Autor
Vanessa Valkovic
Vanessa Valkovic, SWR3; Foto: SWR
Stand:

Tausende Menschen warten in Deutschland auf eine Niere. Eine Spende von Verwandten kann da eine Chance sein – und zugleich ein Risiko, über das Ärzte aufklären müssen. Was passiert, wenn sie das nicht richtig tun? Darüber hat heute der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe entschieden.

Der BGH hat in einem Grundsatzurteil die Rechte von sogenannten Lebendorganspendern gestärkt. Zwei Spender hatten wegen einer unzureichende Risikoaufklärung durch die Ärzte vor der Organentnahme geklagt.

Spender müssen ausreichend über Risiken aufgeklärt werden

Organspender, die sich beispielsweise dafür entscheiden, eine Niere zu spenden, haben künftig ein Recht auf Schadensersatz und Schmerzensgeld – wenn sie zuvor nicht ausreichend über die Risiken aufgeklärt, oder die Gespräche nicht dokumentiert wurden.

„Denn die Einhaltung der Vorgaben des Transplantationsgesetztes ist unabdingbare Voraussetzung, wenn die Bereitschaft der Menschen zur Organspende langfristig gefördert werden soll“, so die Vorsitzende Richterin des BGH.

Kläger leiden unter gesundheitlichen Problemen

Die beiden Kläger hatten Familienangehörigen eine Niere gespendet. In beiden Fällen leiden die Spender seit der Organentnahme unter gesundheitlichen Problemen. Sie seien vorab unzureichend über die Risiken des Eingriffs aufgeklärt worden.

Hätten sie mehr über die medizinischen Folgen erfahren, dann hätten sie sich gegebenenfalls gegen den Eingriff entschieden. Über die Schadenshöhe entscheidet jetzt das Oberlandesgericht Hamm.

Oberlandesgericht sah „hypothetische Einwilligung“

Zuvor hatte das Oberlandesgericht die Klagen abgewiesen. Die Richter sahen zwar Versäumnisse der Ärzte, beriefen sich aber auf die so genannte „hypothetische Einwilligung“: Sie gingen davon aus, dass die jeweiligen Spender wegen der emotionalen Nähe zu den Empfängern der Entnahme auch zugestimmt hätten, wenn sie eine korrekte Risiko- und Folgenaufklärung erhalten hätten. Mit seinem Urteil hat der BGH dieser Begründung widersprochen.