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Im Vereinigten Königreich ist die Queen praktisch allgegenwärtig. Auf Briefmarken, Geldscheinen, im Fernsehen. Doch was ist mit der Wahlkabine?

Das ist vermutlich der einzige Ort, an dem man sie bei der Parlamentswahl am Donnerstag nicht antreffen wird. Es gibt zwar kein Gesetz, dass der Königin die Teilnahme an der Wahl verbietet, trotzdem gehen sie oder die anderen Mitglieder der royalen Familie nicht wählen und sie kandidieren auch nicht für politische Mandate. 

Eiserne Neutralität

Die Queen ist strikt zur politischen Neutralität verpflichtet. Das gehört der Verzicht auf die Teilnahme an der Wahl zu den ungeschriebenen Gesetzen, beziehungsweise Erwartungen an die Monarchen.   

Die Queen kommt erst nach der Wahl wieder ins Spiel. Dann nämlich beauftragt sie denjenigen, der eine Mehrheit des Unterhauses hinter sich versammeln kann, mit der Bildung der „Regierung ihrer Majestät“. 

Wenn es nach der Wahl eine klare Mehrheit für eine Partei gibt, dann ist das einfach. Wenn nicht, dann wird es schwierig: Denn dann muss die Monarchin warten, bis sich eine Koalition oder zumindest – wie vor zwei Jahren bei Theresa May – eine Allianz gebildet hat. 

So sind übrigens die letzten Wahlen im Jahr 2017 ausgegangen:

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Horrorvorstellung für die Berater im Palast

Was aber ist, wenn am Ende womöglich sowohl Boris Johnson, wie auch Jeremy Corbyn behaupten: „Ich habe die meisten Abgeordneten hinter mir.“? Das ist eine Horrorvorstellung für die Berater im Palast. Denn niemand will, dass die Monarchin entscheiden soll, wer der demokratisch legitimierte Premierminister ist. 

Wenn es dann wieder eine Regierung gibt, kommt noch die „Queen's Speech“. Das ist jene Rede, in der die neue Regierung ihre Pläne für das nächste Jahr ankündigt. Im Kalender der Queen ist dafür bereits der 19. Dezember freigehalten. 

Einmal in der Woche tritt der Premier bei der Queen an

Die Queen spricht im Parlament dann auch immer von „my Government“ – „meine Regierung“. Ob es tatsächlich auch eine Regierung ihrer Wahl ist, das muss sie dabei zum Glück nicht verraten.

Vielleicht lässt sie das den neuen Premierminister dann ja später irgendwann einmal wissen. Denn der Regierungschef erhält einmal wöchentlich eine Audienz bei der Queen, hinter verschlossenen Türen. Meistens am frühen Mittwochabend. Allerdings: Was da besprochen wird, darf keiner von beiden verraten.