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Christian Kreutzer
Christian Kreutzer, SWR3; Foto: SWR3
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Seit der Aussteiger Christopher McCandless 1992 in Alaskas Wildnis verhungert ist – und sein Schicksal verfilmt wurde – pilgern immer wieder Menschen zu seinem letzten Aufenthaltsort. Immer wieder gibt es dabei auch neue Opfer. Jetzt starb eine Touristin aus Weißrussland.

McCandless war 22, hatte wohlhabende Eltern – und keine Lust auf ein bürgerliches Leben. Er stieg aus, wanderte durch die USA und landete nach zwei Jahren in Alaska.

In der weitgehend unberührten Natur des riesigen Bundesstaates, gefiel es ihm. Alaska ist rund fünfmal so groß wie Deutschland, hat aber nur etwas mehr Einwohner als Frankfurt am Main.

An dieser Stelle begann McCandless' Weg in den Tod: Der junge Mann ging auf den berühmten „Stampede Trail“ im Denali Nationalpark, überquerte irgendwann den Teklanika-River und fand nach ein paar Tagen einen ausrangierten Bus.

Alaska, Teklanika-Fluss; Foto: dpa picture alliance/Bildagentur-online

Der weit verzweigte Teklanika-Fluss bei schönem Wetter und Niedrigwasser.

dpa picture alliance/Bildagentur-online

Keine Axt, kein Kompass, keine vernünftige Landkarte

Dort zog er ein, sammelte Beeren, jagte Vögel und Eichhörnchen mit einem alten Jagdgewehr – und nahm dabei immer weiter ab. Was er nicht dabei hatte, waren Dinge wie eine Axt oder beispielsweise einen einfachen Kompass. Nach rund drei Monaten wollte er zurück, doch der Teklanika-Fluss war mittlerweile wegen der Schneeschmelze geschwollen und unpassierbar.

Leider hatte McCandless auch keine detaillierte Karte dabei, sonst hätte er gewusst, dass nur 400 Meter weiter eine von Hand betriebene Schwebefähre über den Fluss wartete. Der Aussteiger kehrte zu seinem Bus zurück und hoffte darauf, von Jägern gefunden zu werden. Rund vier Wochen später war er verhungert. Auf diesem Tweet sieht man ihn bereits völlig abgemagert, vermutlich nicht allzu lange vor seinem Tod. „McCandless war kein erleuchteter Guru. Er war leichtsinnig, ahnungslos und schlecht vorbereitet“, lautet der Text darunter:

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Ein gefährliches Pflaster

Heute sind die meisten Experten der Meinung, McCandless sei ein verantwortungsloser Naivling gewesen, der die Natur Alaskas einfach komplett unterschätzt habe.

Dennoch ist er berühmt: Vier Jahre nach seinem Tod beschrieb der berühmte Natur-Journalist Jon Krakauer sein Schicksal in einem Buch. 2007 drehte Sean Penn einen viel beachteten Film mit Emile Hirsch in der Hauptrolle (Film und Buch tragen den Titel „Into the Wild“ – „In die Wildnis“). Im Buch und im Film wird er eher noch als eine Art Philosoph dargestellt, der sich tragischerweise mit den falschen Beeren vergiftet hatte.

Weder das Buch noch der Film kommen dabei dem eigentlichen Problem so richtig nahe: Dass nämlich die Wälder Alaskas für Menschen, die sich nicht eingehend damit befasst haben, die sich selbst für topfit und die Wildnis für harmlos halten, ein gefährliches Pflaster sind.

Vom Hochwasser weggespült

Und seit dem Buch und vor allem dem Film geht das einfach so weiter: Immer wieder machen sich Leute von Healy auf, um den berühmten Bus aufzusuchen. Etliche geraten dabei in Gefahr oder kommen ums Leben.

Am Donnerstag vergangener Woche traf es eine Frau aus Weißrussland: Die 24 Jahre alte Veramika M. und ihr gleichaltriger Freund Piotr M. waren auf dem Weg zum Bus und standen irgendwann ebenfalls vor dem Teklanika-Fluss. Der war nach heftigen Regenfällen stark angeschwollen. Die beiden versuchten dennoch, ihn zu überqueren. Dabei verlor die junge Frau den Halt und wurde unter Wasser gezogen, wie zahlreiche US-Medien berichten.

Als ihr Freund sie einige hundert Meter weiter zu fassen bekam und aus dem Wasser zog, war sie bereits ertrunken.

Auch Deutsche mussten schon gerettet werden

Im Tweet unten: Der „magische Bus“ wie ihn viele nennen. Der Text darüber: „Wann werden die Leute mit den Pilgerreisen zu diesem Bus aufhören? McCandless war kein Held; er war psychisch krank, dachte nicht daran Überlebenstipps zu beachten und starb einen tragischen und sinnlosen Tod. Es reicht.“

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M. ist leider nicht die einzige. Meistens ist es der Teklanika, der zur Todesfalle wird: 2010 ertrank beispielsweise ein Schweizer beim Versuch, ihn zur falschen Zeit zu überqueren – gerade eine Meile von dem Bus entfernt.

2013 mussten drei deutsche Wanderer im gleichen Gebiet per Hubschrauber gerettet werden. Sie hatten den Bus gefunden und Nahrung für wenige Tage im Rucksack. Auf ihrem Rückweg war der Teklanika so geschwollen, dass er nicht mehr passierbar war. Wenigstens waren sie so schlau, es nicht zu versuchen.

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