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Donald Trump verschärft die Spannungen zwischen den USA und dem Iran: Er droht dem Staat mit Vergeltung für einen Angriff, zu dem sich eigentlich andere bekannt haben. Hintergrund sind massiv steigende Ölpreise.

US-Präsident Donald Trump hat den Urhebern des Anschlags auf saudische Förderanlagen mit Rache gedroht: „Wir haben Anlass zu glauben, dass wir den Täter kennen“, schrieb er auf Twitter. Die USA seien auf einen Einsatz vorbereitet, warteten aber jetzt darauf, wer nach Einschätzung des saudischen Königreichs für die Angriffe verantwortlich ist und unter welchen Bedingungen man weiter vorgehen werde.

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Jemenitische Rebellen als Stellvertreter für den Iran?

Die USA vermuten, dass der Iran hinter den Anschlägen steckt. Die Führung in Teheran bestreitet das vehement – schon kurz nach den Anschlägen hatten sich jemenitischen Huthi-Rebellen zu den Angriffen bekannt. Diese werden aber im Krieg im Jemen vom Iran unterstützt, daher kommt die US-Regierung zu ihrem Verdacht. Denn Saudi-Arabien steht auf der Seite der Regierung im Jemen und ist wiederum ein enger Verbündeter der USA. Bei der Drohung geht es Trump also auch darum, Muskeln zu zeigen.

Angriff auf saudische Raffinerie: Trump droht dem Iran; Foto: U.S. Government/DigitalGlobe/AP

Das Foto zeigt zeigt Schäden an der Raffinerie-Infrastruktur des saudischen Ölriesens Saudi Aramco nach dem Drohnenangriff. 

U.S. Government/DigitalGlobe/AP

Der iranische Präsident Hassan Ruhani hat die Drohnenangriffe als Warnung an die Führung des Landes bezeichnet. Die Attacken seien eine Folge des Bürgerkriegs im Jemen gewesen, sagte Ruhani bei einer Kabinettssitzung in Teheran.

US-Außenminister Mike Pompeo will heute in Riad mit der saudischen Führung beraten, wie man auf die Angriffe reagiert.

Größte Raffinerie Saudi-Arabiens mit einer Drohne attackiert

Am Samstagmorgen hatten mehrere Explosionen Anlagen des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco erschüttert – die größte Raffinerie des Landes und die größte Rohölstabilisierungsanlage der Welt. Durch die Angriffe mit Hilfe von Drohnen ist die Produktion in der Raffinerie massiv zurück gegangen, ersten Angaben zufolge kann Saudi-Arabien nur noch die Hälfte der üblichen Menge Öl pro Tag liefern. Der Öl-Preis stieg in der Folge mehr als zehn Prozent.

Trump: Nationale Reserven werden freigegeben

Trump hat inzwischen angekündigt, bei Bedarf die Öl-Reserven der USA freizugegeben. Die Menge habe er noch nicht festgelegt, schrieb Trump ebenfalls auf Twitter, aber sie werde ausreichend sein, um die Märkte gut zu versorgen. Die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris sah trotz des Produktionsrückgangs zunächst keine Versorgungsprobleme. Vorerst seien die Märkte gut mit reichlich kommerziellen Beständen versorgt, teilte sie mit. Man verfolge die Situation in Saudi-Arabien aufmerksam.

Angriff auf saudische Raffinerie: Trump droht dem Iran; Foto: picture alliance/Oliver Berg/dpa

Weltweit stiegen die Ölpreise nach den Angriffen in Saudi-Arabien. An deutschen Tankstellen wird sich das nach Ansicht von Experten zunächst nicht bemerkbar machen.

picture alliance/Oliver Berg/dpa

Tanken wird bei uns erst mal nicht teurer

Öl ist wegen der Angriffe deutlich teurer geworden: In den ersten Handelsminuten stiegen die Ölpreise am Montag an den Börsen bis zu 20 Prozent, gingen dann aber wieder runter. Vor allem Aktien aus der stark vom Ölpreis abhängigen Luftfahrt- und Reisebranche gerieten unter Druck. Die Auswirkungen auf den deutschen Markt und für die Autofahrer dürften sich aber nach Einschätzung des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) in Grenzen halten: Aus Saudi-Arabien komme kaum Öl nach Deutschland – 2018 sei es nur ein Prozent gewesen. „Eine Engpass-Gefahr beim Öl besteht für Deutschland also nicht.“ Ob sich ein höherer weltweiter Ölpreis spürbar und dauerhaft auf deutsche Tankkunden auswirke, sei aber offen. Andere Länder seien mittelfristig in der Lage, ihre Fördermengen zu erhöhen und den Ausfall so auszugleichen.