Autor
Christian Kreutzer
Christian Kreutzer, SWR3; Foto: SWR3
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Schon seit Monaten schnüffelt das US-Boulevardblatt National Enquirer im Privatleben von Amazon-Gründer Jeff Bezos herum. Jetzt droht der Streit zu eskalieren.

Es geht um intime Fotos und die neue große Liebe von Jeff Bezos: Der hatte im vergangenen Monat die Trennung von seiner langjährigen Ehefrau MacKenzie bekannt gegeben. Offenbar schon vor der Trennung hatte er sich mit der früheren Nachrichtensprecherin Lauren Sanchez zusammengetan – ein gefundenes Fressen für Zeitungen wie den Enquirer.

Steckt Trump dahinter?

Irgendwie kamen die Boulevard-Reporter an intime Textnachrichten, die Bezos an Sanchez geschickt hatte. Fotos der beiden wurden auch veröffentlicht – zum Riesenärger von Bezos. Doch wozu ist man schließlich der reichste Mann der Welt? Umgerechnet fast 120 Milliarden Euro Privatvermögen nennt Bezos sein eigen – genug für ein Team von erstklassigen Privatdetektiven, die herauskriegen sollten, wie die Reporter an das Material gekommen waren.

Das war aber nur eine von zwei Fragen. Die zweite lautet: Steckt vielleicht Bezos Intimfeind Donald Trump hinter der Geschichte? Der hatte dem Amazon-Chef und Besitzer der renommierten Washington Post, schon mehrfach auf seinem berühmten Twitter Account attackiert.

Und hier kommt David Pecker ins Spiel: Er ist Chef des Enquirer-Herausgebers American Media inc. (AMI) – und seinerseits ein Vertrauter Trumps. Wie er selbst zugegeben hat, half er Trump im Wahlkampf 2016 mit der Abwicklung einer Schweigegeldzahlung an eine angebliche frühere Sexpartnerin des US-Präsidenten.

„Die sagen, sie hätten mehr Textnachrichten und Fotos“

Ein abgekartetes Spiel, argwöhnte Bezoz und ließ seine Detektive auf den Enquirer los. Pecker ließ ihm dagegen über Mittelsmänner ausrichten, er solle die Ermittlungen gefälligst einstellen.

Jetzt haben die beiden Medien-Herausgeber Bezos und Pecker ihren Streit auf eine neue Eben gehoben: Am Donnerstag veröffentlichte Bezos auf dem Portal „Medium“ einen offenen Brief. Darin behauptet er, AMI habe ihm gedroht, schlüpfrige Fotos von ihm und seiner Geliebten Sanchez zu veröffentlichen:

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„Die sagen, sie hätten mehr Textnachrichten und Fotos, die sie veröffentlichen, wenn wir mit unserer Untersuchung nicht aufhören“, heißt es dort. Er wolle vor Erpressung nicht kapitulieren, schreibt Bezos, auch wenn ihm jetzt peinliche Enthüllungen drohten.

„Erpressung, Gefälligkeiten, Angriffe und Korruption“

AMI habe außerdem gefordert, Bezos solle öffentlich erklären, er habe keine Anhaltspunkte für ein politisches Motiv oder einen "Einfluss politischer Kräfte" hinter der Enthüllungsgeschichte des Blattes. Scheinbar ist dem Enquirer die mutmaßliche Nähe zum Präsidenten selbst unangenehm.

Bezos weiter: „Natürlich will ich nicht, dass persönliche Fotos veröffentlicht werden. Aber ich werde mich auch nicht an ihrer bekannten Praxis von Erpressung, politischen Gefälligkeiten, politischen Angriffen und Korruption beteiligen.“

Private Affäre oder mutiger Kampf gegen die Versuche von Trump und seinen Freunden, unliebsame Berichterstattung wie die in der Washington Post zu unterdrücken? Sicher ist: Die Affäre für Bezos und Pecker ist noch lange nicht ausgestanden.

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