Stand:

Um die Flut an durchsichtigen Plastiktütchen einzudämmen, verlangt Aldi in Zukunft einen Cent pro Obstbeutel. Alice Thiel-Sonnen aus der SWR-Umweltredaktion erklärt, ob was das bringt.

37 sogenannte Hemdchen- oder Knotenbeutel – so heißen die durchsichtigen Tüten beim Obst oder Gemüse im Supermarkt – verbrauchen die Deutschen pro Jahr und Kopf. Diese Zahl ist im vergangenen Jahr sogar angestiegen, weil mehr Kundinnen und Kunden die gratis Obsttüten als Ersatz für die kostenpflichtigen Plastiktragetaschen benutzen.

Die Discounter Aldi Süd und Aldi Nord wollen deshalb in Zukunft einen symbolischen Cent für die Obstbeutel verlangen, um „Verbraucher an der Obst- und Gemüsetheke zum Umdenken zu bewegen“.

Neue Tüten sind aus nachwachsenden Rohstoffen

Die neu angebotenen Obstbeutel sollen außerdem eine umweltfreundlichere Alternative zu ihren Vorgängern sein: Sie sollen aus Bio-Plastik hergestellt werden, um Erdöl zu sparen, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Alice Thiel-Sonnen aus der SWR-Umweltredaktion hat die wichtigsten Antworten zum Thema:
SWR-Umweltredakteurin Alice Thiel-Sonnen; Foto: SWR

Aus der SWR-Umweltredaktion: Alice Thiel-Sonnen

SWR

SWR3: Der Preis von einem Cent auf die Tüten ist ja eher symbolisch. Kann das überhaupt etwas bewirken?

„Natürlich. Wenn ich für etwas, das es bislang immer umsonst gab, plötzlich zahlen soll, hat das einen kleinen Abschreckungseffekt. Nur, ein Cent ist gefühlt nicht viel. Da sagen auch Verkaufspsychologen: Das hält niemanden von irgendetwas ab. Umweltverbände haben schon immer so eine Lenkungsabgabe gefordert. Wenn Tüten einen Preis bekommen, dann wird auch nicht mehr so oft zugegriffen. Aber so eine Abgabe müsste etwas höher sein als ein Cent, damit sie überhaupt wirkt.“

SWR3: Wie teuer müssten diese Tüten denn sein, damit es einen spürbaren Effekt gibt?

„Das ist schwer zu sagen. Dafür gibt es keine Rechentabelle. Aber das beste Beispiel ist doch die dicke Plastiktragetasche: Da hat Aldi anfangs nur zehn Cent für kassiert. Seit kurzem kostet sie 20 Cent und jetzt geht die Nachfrage zurück. Also je höher der Preis desto besser, könnte man sagen. Bei den dünnen Tüten am Obst- und Gemüseregal würde ich sagen, sollten die Märkte schon mit zehn Cent einsteigen, wenn sie eine Wirkung erzielen wollen.“

SWR3: Werden andere Supermärkte bei der Aktion nachziehen?

„Davon ist auszugehen. Andere Discounter und Supermärkte sind auch schon mit Ideen vorgeprescht. Edeka und Rewe verkaufen beispielsweise diese dünnen Netzbeutel, in denen Kundinnen und Kunden das Gemüse abwiegen können - diese sind mehrfach verwendbar. Das will Aldi ab Herbst auch einführen. Der Effekt lässt sicher zu Wünschen übrig, solange es die dünnen Plastiktüten nebenher weiterhin umsonst gibt. Die Kombination von beidem, Mehrwegnetz und kostenpflichtiger Plastiktüte, wäre vielleicht eine Idee. Im Moment fühlt der Handel so ein bisschen vor, probiert mal dies, probiert mal jenes und schaut, wann die Kundin oder der Kunde mitzieht und wann sie oder er vielleicht gar nicht drauf reagiert.“

SWR3: Um das gerade noch einmal einzuordnen: Wie groß ist der Anteil von diesen Tüten am Gesamtplastikproblem?

„Wenn wir uns den ganzen Verpackungsplastikberg hier bei uns in Deutschland vornehmen, dann haben Plastiktüten daran gerade einmal einen Anteil von rund sechs Prozent. Das hört sich im ersten Moment zwar wenig an, trotzdem könnte hier leicht eingespart werden: Plastik, für das es Alternativen gäbe, könnte vermieden werden.“