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Die positive Nachricht vorweg: Ab 2019 soll der Mindestlohn in zwei Stufen auf 9,35 Euro steigen. Dann kommt aber auch schon die negative Nachricht: Viele Firmen tricksen, um die Kostensteigerungen durch den Mindestlohn zu umgehen.

Eigentlich soll der Mindestlohn, aktuell 8,84 pro Stunde, dafür sorgen, dass Millionen Beschäftigte in Deutschland einen fairen Lohn bekommen. Das Tübinger Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) hat herausgefunden, dass Unternehmen versuchen, die Kostensteigerungen durch den Mindestlohn aufzufangen – verlieren tun dabei fast immer die Arbeitnehmer. SWR3-Redakteur Andreas Hain hat sich die Studie angeschaut.

Kürzungen beim Weihnachts- und Urlaubsgeld

Viele Betriebe würden Sonderzahlungen wie das Weihnachts- oder Urlaubsgeld kürzen, um so Geld zu sparen. Teilweise wurde Arbeitszeit mit Benzingutscheinen vergütet. Oft wurde auch die Arbeitszeit gekürzt, wobei das Arbeitspensum aber bestehen blieb. Einen ganz subtilen Trick hat die Studie ebenfalls ans Licht gebracht: Paketzusteller haben sich „belabern lassen“, damit sie anstelle des Mindestlohns pro Paket bezahlt werden. Das stellte sich dann als Falle heraus, weil Mitarbeiter so statt 9 Euro pro Stunde im Einzelfall nur auf 3,50 Euro pro Stunde kamen.

Mindestlohn macht nicht alle Mitarbeiter glücklich

Vor der Einführung des Mindestlohns gab es einen erheblichen Lohnunterschied zwischen Job-Anfängern und Mitarbeitern mit jahrelanger Erfahrung. Seit der Einführung des Mindestlohns im Januar 2015 bekommen in einigen Branchen Job-Anfänger und langjährige Mitarbeiter fast gleichviel. Die Studie hat ergeben, dass es im Einzelhandel Marktleiter gibt, die unterm Strich nur 30 Cent mehr bekommen, als andere Mitarbeiter. Solche Fälle machen unzufrieden, auch wenn sie gesetzlich rechtens sind.

Autor
Amelie Heß
Autor
Andreas Hain
Autor
SWR3