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Mario Demuth
Mario Demuth, SWR3; Foto: SWR3
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Der mutmaßliche Attentäter von Christchurch hat auch an Neuseelands Premierministerin eine rechtsextreme Kampfschrift geschickt. Wenige Minuten vor dem Anschlag sei diese per Mail in ihrem Büro angekommen, bestätigte die Regierungschefin. Ermittler gehen inzwischen davon aus, dass der festgenommene 28-Jährige die Tat allein verübt hat.

Premierministerin Jacinda Ardern sagte, dass neun Minuten vor den Attacken eine Mail in ihrem Büro eingegangen ist. Die Taten hätte sich jedoch nicht mehr verhindern lassen, sagte sie. Denn in dem Schreiben seien keine konkreten Hinweise auf Tatorte oder Ähnliches enthalten gewesen.

Bild von zwei trauernden Frauen, die sich umarmen und gegenseitig stützen.; Foto: dpa/picture-alliance

Die Menschen in Christchurch trauern.

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Inzwischen ist die Zahl der Opfer gestiegen. In einer der Moscheen, die der Täter attackierte, wurde eine weitere Leiche gefunden.

Damit sind insgesamt 50 Menschen bei den Anschlägen ums Leben gekommen. Zwei Personen schweben nach neuseeländischen Angaben noch in Lebensgefahr.

Medien des Landes berichten, dass alle Opfer Muslime sind. Sie seien zwischen zwei und 77 Jahren alt gewesen.

28-Jähriger soll Taten in Christchurch allein verübt haben

Ermittler gehen davon aus, dass der festgenommene 28-jährige Australier als Einzeltäter gehandelt hat. Er muss sich vor Gericht wegen Mordes verantworten. Der Mann stellte keinen Antrag auf Freilassung gegen Kaution und bleibt weiter in Gewahrsam. Am 5. April soll er wieder vor Gericht erscheinen.

Zwei weitere Personen, die als verdächtig galten, wurden inzwischen wieder freigelassen. Sie sollen nichts mit den Taten zu tun haben.

Neuseeland will Waffengesetze ändern

Als Reaktion auf das Attentat kündigte Neuseelands Regierungschefin an, die Waffengesetze zu ändern. Bisher kann man in dem Pazifikstaat nach einer Überprüfung bereits mit 16 Jahren Waffen besitzen. Voraussetzung ist ein Waffenschein. Hat man diesen, müssen gekaufte Waffen nicht mehr einzeln angemeldet werden.

Einen Waffenschein besitzt auch der festgenommene Australier. Er habe diesen seit Dezember 2017 und soll im Anschluss die fünf Waffen gekauft haben, die er auch beim Anschlag benutzt haben soll. Das sagte Regierungschefin Ardern in einer Pressekonferenz.

Ermittler hatten den Angeklagten nicht im Visier

Die Premierministerin erklärte, der Beschuldigte habe bisher auf keiner Beobachtungsliste gestanden, obwohl er sich im Internet extremistisch geäußert habe. Es werde nun geprüft, ob er den Behörden früher hätte auffallen müssen. Zugleich lobte Ardern den Mut von zwei Polizisten, die den mutmaßlichen Attentäter eine gute halbe Stunde nach dem ersten Notruf festgenommen hatten.

Bild von trauernden Menschen, die vor einem offiziellen Gedenkort stehen.; Foto: dpa/picture-alliance

Die Anteilnahme ist überwältigend. An den Anschlagsorten wurden unzählige Blumen niedergelegt.

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In einer Schule in Christchurch traf Ardern Überlebende der Anschläge und Angehörige von Opfern. Auch viele Neuseeländer zeigten ihr Mitgefühl und legten Blumen und Trauerbotschaften nahe der Al-Noor-Moschee nieder.

Viele Geschäfte blieben nach den Anschlägen geschlossen. Auf einem Spendenkonto für die Hinterbliebenen gingen inzwischen mehrere Millionen Euro ein.