt sich vor dem TV-Studio der „Wahlarena“ fotografieren.

dpa/picture-alliance

Vor dem Start der Sendung erntete Merkel viel Zuspruch von Fans vor dem TV-Studio. Sprechchöre, Beifall und Selfie-Wünsche ließen die Bundeskanzlerin die Tomatenwürfe und Buhrufe ihrer Gegner für einen Abend vergessen.

Auch das Outfit der Kanzlerin wurde genau unter die Lupe genommen. Einige vermuteten in der Kombination aus rotem Blazer und schwarzer Hose sogar einen Hinweis auf eine Fortführung der Großen Koalition.

Kritische Fragen im Studio

Drinnen musste die Kanzlerin sich dann teils kritischen Fragen stellen. Am meisten Aufsehen erregte dabei der junge Pflege-Azubi Alexander Jorde mit seiner Kritik an der aus seiner Sicht mangelhaften Personalausstattung in Heimen. Jorde kritisierte zudem, dass viele seiner Kollegen überlastet und für zu viele Patienten zuständig seien:

Dafür, dass er mit seinem Anliegen nicht locker ließ, erntete er bei Twitter viel Lob:

Jorde sagte in SWR3, dass er die Resonanz sehr „interessant“ findet: „Das zeigt, dass es auch ein wichtiges Thema ist und bisher im Wahlkampf zu kurz gekommen ist.“

Merkel versprach ihm in der Sendung, sich für Verbesserungen und eine bessere Bezahlung einzusetzen. Das Berufsbild solle attraktiver werden. Notfalls müssten Pflegekräfte aus europäischen Ländern helfen.

Ich kann Ihnen nicht versprechen, dass zum Schluss alles zu bester Zufriedenheit ist, aber es wird mehr Standard da reinkommen. Ich hoffe, dass es in zwei Jahren besser ist.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)

Wahlkampf im Schnelldurchlauf

Der weitere Verlauf der 75-minütigen Sendung war dann Wahlkampf im Schnelldurchlauf. Es kamen Fragen zur Flüchtlingspolitik, Rente, Bildung, Kinderbetreuung, Landwirtschaft und Umwelt sowie zur Türkei-Politik.

Beim Thema Flüchtlinge zeigte Merkel Verständnis für die Sorgen eines Bürgers aus Apolda und warb gleichzeitig für Mitgefühl für Menschen, die vor Krieg und Verfolgung geflohen sind.

Merkel betonte auch, dass eine Obergrenze, wie sie von der CSU gefordert wird, mit ihr nicht zu machen sei:

Meine Haltung zu der Obergrenze ist ja bekannt, dass ich sie nicht will. Ich möchte sie nicht. Garantiert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)

Vorurteile seien „Anfang von Rassismus“

Dem Sohn iranischer Eltern sprach sie Mut zu. Der Student bezeichnete sich als voll integriert und beschrieb seine Erfahrungen mit zunehmender Ausländerfeindlichkeit. „Lassen Sie sich Ihren Schneid nicht abkaufen und halten Sie dagegen. Es ist die Zeit, wo wieder Mut gefragt ist“, sagte Merkel anerkennend.

Die Kanzlerin betonte dabei auch, dass Menschen nicht nach ihrem Aussehen beurteilt werden dürften. Vorurteile wären der Anfang von Rassismus. Darauf erntete sie Applaus im Studio.

Die neue Türkeipolitik

Als Fragen zu den deutsch-türkischen Beziehungen kamen, warb Merkel für den Zusammenhalt mit türkischstämmigen Bürgern:

Ihr seid hier zu Hause. Wir schätzen Euch.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)

Selbst für in Deutschland lebende Erdogan-Anhänger zeigte die Kanzlerin Verständnis und verwies auf die Meinungsfreiheit in Deutschland. Sie zeigte aber auch Grenzen auf und nannte als Beispiel das „gegenseitige Bespitzeln“. Da müsse der Staat eingreifen, so Merkel:

Wir wollen nicht, dass Ihr Eure Konflikte hier austragt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)

Auch die Rente war Thema. Hier wiederholte Merkel, dass die Union das Eintrittsalter von 67 Jahren nicht erhöhen wolle. Allerdings müsse bei der privaten und betrieblichen Altersvorsoge nachjustiert werden.