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Könnte die Afrikanische Schweinepest auch in Deutschland ausbrechen? Genau davor haben Landwirte im Moment Angst. Das wären die Folgen eines Ausbruchs.

Die Seuche kommt näher – daran hat Bernhard Krüsken vom Deutschen Bauernverband (DBV) keine Zweifel. Die Tierseuche breitet sich bereits seit einigen Jahren über Russland in Richtung Westeuropa aus.

Jetzt – nach den jüngsten Infektionsfällen in Zlin südlich von Prag in Tschechien und der Region Warschau in Polen – spricht auch das Bundeslandwirtschaftsministerium von einem „hohen Infektionsdruck“.

Schützt sich Deutschland zu wenig?

Damit die Seuche bei uns aber gar nicht erst ausbricht, fordert der Bauernverband mehr Vorsichtsmaßnahmen. Die Kritik: Sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene passiere momentan zu wenig, so Krüsken weiter.

Wildschwein; Foto: picture alliance / Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/dpa

Wildschweine – sie sind einer der Hauptverbreiter der Pest.

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Ein Vorschlag des Bauernverbandes ist, den Wildschweinbestand durch intensivere Jagd noch mehr zu senken. Denn: Wildschweine gelten als wichtiger Übertragungsweg der Seuche. Jäger sollen neuerdings mit Prämien dazu motiviert werden, mehr Wildschweine zu schießen. Solche Abschussprämien gibt es tatsächlich in einigen deutschen Bundesländern – so bekommt der Jäger für jedes erlegte Tier in Mecklenburg-Vorpommern 25 Euro und in Bayern 20 Euro.

Auch in anderen Ländern wird mit solchen Prämien zum Jagen aufgerufen: In Polen bekommen Jäger auf Anordnung des polnischen Präsidenten Andrzej Duda seit Kurzem bis zu sechs Tage bezahlten Sonderurlaub, wenn sie diesen zur Jagd auf Wildschweine nutzen. In Tschechien müssen angeblich sogar Scharfschützen der Polizei nachts Wildschweine schießen.

Der Mensch ist mit schuld an der Verbreitung

Obwohl die Pest für den Menschen nicht ansteckend ist, gilt der als der wahrscheinlichste Übertragungsweg.

Biomüll; Foto: picture alliance / Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa

Wir Menschen sind ein weiterer Übertragungsweg der Seuche – zum Beispiel durch weggeworfene Speisereste, die Wildschweine dann fressen.

picture alliance / Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa

Denn: Die Wildschweine in Tschechien und in Kaliningrad haben sich vermutlich über weggeworfene Speisereste infiziert. Experten fürchten deshalb, dass Schweinepestviren schon bald von Reisenden oder Transporten aus Osteuropa nach Deutschland eingeschleppt werden könnten.

Der DBV warnt vor immensen Folgen einer Epidemie. Denn: Sollte sich der Erreger in Deutschland ausbreiten, drohe ein „wirtschaftlich katastrophales Szenario“. Exportländer würden Schweinefleisch dann nicht mehr abnehmen – und das wäre ein herber Schlag für ein Land wie Deutschland, in dem so viel Schweinemast betrieben wird. Für die Verbraucher in Deutschland würde das bedeuten, dass die Preise drastisch fallen, so Krüsken weiter.

 ; Foto: SWR3
1:58

SWR3-Reporter Josh Kochhann

Besuch im hohenlohischen Pfedelbach in einem Betrieb

„Seuche würde Schäden in Milliardenhöhe verursachen“

Die möglichen Schäden für die deutsche Landwirtschaft liegen laut Krüsken „bei zwei bis drei Milliarden Euro pro Jahr“. Rechne man die Kosten für die Seuchenbekämpfung und die gesamte Ernährungsbranche hinzu, lande man schnell in „zweistelliger Milliardenhöhe“.

Der Verband befürchtet gar eine neue Existenzkrise für viele Unternehmen. „Käme nach der gerade bewältigten Krise nun eine neue, müsste sicher eine große Zahl von Betrieben aufgeben.“

Autor
Laura Bisch