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Tim Stobbe
Tim Stobbe, SWR3; Foto: SWR3
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Äthiopien nimmt es mit dem grünen Daumen mit dem Klimawandel auf: An einem Aktionstag am Montag wurden nach Angaben der Regierung im gesamten Land 353 Millionen Bäume gepflanzt. Und viele weitere sollen noch bis Oktober folgen.

Vier Milliarden Bäume sollen nach den Plänen der Regierung bis Oktober in Äthiopien gepflanzt werden. „Äthiopien wird immer anfälliger für Klimaschocks, Wasserstände schrumpfen und die Fruchtbarkeit des Bodens ist wegen des Mangels an Bewaldung beeinträchtigt“, sagte Landwirtschaftsminister Umer Husen der Deutschen Presse-Agentur. Dem wolle man mit der im Mai begonnenen Pflanzinitiative begegnen.

Mehr Bäume als im Schwarzwald

Im Zuge der Initiative „Green Legacy“ (Grünes Vermächtnis auf deutsch) seien allein bei einer landesweiten Aktion am Montag innerhalb von zwölf Stunden 353 Millionen Bäume gepflanzt worden, so Umer. Eine beachtliche Menge: Das dürften mehr Bäume sein, als etwa im Schwarzwald stehen, sagt SWR-Umweltexperte Werner Eckert. Kritiker wie etwa einige äthiopische Oppositionspolitiker bezweifeln diese hohe Zahl gepflanzter Bäume – stehen in der Sache jedoch hinter den Bestrebungen der Regierung, Wälder in dem Land wieder aufzuforsten. Auch Mitglieder der Oppositionspartei haben sich teils an den Pflanzaktionen beteiligt.

Rund 23 Millionen Menschen hätten sich laut Landwirtschaftsministerium beteiligt. In jeder Gegend des Landes am Horn von Afrika wurden demnach Bäume gepflanzt. Staatliche Behörden und Schulen seien eigens geschlossen worden. Auch Regierungschef Abiy Ahmed pflanzte Bäume:

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Das Land wächst – in jeder Hinsicht

Äthiopiens Bevölkerung von derzeit rund 105 Millionen Menschen wächst rasend schnell. Zudem hat das Land laut Weltbank mit 7,7 Prozent ein sehr hohes Wirtschaftswachstum. Allerdings gehört Äthiopien nach Angaben der UN noch immer zu den weniger entwickelten Ländern der Welt. Somit sei es anfälliger für Klimaveränderungen. Das Land hat demnach große Umweltprobleme wie Bodenerosion, Abholzung, Wüstenbildung, wiederholte Dürren, Überschwemmungen sowie Wasser- und Luftverschmutzung.

Wie sinnvoll ist so eine Aktion?

Das weltweite Klima wird Äthiopien auch mit Milliarden Bäumen nicht retten, so die Einschätzung von Eckert. Dafür bräuchte es neue Wälder auf einer Fläche der Größe der USA – während die Menschheit nicht weiter Kohle, Gas und Öl verbrennt.

Regional seien all diese Bäume jedoch von großer Bedeutung: „Äthiopien ist dreimal so groß wie Deutschland, hat aber fast keinen Wald“, sagt Eckert. Das sei nicht immer so gewesen, fast alles wurde abgeholzt. „Dadurch ist sehr viel Feuchtigkeit verloren gegangen. Für das Land ist es daher enorm wichtig, dass man Wasserspeicher in Form von Wäldern zurückgewinnt.“